Dienstag, 17. September 2019

Einstige Elektroauto-Hoffnung Der langsame Tod des Opel Ampera

3. Teil: Fans: "Ampera wird geniale Rarität"

Dabei hinkt Opel bei der Senkung des CO2-Ausstoßes seiner Fahrzeugflotte hinterher. Die im ersten Halbjahr verkauften Opel-Neuwagen bliesen im Schnitt 136,5 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft, hat Bratzel in einer Studie ermittelt. Unter Europas Volumenmarken war nur Fiat noch schlechter.

Für den Ampera gibt Opel einen CO2-Ausstoß von 27 Gramm pro Kilometer an. Dabei wird die Fahrt im rein elektrischen Modus gemäß den offiziellen Vorgaben mit 0 angesetzt.

Zwar lassen sich Verbrennungsmotoren noch weiter optimieren. Doch deren Potenzial zur Senkung der CO2-Emissionen sei begrenzt, meint Bratzel. Elektroautos gelten als ein Weg, um den CO2-Ausstoß der Neuwagenflotten zu senken - und so Strafzahlungen der EU in einigen Jahren zu vermeiden.

Deutschlands Autohersteller haben sich ein paar Jahre Zeit gelassen - doch nun setzen sie größere Teile ihrer Modellpalette unter Strom. BMW wirbt massiv für sein Elektroauto i3 und den Hybridsportler i8. Volkswagen bietet den E-Golf und den E-Up auf, die Nobeltochter Audi hat mit dem A3 E-Tron einen Plugin-Hybriden im Programm. Daimler hat in den USA vor kurzem den Verkauf seiner B-Klasse mit Elektroantrieb gestartet.

Die deutschen Nobelmarken werden in den kommenden Jahren Hybridantriebe in allen größeren Baureihen anbieten. VW dürfte das wohl auch tun. Opels großer US-Konkurrent Ford will noch im Herbst ein Plugin-Hybridauto zu den Händlern rollen.

Bei den Rüsselsheimern herrscht hingegen abseits des Amperas Funkstille. "Opel und GM haben keine Elektrifizierungsstrategie", kritisiert Bratzel. Doch die Rüsselsheimer brauchen Elektro- oder Hybridmodelle, die dem Ampera nachfolgen. "Noch ist keine Gefahr in Verzug", sagt Bratzel. "Doch in den nächsten drei bis vier Jahren muss von Opel in diesem Bereich etwas kommen. Sonst wird es schwierig mit den CO2-Zielen."

Ampera-Schwester Chevrolet Volt hat die Kurve gekriegt

Die Ampera-Schwester in den USA, der Chevrolet Volt, hat die Kurve nach anfänglichen Problemen dagegen gekriegt. Der Crash-Test-Brand hatte zwar zu einer hitzigen Debatte geführt, in der vor allem konservative Medien alle Elektroautos attackierten.

Doch derzeit verkauft General Motors etwa 2000 Wagen pro Monat in den USA. Damit gehört der Volt zu den erfolgreichsten Elektroautos in den USA - in etwa gleichauf mit Nissans Leaf, Toyotas Plug-in-Prius und Teslas Model S.

In Deutschland wird es den Volt jedoch bald nicht mehr geben. GM dampft die Marke Chevrolet in Europa ein, und beseitigt damit auch eine lästige Konkurrenz für Opel. Doch die Elektroauto-Präsenz der Amerikaner in Europa tendiert damit für die kommenden Jahre wohl gegen Null.

Fans des Ampera zeigen sich wenig überrascht von der Entwicklung. "Das miese Marketing und die fehlenden Förderungen [von Elektroautos] haben dem Ampera den Rest gegeben. Schade", schreibt User Cyberjack im Ampera-Forum. Ausführlich tauschen sich die Fahrer bereits darüber aus, wer in Zukunft ihren Wagen reparieren soll.

Eine positive Seite gewinnen sie dem möglichen Aus für das Auto allerdings ab - er werde "eine geniale Rarität werden", schreibt "Tango". "Da muss ich den Ampera ja doch behalten und pflegen", schlussfolgert "Martin". "Wird wohl eine Geldanlage sein."

Beste Autothemen auf Twitter

Folgen Sie Nils-Viktor Sorge auf twitter
Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf Twitter

Seite 3 von 3

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung