Dienstag, 15. Oktober 2019

Einstige Elektroauto-Hoffnung Der langsame Tod des Opel Ampera

Er war das erste deutsche Elektroauto der Neuzeit. Doch nun verkauft sich der Opel Ampera so schlecht, dass sogar das Aus möglich scheint. Bitter für Opel - einst hatten die Rüsselsheimer den Wagen als Porsche-Jäger gepriesen.

Hamburg - Selten hat Opel ein neues Modell so sehr in den Himmel gelobt wie den Ampera zu seinem Start im Jahr 2011. Das Elektroauto werde den Rüsselsheimer Hersteller zu einer Avantgarde-Marke machen, sagte der damalige Marketing-Vorstand Alain Visser. Vor allem Porsche-Fahrer würden nun in Scharen zu Opel wechseln. "Mit dem Ampera übernimmt Opel einmal mehr die Pionierrolle bei der Einführung umweltfreundlicher Technologien", frohlockte der damalige Chef Karl-Friedrich Stracke.

Drei Jahre später ist von der anfänglichen Euphorie nichts mehr übrig. Das Werbe-Feuerwerk für den Ampera samt TV-Spots und ganzseitigen Anzeigen ist längst erloschen. Bewirkt hat es nicht viel. Im ersten Halbjahr 2014 sind die Absatzzahlen nochmals stark zurückgegangen.

Zu Berichten über eine baldige Produktionseinstellung wollen sich die Rüsselsheimer nicht äußern. Dabei droht Opel nicht nur kräftiger Image-Schaden. Mit einem endgültigen Ampera-Aus könnte die Automarke auch technisch zurückfallen, warnt ein Experte - wenn die Opelaner nicht bald gegensteuern.

Zulassungszahlen verschwindend gering

Fest steht: Im ersten Halbjahr wurden nur 46 Amperas in Deutschland neu zugelassen, um satte 79 Prozent weniger als im Vorjahr. Europaweit waren es 332 Autos in den ersten fünf Monaten, ein Absatzminus von 67 Prozent. Dabei haben die Rüsselsheimer noch im September vergangenen Jahres den Listenpreis um 17 Prozent auf 38.300 Euro gesenkt.

Mit den Ampera-Verkaufszahlen "kann man nicht zufrieden sein", erklärt ein Opel-Sprecher gegenüber manager magazin online. Elektromobilität sei für die Rüsselsheimer ein sehr wichtiges Thema, betont er - und fordert gleichzeitig staatliche Anreize für den Kauf von Elektroautos, wie es etwa in den Niederlanden oder Norwegen der Fall ist.

Doch selbst die scheinen im Falle des Ampera nicht so richtig zu greifen. Denn die Rüsselsheimer haben gerade erst ihre ohnedies bescheidenen Markterwartungen nach unten korrigiert, wie manager magazin online von einem Insider erfuhr. Anfang des Jahres rechnete Opel noch mit einem Gesamtvolumen von 520 Ampera-Fahrzeugen in Deutschland. Im Juni wurde diese Prognose auf 400 Autos reduziert.

Längst machen Gerüchte die Runde, dass Opel sich endgültig von seinem Stromer trennen will. Die Fachzeitung Automotive News Europe berichtete unter Berufung auf zwei Insider, dass Opel den Ampera-Verkauf wohl ab nächstem Jahr einstellen will. Gegenüber manager magazin online erklärte ein Opel-Sprecher, zu den weiteren Produktplanungen keine Auskunft geben zu können. Ein hartes Dementi klingt anders.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung