Mittwoch, 11. Dezember 2019

US-Motorradmarke mit Image- und Absatzproblemen Leise Abfahrt - Harley sucht sein Heil in E-Motorrad

Harley-Davidsons Elektrobike-Prototyp "LiveWire" aus 2014: Das stille Bike bekommt eine zweite Chance
Harley-Davidson
Harley-Davidsons Elektrobike-Prototyp "LiveWire" aus 2014: Das stille Bike bekommt eine zweite Chance

2. Teil: Was ein Elektro-Motorrad für Harley-Davidson so schwierig macht

Noch ist der Markt für Elektro-Motorräder klein, doch er wächst: Laut einer Analyse des Beratungsunternehmens TechNavio vom Juni 2016 soll der Markt für leistungsstarke E-Zweiräder bis 2020 weltweit um 45 Prozent pro Jahr wachsen.

Harley will jährlich zwischen 25 und 50 Millionen Dollar in die Entwicklung seines Elektro-Motorrads stecken. Das Ziel ist ebenso typisch wie unbescheiden: Die Amerikaner wollen so den Weltmarkt für Elektro-Motorräder anführen.

Ob das mit der Oldie-Marke Harley-Davidson klappen kann, bezweifeln jedoch manche. Denn Harley-Davidson steht wie kaum ein anderer Hersteller für laute, knatternde Motoren. Zudem fahren die dickbackigen, schweren Harley-Chopper und Touring-Motorräder auch optisch nicht gerade elegant, puristisch oder mit irgendeiner Art von Öko-Anstrich vor.

Ein E-Bike zu bauen sei kein Zukunftsweg für Harley, meint etwa Bloomberg-Analyst Kevin Tynan. Das Geld für die Investitionen in die Elektrobike-Technik würden aus einem sterbenden Geschäft stammen, und Harley fange dabei von Null an. Harvey könnte dabei nur seine Seele verkaufen und ein komisches Geschäftsmodell mit Mobilitätsdiensten zu folgen, das nicht gerade vielversprechend wäre, warnt der Autoanalyst.

"Wenn Harley das schafft, dürfte es das Unternehmen retten"

Alan Stulberg, der Gründer der Motorradmarke Revival, gibt sich gegenüber Bloomberg hingegen vorsichtig optimistisch zu Harleys E-Bike-Plänen. Eine Elektro-Harley werde wohl auf positive Resonanz der Öffentlichkeit stoßen - und Harley neue Käuferschichten zuführen, die der Konzern dringend brauchen könne.

Der Reiz eines Elektro-Motorrades, meint Stulberg, liege vor allem in dem "Fluggefühl" durch die starke Beschleunigung - das könne den Nachteil der Stille mehr als ausgleichen.

Es werde den Respekt für die Marke Harley nochmal deutlich erhöhen, wenn sie beides anbieten können: Sehr traditionelle Antriebe und High-Tech mit Elektromotoren. "Wenn Harley das schafft, dürfte es das Unternehmen retten", meint Stulberg. Doch bis dahin liegt noch ein eher kurviger Weg vor der angestaubten Motorrad-Kultmarke.

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