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Opel Ampera: Elektrisierende Technik

Einstige Elektroauto-Hoffnung Der langsame Tod des Opel Ampera

Er war das erste deutsche Elektroauto der Neuzeit. Doch nun verkauft sich der Opel Ampera so schlecht, dass sogar das Aus möglich scheint. Bitter für Opel - einst hatten die Rüsselsheimer den Wagen als Porsche-Jäger gepriesen.

Hamburg - Selten hat Opel ein neues Modell so sehr in den Himmel gelobt wie den Ampera zu seinem Start im Jahr 2011. Das Elektroauto werde den Rüsselsheimer Hersteller zu einer Avantgarde-Marke machen, sagte der damalige Marketing-Vorstand Alain Visser. Vor allem Porsche-Fahrer würden nun in Scharen zu Opel wechseln. "Mit dem Ampera übernimmt Opel einmal mehr die Pionierrolle bei der Einführung umweltfreundlicher Technologien", frohlockte der damalige Chef Karl-Friedrich Stracke.

Drei Jahre später ist von der anfänglichen Euphorie nichts mehr übrig. Das Werbe-Feuerwerk für den Ampera samt TV-Spots und ganzseitigen Anzeigen ist längst erloschen. Bewirkt hat es nicht viel. Im ersten Halbjahr 2014 sind die Absatzzahlen nochmals stark zurückgegangen.

Zu Berichten über eine baldige Produktionseinstellung wollen sich die Rüsselsheimer nicht äußern. Dabei droht Opel nicht nur kräftiger Image-Schaden. Mit einem endgültigen Ampera-Aus könnte die Automarke auch technisch zurückfallen, warnt ein Experte - wenn die Opelaner nicht bald gegensteuern.

Zulassungszahlen verschwindend gering

Fest steht: Im ersten Halbjahr wurden nur 46 Amperas in Deutschland neu zugelassen, um satte 79 Prozent weniger als im Vorjahr. Europaweit waren es 332 Autos in den ersten fünf Monaten, ein Absatzminus von 67 Prozent. Dabei haben die Rüsselsheimer noch im September vergangenen Jahres den Listenpreis um 17 Prozent auf 38.300 Euro gesenkt.

Mit den Ampera-Verkaufszahlen "kann man nicht zufrieden sein", erklärt ein Opel-Sprecher gegenüber manager magazin online. Elektromobilität sei für die Rüsselsheimer ein sehr wichtiges Thema, betont er - und fordert gleichzeitig staatliche Anreize für den Kauf von Elektroautos, wie es etwa in den Niederlanden oder Norwegen der Fall ist.

Doch selbst die scheinen im Falle des Ampera nicht so richtig zu greifen. Denn die Rüsselsheimer haben gerade erst ihre ohnedies bescheidenen Markterwartungen nach unten korrigiert, wie manager magazin online von einem Insider erfuhr. Anfang des Jahres rechnete Opel noch mit einem Gesamtvolumen von 520 Ampera-Fahrzeugen in Deutschland. Im Juni wurde diese Prognose auf 400 Autos reduziert.

Längst machen Gerüchte die Runde, dass Opel sich endgültig von seinem Stromer trennen will. Die Fachzeitung Automotive News Europe berichtete  unter Berufung auf zwei Insider, dass Opel den Ampera-Verkauf wohl ab nächstem Jahr einstellen will. Gegenüber manager magazin online erklärte ein Opel-Sprecher, zu den weiteren Produktplanungen keine Auskunft geben zu können. Ein hartes Dementi klingt anders.

"Es brennt bei Opel"

Der Start des Ampera stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Kaum war die große Werbekampagne mit Sängerin Katie Melua angelaufen, fand eine folgenschwere Nachricht ihren Weg über den Atlantik. Nach einem Crashtest war in den USA ein Chevrolet Volt in Flammen geraten, das Schwestermodell des Ampera.

"Es brennt bei Opel" und "Feuer in der Bude", titelten die Zeitungen. Opel musste die Auslieferung des Ampera um einige Monate verschieben.

Lag es an dem Brand, dass sich der Wagen anschließend weit weniger gut verkaufen ließ als erhofft? Bis zu diesem Zeitpunkt hatten laut Ex-Opel-Chef Stracke etwa 6000 Menschen einen Ampera bestellt, für das Jahr 2012 wollte Opel bis zu 12.000 Ampera losschlagen. "Wir könnten aber auch noch mehr verkaufen", gab Stracke sich (zu) optimistisch.

Immerhin gelang es Opel, sich 2012 an die Spitze des europäischen Elektroautomarktes zu setzen. Auf 21 Prozent taxierte das Unternehmen seinen Anteil des allerdings kleinen Marktes. Vor allem in den Niederlanden verkaufte sich der Wagen laut Opel zunächst passabel.

Preis als größtes Verkaufshindernis

Doch nachdem die Erstbesteller ihre Wagen bekommen hatten, ging es bergab. Der Markt für E-Autos entwickelte sich schwächer als erwartet, die Marketingabteilung tat kaum noch etwas für den Ampera, und Opel ließ mehrfach durchblicken, dass die Firma mit jedem verkauften Auto ohnehin nur Geld verbrenne. Zudem wurde die Konkurrenz größer: So ging Toyota mit einer Plug-in-Version des Prius an den Start, Mitsubishi mit dem SUV Outlander. Dazu kamen reine Batterieautos wie der Leaf, die am Markt besser einschlugen.

