VW-Neuzugang Herbert Diess Der Feind in meinem Vorstand

Der Neue bei Volkswagen: Herbert Diess leitet die Wolfsburger Stammmarke ab Sommer

Der Neue bei Volkswagen: Herbert Diess leitet die Wolfsburger Stammmarke ab Sommer

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Hamburg - Ginge es nach Volkswagen-Konzernboss Martin Winterkorn, dürfte es Herbert Diess in seinem Unternehmen gar nicht geben. Ein eigener Chef für die Stammmarke VW (Golf, Passat etc.)? Wird nicht gebraucht, ließ Winterkorn noch im Herbst wissen. "Das Führen der Kernmarke plus Konzernfunktion gibt Stärke", sagte er. "Gewisse Dinge können Sie nicht delegieren."

Doch bei Volkswagen geht es nicht mehr so sehr nach Winterkorn. Dass Diess in genau dieser Funktion nach Wolfsburg kommt - und zwar so schnell wie irgend möglich - darf seit Freitag mehr denn je als unschön für Winterkorn gewertet werden. Denn bereits an jenem Tag distanzierte sich der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch deutlich von seinem Topmanager in Wolfsburg.

Und obgleich Winterkorn Diess offziell selbst angeworben hat, stellt sich die Frage: Wie soll das nun gutgehen mit Diess und Winterkorn?

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Da kommt ein kantiger Neuling aus München in den Norden, ganz offensichtlich mit voller Rückendeckung Piëchs sowie des Vorsitzenden des Gesamt- und Konzernbetriebsrats, Bernd Osterloh.

Diese wiederum haben Diess' neuen Chef Winterkorn schwer angeschossen, indem sie ihm den Posten des Markenchefs wegnahmen. Kaum vorstellbar, dass die beiden Manager nun ein Dreamteam abgeben. Eher ist Diess Winterkorns natürlicher Feind - allen warmen Worten zum Trotz.

Zumal Diess die Dinge bei der Stammmarke Volkswagen ganz anders anpacken soll als Winterkorn. Der Alte stand für Wachstum um fast jeden Preis. Neue Fabriken in Amerika und China, hohe Ausgaben für ein Maximum an Qualität - das war Winterkorns Ansatz.

Diess gilt als harter Optimierer

Sein Ziel: Volkswagen mit einer Kraftanstrengung zum größten Autohersteller der Welt zu machen. Dafür müsse das Unternehmen die besten Autos der Welt zu bauen, nicht nur bei Audi und Porsche, sondern auch in der Kernmarke. So nahm der Passat den Kampf mit Daimler und BMW um die Premium-Krone in der Mittelklasse auf.

Diess gilt dagegen als harter Optimierer. Liebevolle Detailarbeit an einzelnen Modellen? Schön und gut, aber nur, wenn es nicht zu viel kostet. Bauteile aus eigener Fertigung? Eher nicht, wenn sie in ähnlicher Qualität anderswo billiger zu bekommen sind.

Dieser Pragmatismus ist nun gefragt, wenn Diess die Stammmarke endlich wieder zu einer Gelddruckmaschine umbauen soll. Zuletzt lag deren operative Umsatzrendite bei mageren 2 Prozent und ein paar Zerquetschten. Nun sollen es 6 Prozent bis 2018 werden. Dafür gilt es, fünf Milliarden Euro einzusparen.

Winterkorn selbst war es, der diese Ziele verkündete. Doch Diess scheint den Volkswagen-Obersten der Bessere für ihre Umsetzung zu sein.

Diess erschuf die so wichtigen Legenden um die eigene Person

Das Gesellenstück in der Disziplin Kostendrücken hat Diess zweifellos ab 2007 in seiner Funktion als Einkaufsvorstand bei BMW geliefert. Generell gilt diese Spezies Manager als gefürchtet bei den Zulieferern. Ihre Aufgabe ist es, erbarmungslos den letzten Tropfen aus den Partner herauszuquetschen, ohne diese zu strangulieren.

Diess gelang es nicht nur, die Kosten bei den Münchenern entscheidend zu senken. Er produzierte zudem die so wichtigen Legenden, die seine Schaffenskraft auch außerhalb Bayerns begehrenswert machten. So strich er die üblichen Rohstoffzuschläge für die Lieferanten. Ein Team von so genannten Kalkulatoren hinterfragte praktisch jedes Angebot, jede Rechnung, die die Zulieferer vorlegten.

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Diess' Erfolg ließ manche seiner kleineren und größeren Pannen im Gedächtnis des obersten BMW-Aufsehers Joachim Milberg und von Konzernchef Norbert Reithofer verblassen. So hatte er in seiner früheren Funktion als Chef der BMW-Motorradsparte das Potenzial des Zukaufs Husqvarna - einem späteren Sanierungsfall - als zu rosig eingeschätzt.

Schon ist Diess ein Kandidat für den Volkswagen-Konzernchefsessel

Und so ließen die Konzernoberen Diess ab 2012 als Entwicklungschef antreten, was einem Ritterschlag gleicht. Es erschien nur natürlich, dass er anschließend offizieller Kandidat für Reithofers Nachfolge war.

Als sich jedoch abzeichnete, dass Diess' Kollege Harald Krüger (Produktionsvorstand) bei Milberg die besseren Karten hatte, kam das Angebot für den 56-Jährigen von Volkswagen wie gerufen. Zumal sie bei den Wolfsburgern nicht so streng mit dem Alter sind: Während BMW-Vorstände im Altern von 60 Jahren Schluss machen müssen, kennt der größte deutsche Autobauer solche Vorgaben nicht.

Somit steht Diess auch die Tür für einen weiteren Karrieresprung bei den Wolfsburgern grundsätzlich offen. Der würde auf den Konzern-Chefsessel führen und damit erneut zulasten von Martin Winterkorn gehen. Sollte diesem tatsächlich so sehr an einer Personalunion der beiden VW-Spitzenposten gelegen sein, könnte er Diess nun direkt einarbeiten. Ein eher unwahrscheinliches Szenario, nachdem Piëch Winterkorns Chancen auf seine eigene Nachfolge gerade weitgehend zerstört hat.