Mittwoch, 20. November 2019

Einstige Elektroauto-Hoffnung Der langsame Tod des Opel Ampera

2. Teil: "Es brennt bei Opel"

Der Start des Ampera stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Kaum war die große Werbekampagne mit Sängerin Katie Melua angelaufen, fand eine folgenschwere Nachricht ihren Weg über den Atlantik. Nach einem Crashtest war in den USA ein Chevrolet Volt in Flammen geraten, das Schwestermodell des Ampera.

"Es brennt bei Opel" und "Feuer in der Bude", titelten die Zeitungen. Opel musste die Auslieferung des Ampera um einige Monate verschieben.

Lag es an dem Brand, dass sich der Wagen anschließend weit weniger gut verkaufen ließ als erhofft? Bis zu diesem Zeitpunkt hatten laut Ex-Opel-Chef Stracke etwa 6000 Menschen einen Ampera bestellt, für das Jahr 2012 wollte Opel bis zu 12.000 Ampera losschlagen. "Wir könnten aber auch noch mehr verkaufen", gab Stracke sich (zu) optimistisch.

Immerhin gelang es Opel, sich 2012 an die Spitze des europäischen Elektroautomarktes zu setzen. Auf 21 Prozent taxierte das Unternehmen seinen Anteil des allerdings kleinen Marktes. Vor allem in den Niederlanden verkaufte sich der Wagen laut Opel zunächst passabel.

Preis als größtes Verkaufshindernis

Doch nachdem die Erstbesteller ihre Wagen bekommen hatten, ging es bergab. Der Markt für E-Autos entwickelte sich schwächer als erwartet, die Marketingabteilung tat kaum noch etwas für den Ampera, und Opel ließ mehrfach durchblicken, dass die Firma mit jedem verkauften Auto ohnehin nur Geld verbrenne. Zudem wurde die Konkurrenz größer: So ging Toyota mit einer Plug-in-Version des Prius an den Start, Mitsubishi mit dem SUV Outlander. Dazu kamen reine Batterieautos wie der Leaf, die am Markt besser einschlugen.

Die Technik des Ampera galt in der Fachpresse als praxistauglich, doch das Auto hatte vom Start weg mit einem gewichtigen Makel zu kämpfen. "Der Preis war nicht so, dass er Akzeptanz gefunden hätte", meint Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive der Fachhochschule Bergisch-Gladbach. Zum Start kostete das Auto mehr als 45.000 Euro - und somit fast das Doppelte vergleichbarer Opel-Benziner. Da half es auch nichts, dass das Fahrzeug 2012 zum europäischen Auto des Jahres gewählt wurde. Selbst die ersten Elektroautos von Mitsubishi und Nissan waren um einige tausend Euro billiger.

Sollte Opel nun den Ampera mangels Erfolg komplett einstampfen, schaffen sich die Rüsselsheimer ein neues Problem. Denn der Ampera war bislang Opels einziges Angebot im Bereich Elektromobilität. Plugin-Hybride will Opel in absehbarer Zukunft nicht anbieten, erklärte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann noch im März. Ein weiteres E-Mobil ist nicht in Sicht.

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