Die Technik des Ampera galt in der Fachpresse als praxistauglich, doch das Auto hatte vom Start weg mit einem gewichtigen Makel zu kämpfen. "Der Preis war nicht so, dass er Akzeptanz gefunden hätte", meint Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive der Fachhochschule Bergisch-Gladbach. Zum Start kostete das Auto mehr als 45.000 Euro - und somit fast das Doppelte vergleichbarer Opel-Benziner. Da half es auch nichts, dass das Fahrzeug 2012 zum europäischen Auto des Jahres gewählt wurde. Selbst die ersten Elektroautos von Mitsubishi und Nissan waren um einige tausend Euro billiger.

Sollte Opel nun den Ampera mangels Erfolg komplett einstampfen, schaffen sich die Rüsselsheimer ein neues Problem. Denn der Ampera war bislang Opels einziges Angebot im Bereich Elektromobilität. Plugin-Hybride will Opel in absehbarer Zukunft nicht anbieten, erklärte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann noch im März. Ein weiteres E-Mobil ist nicht in Sicht.

Fans: "Ampera wird geniale Rarität"

Dabei hinkt Opel bei der Senkung des CO2-Ausstoßes seiner Fahrzeugflotte hinterher. Die im ersten Halbjahr verkauften Opel-Neuwagen bliesen im Schnitt 136,5 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft, hat Bratzel in einer Studie ermittelt. Unter Europas Volumenmarken war nur Fiat noch schlechter.

Für den Ampera gibt Opel einen CO2-Ausstoß von 27 Gramm pro Kilometer an. Dabei wird die Fahrt im rein elektrischen Modus gemäß den offiziellen Vorgaben mit 0 angesetzt.

Zwar lassen sich Verbrennungsmotoren noch weiter optimieren. Doch deren Potenzial zur Senkung der CO2-Emissionen sei begrenzt, meint Bratzel. Elektroautos gelten als ein Weg, um den CO2-Ausstoß der Neuwagenflotten zu senken - und so Strafzahlungen der EU in einigen Jahren zu vermeiden.

Deutschlands Autohersteller haben sich ein paar Jahre Zeit gelassen - doch nun setzen sie größere Teile ihrer Modellpalette unter Strom. BMW wirbt massiv für sein Elektroauto i3 und den Hybridsportler i8. Volkswagen bietet den E-Golf und den E-Up auf, die Nobeltochter Audi hat mit dem A3 E-Tron einen Plugin-Hybriden im Programm. Daimler hat in den USA vor kurzem den Verkauf seiner B-Klasse mit Elektroantrieb gestartet.

Die deutschen Nobelmarken werden in den kommenden Jahren Hybridantriebe in allen größeren Baureihen anbieten. VW dürfte das wohl auch tun. Opels großer US-Konkurrent Ford will noch im Herbst ein Plugin-Hybridauto zu den Händlern rollen.

Bei den Rüsselsheimern herrscht hingegen abseits des Amperas Funkstille. "Opel und GM haben keine Elektrifizierungsstrategie", kritisiert Bratzel. Doch die Rüsselsheimer brauchen Elektro- oder Hybridmodelle, die dem Ampera nachfolgen. "Noch ist keine Gefahr in Verzug", sagt Bratzel. "Doch in den nächsten drei bis vier Jahren muss von Opel in diesem Bereich etwas kommen. Sonst wird es schwierig mit den CO2-Zielen."

Ampera-Schwester Chevrolet Volt hat die Kurve gekriegt

Die Ampera-Schwester in den USA, der Chevrolet Volt, hat die Kurve nach anfänglichen Problemen dagegen gekriegt. Der Crash-Test-Brand hatte zwar zu einer hitzigen Debatte geführt, in der vor allem konservative Medien alle Elektroautos attackierten.

Doch derzeit verkauft General Motors etwa 2000 Wagen pro Monat in den USA. Damit gehört der Volt zu den erfolgreichsten Elektroautos in den USA - in etwa gleichauf mit Nissans Leaf, Toyotas Plug-in-Prius und Teslas Model S.

In Deutschland wird es den Volt jedoch bald nicht mehr geben. GM dampft die Marke Chevrolet in Europa ein, und beseitigt damit auch eine lästige Konkurrenz für Opel. Doch die Elektroauto-Präsenz der Amerikaner in Europa tendiert damit für die kommenden Jahre wohl gegen Null.

Fans des Ampera zeigen sich wenig überrascht von der Entwicklung. "Das miese Marketing und die fehlenden Förderungen [von Elektroautos] haben dem Ampera den Rest gegeben. Schade", schreibt User Cyberjack im Ampera-Forum. Ausführlich tauschen sich die Fahrer bereits darüber aus, wer in Zukunft ihren Wagen reparieren soll.

Eine positive Seite gewinnen sie dem möglichen Aus für das Auto allerdings ab - er werde "eine geniale Rarität werden", schreibt "Tango". "Da muss ich den Ampera ja doch behalten und pflegen", schlussfolgert "Martin". "Wird wohl eine Geldanlage sein."

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