Donnerstag, 5. Dezember 2019

Hadi Zablit übernimmt Ghosns Erbe Renault-Nissan holt wieder einen Libanesen an die Spitze

Hadi Zablit

Die Autoallianz von Renault, Nissan und Mitsubishi hat Hadi Zablit (49) zum Generalsekretär ernannt. Der Topmanager mit Wurzeln im Libanon werde auf dem neu geschaffenen Posten große Vorhaben der Allianz steuern, teilte Renault am Mittwoch in Boulogne-Billancourt bei Paris mit. Zablit arbeite bereits seit gut eineinhalb Jahren für die französisch-japanische Autoallianz. Details zu den großen Projekten sollen zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich gemacht werden.

Das Autobündnis war nach der Verhaftung ihres Architekten Carlos Ghosn vor gut einem Jahr in eine schwere Krise geraten. Der Manager geriet wegen angeblichen Verstoßes gegen Börsenauflagen ins Visier der japanischen Justiz. Er wurde seither mehrmals wegen weiterer angeblicher Vergehen, unter anderem der Untreue, angeklagt und kam dann auf Kaution aus der Untersuchungshaft.

Hadi Zablit hat einen französischen und einen libanesischen Pass - ebenso wie der in Brasilien geborene Carlos Ghosn. Bei Renault hatte Zablit 1994 seine Karriere als Ingenieur für Antriebstechnik begonnen. Er verließ den französischen Autobauer, um einige Jahre als Partner bei Boston Consulting zu arbeiten. Vor zwei Jahren kehrte er zu Renault als Chef des Digitalgeschäfts und von Mobilitätsdiensten zurück.

Bei Renault ist Präsident Jean-Dominique Senard für die Allianz verantwortlich. Er stellte in einem Interview mit der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times" klar, es gebe kein Vorhaben, Renault und Nissan zu fusionieren. Die französische Regierung, die an Renault beteiligt ist, macht sich dafür allerdings stark. Renault hält 43,4 Prozent der Anteile an dem japanischen Partner.

Nissans neuer Chef Makoto Uchida betonte am Montag zum Antritt in der Konzernzentrale, er wolle sich nicht den Franzosen unterordnen: "Ich werde Nissans Unabhängigkeit bewahren."

Sein Vorgänger Hiroto Saikawa hatte in der vergangenen Woche in einem Interview der "Financial Times" vor japanischen Nationalisten innerhalb des Konzerns gewarnt, die nach Ghosns Sturz die gesamte Allianz auflösen wollten. Es gebe "Leute mit tiefverwurzelten konservativen Ansichten", die zurück in die 1990er Jahre wollten, bevor Nissan in einer Finanzkrise von Renault aufgefangen wurde.

Sowohl Uchida als auch Saikawa gelten als Zöglinge Ghosns.

Nissan steht erheblich unter Druck. Der Hersteller hatte unlängst berichtet, dass es in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres unter anderem wegen des starken Yen einen Gewinneinbruch verzeichnete. Als Folge kappte der Konzern seine Gewinnprognose für das noch bis 31. März 2020 laufende Gesamtjahr. Der Nettogewinn war zwischen April und September um 73,5 Prozent auf 65,4 Milliarden Yen (543 Millionen Euro) geschrumpft.

ak/dpa/reuters

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