Ziel Weltmarktführer Hohe Investitionen drücken VW-Gewinn

Volkswagen will an die Weltmarktspitze und investiert dafür Milliarden. Doch auch die Rabattschlacht auf dem europäischen Markt drückt den Nettogewinn empfindlich. Anleger greifen bei der Aktie dennoch zu.
Volkswagen: Der Gewinn sinkt - alllerdings nicht so stark wie erwartet

Volkswagen: Der Gewinn sinkt - alllerdings nicht so stark wie erwartet

Foto: Getty Images

Hamburg - Die Krise auf dem europäischen Automarkt und hohe Investitionen in die Zukunft haben den Gewinn von Volkswagen  im ersten Halbjahr stark belastet. Wegen sinkender Verkäufe auf dem Heimatmarkt, Ausgaben für die Entwicklung neuer Modelle und hoher Kosten für die Einführung eines Baukastensystems schrumpfte das operative Ergebnis in den ersten sechs Monaten um 12 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro, teilte Europas größter Autobauer am Dienstagabend überraschend mit.

Damit schlugen sich die Wolfsburger aber immer noch besser als erwartet und bekräftigten ihre Prognose, wonach der Betriebsgewinn im Gesamtjahr trotz der Belastungen stabil gehalten werden soll.

Anleger nahmen die Nachricht mit Erleichterung auf: Die Aktie von Volkswagen legte am Mittwoch Vormittag um rund 2 Prozent zu und gehörte damit zu den größten Gewinnern im Dax.

Im zweiten Quartal bremste der Wolfsburger Zwölf-Marken-Konzern den Gewinnrückgang damit deutlich. In den ersten drei Monaten war das operative Ergebnis noch um mehr als ein Viertel eingebrochen. Damals hatte Volkswagen bereits angedeutet, dass das Geschäft in den folgenden Monaten besser ausfallen dürfte. Details zur Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal wollte der Vorstand am Mittwoch bei der Vorlage des Zwischenberichts erläutern.

Volkswagen steckt derzeit Milliarden in das neue System gleicher Baugruppen und Module, durch das die Kosten drastisch sinken sollen. Davon erhofft sich der Konzern einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Die schläft allerdings nicht - fast alle Konkurrenten von Toyota  über Hyundai Motor  bis Daimler  und BMW  feilen an ähnlichen Konzepten und wollen sich den Wolfsburgern nicht kampflos ergeben.

Hohe Investitionen - Nettogewinn sinkt um 46 Prozent im ersten Halbjahr

Zugleich baut VW, derzeit Nummer drei unter den Autobauern, die Produktion weltweit aus und stampft rund um den Globus neue Werke aus dem Boden, um in einigen Jahren die Spitze der Autowelt zu erklimmen. Dort thront der wieder erstarkte Toyota-Konzern. Um in dessen Schlagweite zu gelangen, muss Volkswagen zunächst an General Motors vorbeiziehen. Den Abstand zur Opel-Mutter bei den Auslieferungen hat Volkswagen bereits verringert.

Um den Konzern an die Weltmarktspitze zu bringen, nimmt VW-Chef Martin Winterkorn hohe finanzielle Belastungen für den Konzern in Kauf. Unter dem Strich ging der Gewinn im ersten Halbjahr um fast 46 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zurück. Im Vorjahr hatten die Wolfsburger noch von kräftigen Bewertungseffekten durch die Übernahme von Porsche profitiert.

Der Vorstand verwies zudem auf eine "Beeinträchtigung durch Vorsorgen in den Bereichen Pkw und Power Engineering" - ohne diese näher zu erläutern. VW hatte wegen Getriebeproblemen unter anderem in Japan, China und Australien mehrfach Autos in die Werkstätten zurückrufen müssen. Wegen des tropisch-feuchten Klimas in Verbindung mit dem Stop-and-go-Verkehr in den dortigen Metropolen gab es Probleme mit dem Doppelkupplungsgetriebe. Die Tochter MAN hatte zudem die Komplexität beim Bau von Dieselkraftwerken für den französischen Energiekonzern EdF unterschätzt und musste Millionen zurückstellen.

Rabattschlacht setzt auch Volkswagen zu

Der europäische Automarkt befindet sich in einer Dauerkrise.Seit fast zwei Jahren sinken die Neuzulassungen beinahe monatlich. Die Autobauer liefern sich eine Rabattschlacht. "Dem intensiven Wettbewerb und den daraus resultierenden Belastungen können wir uns nicht vollständig entziehen", erklärte der Konzern. Volkswagen werde sich aber auch künftig besser als der Gesamtmarkt schlagen und die Verkäufe weiter steigern.

In den ersten sechs Monaten kletterten die Auslieferungen um 5,4 Prozent auf 4,8 Millionen Fahrzeuge - vor allem dank der kräftigen Nachfrage in China. Der Umsatz stieg auf 98,7 Milliarden Euro von 95,4 Milliarden Euro. Den Weltmarktanteil steigerten die Wolfsburger leicht auf 12,7 (Vorjahr: 12,4) Prozent.

rei/rtr
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