Mangel an Halbleitern Taiwan will Autobauern aus der Patsche helfen

Der Brandbrief von Wirtschaftsminister Peter Altmaier war erfolgreich: Die vier größten Chiphersteller Taiwans haben der Autoindustrie oberste Priorität bei der Chipversorgung zugesichert.
Begehrte Chips: Der taiwanische Hersteller TSMC ist der zentrale Lieferant der deutschen Automobilindustrie

Begehrte Chips: Der taiwanische Hersteller TSMC ist der zentrale Lieferant der deutschen Automobilindustrie

Foto: Tyrone Siu / REUTERS

Beim Mangel an Halbleitern winkt der deutschen Autoindustrie Hilfe aus Taiwan. Wirtschaftsministerin Wang Mei-hua (62) erklärte am Mittwoch, es werde zwar eine Zeit dauern, das Problem zu lösen. Vier führende taiwanische Chiphersteller, unter ihnen der weltgrößte Hersteller Taiwan Semicoductor Manufacturing Company (TSMC), hätten aber zugesichert, Lieferungen für Autohersteller angesichts des globalen Mangels an Chips für die Industrie zu priorisieren. Die Unternehmen seien bereit, die Kapazitäten so weit wie möglich aufzustocken und mit anderen Kunden zu verhandeln, um die Versorgung mit Autochips an die oberste Stelle zu setzen.

Durch die Engpässe waren bereits mehrere Autobauer gezwungen, ihre Produktion zu drosseln. Volkswagen und Daimler haben in mehreren Werken Kurzarbeit angemeldet. Allein in China konnte Volkswagen schon im Dezember 50.000 Autos nicht wie geplant bauen, weil Chips fehlten. Der Branchenverband VDA hatte deswegen die Bundesregierung um Hilfe gebeten. So begrüßte der Verband auch die Ankündigung. "Jetzt müssen die Bauteile gefertigt und schnellstmöglich an unsere Unternehmen ausgeliefert werden, um die Engpässe zu überwinden", sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), in Berlin.

Halbleitermodule sind das Herz aller elektronischen Systeme und Mikrochips. Die Corona-Pandemie hatte zunächst zu einer geringeren Abnahme durch Autobauer und einer steigenden Nachfrage etwa durch Unterhaltungselektronik oder auch Medizintechnik geführt. Die Autoproduktion hat dann aber schneller angezogen als erwartet. Doch konnten die Chiphersteller ihre kostspielige Produktion nicht so schnell umstellen oder ausweiten. Zudem waren die chinesischen Halbleiterhersteller durch den von Donald Trump (74) während seiner Zeit als US-Präsident angeheizten Handelskrieg in Bedrängnis geraten.

Audi fährt die Produktion wieder hoch

Die Unternehmen suchen daher nun nach alternativen Bezugsquellen und versuchen zum Teil nach Taiwan auszuweichen. Der Inselstaat ist neben China das wichtigste Herstellerland für die Halbleiterelemente. Der taiwanische Hersteller TSMC ist der zentrale Lieferant der deutschen Automobilindustrie.

Inzwischen kann zumindest Audi die Bänder nach der Zwangspause durch den Chipmangel wieder anlaufen lassen. Die Produktion in Ingolstadt und Neckarsulm werde ab kommender Woche wieder in vollem Umfang aufgenommen, heißt es in einer Mitarbeiterinformation vom Dienstag. Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage bleibe aber nach wie vor komplex. "Audi beobachtet die Lage an beiden Standorten weiterhin sehr genau und arbeitet dabei eng mit dem Betriebsrat zusammen." Corona-bedingt seien bis Ende Februar aber weiterhin 500 Mitarbeiter in Kurzarbeit, etwa aus der Gastronomie oder der Fahrzeugauslieferung.

mg/Reuters, dpa-afx
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.