VW-Konkurrenz erhöht Ziele Hyundai und Kia greifen an - nach einem miesen Jahr

SUV Hyundai Tuscon: Die Koreaner wollen weltweit SUV-Modelle anbieten, die jeweils auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnitten sind

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Es ist gerade mal ein paar Jahre her, da handelten VW-Manager den koreanischen Autohersteller Hyundai-Kia als den weltweit gefährlichsten Konkurrenten. Der Ritterschlag für die beachtliche Qualitäts-Aufholjagd der Koreaner kam von VW selbst: "Da scheppert nix", befand der damalige Konzernchef Martin Winterkorn im Herbst 2011 missmutig über die Lenkrad-Höhenverstellung des Golf-Rivalen Hyundai i30.

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Ordentlich gescheppert hat es seither bei VW. Europas größter Autokonzern wurde durch den Abgasskandal durchgebeutelt wie kaum zuvor und will nun mit Elektromobilen und neuen Mobilitätsdiensten das Umweltsünder-Image abschütteln. Dennoch überholte VW im vergangenen Jahr Toyota und ist nun größter Autohersteller der Welt.

Und die einstigen Erzkonkurrenten aus Korea? Auch bei Hyundai und Kia hat es seither anhaltend gescheppert. Die lange Jahre makellose Wachstumsbilanz mit Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich hat einige hässliche Kratzer abgekommen.

Absatz- und Wachstumsziele haben die Koreaner in den vergangenen Jahren mehrfach verfehlt. Etwa im vergangenen Jahr: Da wollten die Koreaner eigentlich über die Schwelle von acht Millionen verkauften Autos kommen. Wie Hyundai-Kia nun eingestehen musste, schafften sie das weltweit nicht und kamen nur auf 7,88 Millionen abgesetzte Neuwagen. Somit verfehlte der Autokonzern seine eigenen Erwartungen das zweite Jahr hintereinander.

Noch schlimmer: Im Jahr 2016 haben die Koreaner erstmals seit gut zwei Jahrzehnten weniger Autos verkauft als im Jahr zuvor. Doch für dieses Jahr übt sich der Konzern in Optimismus: Die weltweiten Auslieferungen der Marken sollen 2017 um 5 Prozent auf 8,25 Millionen Fahrzeuge steigen. Das geht aus Börsenmitteilungen und der Neujahrsansprache von Konzernchef Chung Mong Koo am Montag hervor.

SUV-Trend großteils verschlafen

Nach wie vor sind Hyundai und seine Schwestermarke Kia der fünftgrößte Autohersteller der Welt. Jahrelang machten die Koreaner sehr vieles sehr richtig: Sie investierten viel Mühen in ein ausdrucksstarkes Design, ließen ihren regionalen Organisationen vergleichsweise viele Freiheiten bei der lokalen Produktgestaltung - und schafften es so, ihr Billigheimer-Image zum Großteil abzulegen.

Doch den Branchentrend in allen Fahrzeugklassen hin zu SUVs erkannten die Koreaner erst spät: In den USA etwa haben Hyundai und Kia nach wie vor sehr viele Limousinen im Portfolio. Zudem setzten den Koreanern zuletzt die schwächelnden Verkäufe in Schwellenländern zu. Im vergangenen Jahr musste Südkoreas Branchenprimus auch die Folgen von Arbeitsniederlegungen wegstecken. Als Folge wochenlanger Streikaktionen hätten 140.000 Autos nicht produziert werden können, erklärte der Konzern im Oktober.

Neue Absatzziele stoßen auf Skepsis

Auch dieses Jahr dürfte hart werden, wie Konzernchef Chung warnte: Die Autoindustrie müsse sich auf "größere Unsicherheiten" einstellen. Es gebe einen "zunehmenden Handelsprotektionismus und einen wachsenden globalen Wettbewerb". Zudem dürfte sich die Schwäche der Weltwirtschaft fortsetzen".

Wenig überraschend setzt die Gruppe deshalb auf eine größere Palette von sportlichen Geländewagen (SUV) und umweltfreundlicheren Fahrzeugen. "Die Hyundai-Motor-Gruppe wird jedes Jahr mehr als zehn neue Modelle einführen", sagte Chung. Allein bis 2020 sei die Einführung von 28 "umweltfreundlichen" Modellen geplant. Zudem werde die Gruppe eine "vollständige SUV-Produktpalette mit Modellen anbieten, die auf die einzelnen Regionen zugeschnitten sind und den unterschiedlichen Kundenbedürfnissen entsprechen".

"Hyundai zielt zu hoch"

Auch hofft Hyundai auf einen erfolgreichen Betriebsstart in der neuen Fabrik in der chinesischen Millionenstadt Chongqing in diesem Jahr - der fünften Anlage des Unternehmens im weltgrößten Automarkt. Die Gruppe hat damit insgesamt 35 Produktionsanlagen in zehn Ländern weltweit.

Hyundai erwartet, in diesem Jahr 5,08 Millionen, Kia 3,17 Millionen Autos absetzen zu können. Branchenbeobachter halten dies für schwierig: Es gebe keine einfachen Märkte für die Koreaner, erklärt etwa eine Analystin des Bankhauses Nomura gegenüber dem "Wall Street Journal". Zudem werde das Wachstum in den beiden größten Automärkten der Welt, also in China und den USA, in diesem Jahr stagnieren. Hyundai ziele zu hoch, meinte die Analystin.

Trotz dieser mahnenden Worte zeigten sich die Aktionäre mit den Prognosen zufrieden: Die Papiere von Hyundai Motor  stiegen am ersten Handelstag dieses Jahres um 2,7 Prozent und die von Kia um 0,6 Prozent. Der Aktienmarkt in Seoul insgesamt trat dagegen auf der Stelle.

mit Material von Reuters und dpa
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