Automobilzulieferer Holger Klein wird Chef von ZF Friedrichshafen

Großes Stühlerücken beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen. Holger Klein löst Wolf-Henning Scheider als Vorstandschef ab. Auch ein neuer Nutzfahrzeugchef steht fest. Dafür sucht der Aufsichtsrat nun nach einem neuen Finanzvorstand.
Übernimmt 2023 das Steuer bei ZF: Holger Klein

Übernimmt 2023 das Steuer bei ZF: Holger Klein

Foto: Felix Kästle

Beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen rückt Holger Klein an die Spitze des Vorstands. Der 52-Jährige löst Ende des Jahres Wolf-Henning Scheider (60) ab, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte . Klein ist seit Herbst 2018 Vorstandsmitglied und derzeit unter anderem für die Region Asien-Pazifik verantwortlich. An den Bodensee war er 2014 von der Unternehmensberatung McKinsey gewechselt.

Als Wirtschaftsingenieur sei Klein fest in den strategischen Planungsprozess für die kommenden Jahre eingebunden, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich Hiesinger (62). Damit werde er die "erfolgreich angelaufene Transformation bei ZF dynamisch weiterführen und mit eigenen Impulsen ergänzen". Der 52-Jährige hatte sich bei ZF rund um die 2017 abgeschlossene Übernahme des US-Zulieferers TRW Automotive einen Namen gemacht.

Klein wird zum 1. Oktober zunächst stellvertretender Vorstandsvorsitzender von ZF, bevor er zum 1. Januar 2023 den Vorstandsvorsitz von Scheider übernimmt, der dann aus dem Stiftungsunternehmen ausscheidet. Der 60-Jährige kam nach Stationen als Geschäftsführer und Sprecher des Bereichs Kraftfahrzeugtechnik bei Bosch und Vorstandsvorsitzender bei Mahle Anfang 2018 zu ZF. Er hatte den Posten von Stefan Sommer (59) übernommen, der Ende 2017 nach fünf erfolgreichen Jahren als CEO im Streit mit Teilen des Aufsichtsrates zurückgetreten war.

Im Frühjahr 2022 hatte Scheider im Rahmen der ZF-Bilanzkonferenz angekündigt, sich zum kommenden Jahr aus freien Stücken aus der Automobilindustrie zurückziehen zu wollen. Das sei eine rein private Entscheidung, erklärte er im März, die Arbeit bei ZF sei die "bislang erfüllendste Zeit" seiner Karriere gewesen. Inzwischen ist auch klar, wohin es Scheider zieht: Er wird Anfang 2023 Partner beim Schweizer Private-Equity-Unternehmen Partners Group. Mit dem Geschäft mit privaten Firmenbeteiligungen wird Scheider die größte Sparte der Gruppe leiten. In seiner Verantwortung liegen dann 63 Milliarden Dollar verwaltetes Vermögen.

Finanzvorstand scheidet aus, neuer Nutzfahrzeug-Vorstand kommt

Mit Scheider hört auch der langjährige ZF-Finanzvorstand Konstantin Sauer auf. Sauer bekleidete das Amt seit 2010. Über seine Nachfolge werde der Aufsichtsrat zeitnah entscheiden, hieß es in der Mitteilung weiter. Gefunden hat der Aufsichtsrat bereits einen neuen Vorstand für Nutzfahrzeug- und Industrietechnik: Peter Laier war bis Ende 2021 Vorstand des Bremsenkonzerns Knorr-Bremse und dort ebenfalls für das Nutzfahrzeuggeschäft verantwortlich. Der 54-Jährige soll bei ZF Wilhelm Rehm ersetzen.

Trotz Problemen bei Lieferketten und andauernder Pandemie hatte der Autozulieferer ZF im vergangenen Jahr bei Umsatz und Gewinn sein Vor-Corona-Niveau übertroffen. Mit 38,3 Milliarden Euro lag der Umsatz 2021 um etwa 1,8 Milliarden Euro über dem des Jahres 2019. Der Nettogewinn stieg demnach auf 783 Millionen Euro, 2019 hatte er bei 400 Millionen Euro gelegen. Für das Jahr 2020 hatte ZF noch einen Verlust verbuchen müssen. Das Stiftungsunternehmen zählte früheren Angaben zufolge weltweit rund 157.500 Mitarbeiter und 188 Produktionsstandorten in 31 Ländern.

rei/sey/dpa-afx/Reuters
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