Vor Übernahme durch Faurecia Hella rechnet mit leichtem Wachstum

Der Autozulieferer Hella schreibt wieder schwarze Zahlen, traut sich aber nur eine moderate Wachstumsprognose zu. Die Erwartungen des Käufers Faurecia sind deutlich ambitionierter.
Vorsichtiger Optimismus: Hella-Zentrale in Lippstadt

Vorsichtiger Optimismus: Hella-Zentrale in Lippstadt

Foto: David Inderlied / dpa

Der Autozulieferer Hella geht vor der geplanten Übernahme durch den französischen Branchenkollegen Faurecia verhalten zuversichtlich ins neue Geschäftsjahr. Der Umsatz soll etwas wachsen und die Profitabilität auf dem aktuellen Niveau gehalten werden. "Die Marktentwicklung ist weiterhin durch sehr hohe Unsicherheiten geprägt", sagte Hella-Chef Rolf Breidenbach (58) laut einer Mitteilung vom Donnerstag. Die Fahrzeugproduktion werde immer noch durch Engpässe in den Lieferketten beeinflusst. So bekommt die Branche schon seit Monaten vor allem einen Mangel an Computerchips zu spüren, Autohersteller setzen daher immer mal wieder ihre Produktion aus.

Breidenbach traut dem Unternehmen im Geschäftsjahr 2021/22 (bis Ende Mai) ein Wachstum des währungs- und portfoliobereinigten Umsatzes um bis zu 6 Prozent auf rund 6,6 bis 6,9 Milliarden Euro zu. Die Markterwartung liegt eher am oberen Ende der Spanne. Vom Umsatz sollen etwa 8 Prozent als operatives Ergebnis (bereinigtes Ebit) hängen bleiben.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr profitierte das Unternehmen von einer hohen Nachfrage nach Licht- und Elektroniklösungen. Wie bereits bekannt, steigerte der Scheinwerferspezialist den währungs- und portfoliobereinigten Umsatz um gut 13 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis von 510 Millionen Euro war mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Das bedeutet eine bereinigte Marge von knapp 8 Prozent.

Unter dem Strich verdiente Hella 360 Millionen Euro, nachdem infolge von Sonderabschreibungen im Zuge der Corona-Krise im Vorjahr noch ein Minus von 432 Millionen Euro angefallen war. Mit 96 Cent je Anteilsschein soll es nun auch wieder eine Dividende geben.

Faurecia rechnet mit Wachstumsschub nach der Übernahme

Die Hella-Aktien fielen am Donnerstagvormittag in einem schwachen Markt um 0,3 Prozent auf 60,82 Euro. Die Kursentwicklung wird aktuell maßgeblich von der geplanten Übernahme durch Faurecia bestimmt.

Die Franzosen hatten vor wenigen Tagen angekündigt, von den Hella-Familiengesellschaftern Hueck und Röpke den 60-prozentigen Anteil am Lichtspezialisten zu übernehmen. 3,4 Milliarden Euro des Kaufpreises erhalten die Familien in bar, den Rest in Faurecia-Anteilen. Der Preis liegt dabei bei 60 Euro je Hella-Aktie. Den übrigen Aktionären will Faurecia Ende September ein Angebot ebenfalls über 60 Euro zuzüglich Dividende machen. Der Abschluss der Übernahme wird Anfang 2022 erwartet.

Faurecia-Chef Patrick Koller rechnet nach der Übernahme, bei der Hella mit 6,8 Milliarden Euro bewertet wird, mit einem Wachstumsschub bei dem dann siebtgrößten Automobilzulieferer der Welt. Der Umsatz soll bis 2025 von derzeit 23 Milliarden Euro auf mehr als 33 Milliarden steigen. Gleichzeitig soll sich auch die Profitabilität erhöhen. "Dieser Zusammenschluss ist eine einzigartige Gelegenheit, einen weltweit führenden Anbieter für Automobiltechnologien zu schaffen", sagte Koller. Die Unternehmen ergänzten sich hervorragend.

Der Hella-Sitz in Lippstadt soll demnach auch im neuen Konzern eine hervorgehobene Rolle spielen. Drei der sechs Firmensparten sollen von dort gelenkt werden: Licht, Elektronik und das wachsende Geschäft mit Lifecycle-Value-Management, mit dem über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts Einkünfte generiert werden sollen.

ak/dpa-afx