Mittwoch, 19. Juni 2019

Autohersteller Hyundais teurer Grundstücksdeal provoziert Arbeiter-Streik

Hyundai-Zentrale in Seoul: Wegen eines Grundstückskaufs für 10 Milliarden Dollar streiken die Arbeiter bis Freitag insgesamt 24 Stunden lang

Das ist Arbeitsniederlegung im Gangnam-Style: Hyundais Arbeiter streiken wegen eines Grundstückskauf des Autoherstellers in Seouls Viertel Gangnam. Friedlich geht es zwischen Gewerkschaftern und Management schon länger nicht mehr zu - trotz hoher Fabrikslöhne.

Hamburg - Grundstückskäufe in Südkoreas Hauptstadt Seoul sorgten bislang nur selten für weltweite Schlagzeilen. Das änderte sich am vergangenen Donnerstag: Denn da wurde bekannt, dass der Autohersteller Hyundai Börsen-Chart zeigen für eine 80.000 Quadratmeter große Fläche satte zehn Milliarden Dollar bezahlt.

Auf dem Gebiet in Seouls Trendviertel Gangnam will Hyundai seine neue Konzernzentrale hochziehen. Nach einem Bieterstreit mit Samsung berappt der Autokonzern das Dreifache des Schätzpreises für das Grundstück, das bisher Koreas staatlichem Versorger Kepca gehörte. Es ist ein Geschäft, das nicht nur bei Investoren für Verstimmung sorgt.

Nach Bekanntgabe des Deals stürzte der Kurs der Hyundai-Aktie um 9 Prozent ab. Nun hat die Führung des Autoherstellers auch noch massiven Ärger mit ihrer koreanischen Belegschaft. Die Arbeiter in Hyundais Werken in Korea starten nun mehrstündige Warnstreiks. Der Arbeitsausstand begann bereits am Dienstag, bis Freitag wollen die Arbeiter die Arbeit für insgesamt 24 Stunden niederlegen.

Schon seit Monaten streiten Gewerkschafter und Management um Gehälter, doch das Immobiliengeschäft gibt dem Konflikt neue Nahrung. "Der Grundstücksdeal zeigt, dass das Unternehmen eine Menge Geld hat. Was die Firma über knappe Kassen gesagt hat, ist eine vollkommene Lüge", sagte Hyundai-Gewerkschaftssprecher Hwang Ki-tae gegenüber der Wirtschaftzeitung "Financial Times" (FT).

Analysten halten Grundstückspreis für zu hoch

Das sind harte Worte an die Manager des Konzerns. Die aktuellen Streiks sind die jüngsten in einer ganzen Serie. Erst im vergangenen Monat gab es zeitweise Arbeitsniederlegungen, heißt es in der FT. Ausstände wegen Gehaltsverhandlungen gehören bei Hyundai und Kia fast schon zur alljährlichen Tradition - obwohl die Löhne in den Fabriken zu den höchsten in Koreas Automobilbranche zählen. Produktionsausfälle wegen eines Streiks im vergangenen Jahr kosteten Hyundai rund 750 Millionen Euro, der Autohersteller konnte den Großteil allerdings durch zusätzlichen Output danach auffangen.

In diesem Jahr sind sich Gewerkschaften und Hyundais Management bei den Gehaltsverhandlungen uneins, ob regelmäßig ausbezahlte Boni zum normalen Gehalt zählen. Das würde zu höheren Pensionsansprüchen und Überstundenbezahlungen führen, deshalb argumentiert Hyundai gegen eine solche Regelung. Ein Gewerkschafter fordert bereits den Rücktritt von Hyundai-Konzernchef Chung Mong-koo und macht sich für einen Wechsel zu einem "professionellen Management wie bei anderen fortschrittlichen Autoherstellern" stark.

Der teure Grundstückskauf für die neue Konzernzentrale stört aber nicht nur die Gewerkschafter. Auch mehrere von der FT befragte Analysten können den bezahlten Preis nicht nachvollziehen. Hyundai argumentiert, dass der Preis gerechtfertigt war und zur langfristigen Strategie des Konzerns passe. Zudem gehe das Geld an ein Staatsunternehmen und trage so zur Wohlfahrt des Landes bei, soll Hyundai-Chef Chung laut Berichten südkoreanischer Medien gegenüber seinen Managern erklärt haben.

Kritik an schwacher Corporate Governance in Korea

Branchenbeobachter meinen hingegen, dass der Deal ernste Bedenken auslöse über Hyundais Vermögensmanagement, seine Glaubwürdigkeit und die Unternehmensführung. Investoren haben sich schon öfters kritisch über die schwache corporate governance von Südkoreas familiengeführten Konglomeraten geäußert. Sie gilt als einer der Hauptgründe für die niedrigen Dividendenzahlungen des Landes, die wiederum ausländische Investoren abschrecken.

Der Grundstückskauf, so kritisiert eine Analystin, war nicht nur für Hyundai ein eher schlechtes Geschäft, sondern für alle koreanischen Unternehmen.

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