Montag, 22. Juli 2019

Vor der VW-Hauptversammlung VW-Chefkontrolleur Pötsch bleibt Reizfigur

Gilt mittlerweile im Aufsichtsrat und im Konzernvorstand als unumstritten: Doch das sehen Aktionäre anders - und jetzt wohl auch die Finanzaufsicht Bafin
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Gilt mittlerweile im Aufsichtsrat und im Konzernvorstand als unumstritten: Doch das sehen Aktionäre anders - und jetzt wohl auch die Finanzaufsicht Bafin

2. Teil: "Ich trage diese Verantwortung gerne"

"Wir haben uns selbst in diese Lage gebracht. Nun müssen wir alles dafür tun, um sie so gut wie möglich zu bewältigen", betont Pötsch. Er weiß, dass die Aktionäre hart mit ihm ins Gericht gehen werden. "Ich trage diese Verantwortung gerne."

Zumindest im Aufsichtsrat und im Konzernvorstand ist Pötsch inzwischen unumstritten. Er leite die Aufsichtsratssitzungen sehr souverän, sachlich und fungiere auch dank seiner klaren Worte als professioneller Mittler zwischen den verschiedenen Interessensgruppen, heißt es unisono von unterschiedlichsten Mitgliedern. Wann immer in den vergangenen Monaten in den Medien an Pötsch gezweifelt wurde, es dauerte nicht lange, bis ihm namhafte Aufsichtsräte wie VW-Großeigner Wolfgang Porsche zur Seite standen.

Auch er selbst beschreibt seinen Job als Mittler: "Ich bin seit Monaten im Dialog mit Investoren. Ich versuche, ihre Anliegen und die Unternehmensinteressen zu Corporate-Governance-Aspekten übereinanderzulegen und Schnittmengen auszuloten", sagt Pötsch.

Klare Worte würden ihm aber sicher auch helfen, die Kritiker unter den Aktionären zumindest leiser werden zu lassen. Doch wegen der laufenden Ermittlungen der Behörden in den USA und einer vom Gericht in San Francisco verhängten Nachrichtensperre meidet VW bisher jegliche Aussagen mit Details und Inhalten.

Deshalb wird die jüngste Terminverschiebung in den USA Pötsch ganz besonders gewurmt haben. Nicht nur, dass die erhoffte Einigung jenseits des Atlantiks damit weiter auf sich warten lässt. Auch auf der Hauptversammlung wird Pötsch daher bei Fragen zu den Hintergründen des Skandals auf laufende Ermittlungen verweisen und stillschweigen müssen.

rei/dpa/Reuters

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