Mittwoch, 22. Mai 2019

VW-Neuzugang Herbert Diess Der Feind in meinem Vorstand

Der Neue bei Volkswagen: Herbert Diess leitet die Wolfsburger Stammmarke ab Sommer

Hamburg - Ginge es nach Volkswagen-Konzernboss Martin Winterkorn, dürfte es Herbert Diess in seinem Unternehmen gar nicht geben. Ein eigener Chef für die Stammmarke VW (Golf, Passat etc.)? Wird nicht gebraucht, ließ Winterkorn noch im Herbst wissen. "Das Führen der Kernmarke plus Konzernfunktion gibt Stärke", sagte er. "Gewisse Dinge können Sie nicht delegieren."

Doch bei Volkswagen geht es nicht mehr so sehr nach Winterkorn. Dass Diess in genau dieser Funktion nach Wolfsburg kommt - und zwar so schnell wie irgend möglich - darf seit Freitag mehr denn je als unschön für Winterkorn gewertet werden. Denn bereits an jenem Tag distanzierte sich der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch deutlich von seinem Topmanager in Wolfsburg.

Und obgleich Winterkorn Diess offziell selbst angeworben hat, stellt sich die Frage: Wie soll das nun gutgehen mit Diess und Winterkorn?

Da kommt ein kantiger Neuling aus München in den Norden, ganz offensichtlich mit voller Rückendeckung Piëchs sowie des Vorsitzenden des Gesamt- und Konzernbetriebsrats, Bernd Osterloh.

Diese wiederum haben Diess' neuen Chef Winterkorn schwer angeschossen, indem sie ihm den Posten des Markenchefs wegnahmen. Kaum vorstellbar, dass die beiden Manager nun ein Dreamteam abgeben. Eher ist Diess Winterkorns natürlicher Feind - allen warmen Worten zum Trotz.

Zumal Diess die Dinge bei der Stammmarke Volkswagen ganz anders anpacken soll als Winterkorn. Der Alte stand für Wachstum um fast jeden Preis. Neue Fabriken in Amerika und China, hohe Ausgaben für ein Maximum an Qualität - das war Winterkorns Ansatz.

Diess gilt als harter Optimierer

Sein Ziel: Volkswagen mit einer Kraftanstrengung zum größten Autohersteller der Welt zu machen. Dafür müsse das Unternehmen die besten Autos der Welt zu bauen, nicht nur bei Audi und Porsche, sondern auch in der Kernmarke. So nahm der Passat den Kampf mit Daimler und BMW um die Premium-Krone in der Mittelklasse auf.

Diess gilt dagegen als harter Optimierer. Liebevolle Detailarbeit an einzelnen Modellen? Schön und gut, aber nur, wenn es nicht zu viel kostet. Bauteile aus eigener Fertigung? Eher nicht, wenn sie in ähnlicher Qualität anderswo billiger zu bekommen sind.

Dieser Pragmatismus ist nun gefragt, wenn Diess die Stammmarke endlich wieder zu einer Gelddruckmaschine umbauen soll. Zuletzt lag deren operative Umsatzrendite bei mageren 2 Prozent und ein paar Zerquetschten. Nun sollen es 6 Prozent bis 2018 werden. Dafür gilt es, fünf Milliarden Euro einzusparen.

Winterkorn selbst war es, der diese Ziele verkündete. Doch Diess scheint den Volkswagen-Obersten der Bessere für ihre Umsetzung zu sein.

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