Montag, 6. April 2020

Tesla überrascht mit schwarzen Zahlen Musk nutzt seine letzte Gewinn-Chance - und er nutzt sie gut

Tesla-Chef Elon Musk: "Torte ins Gesicht der Nein-Sager"

Vor zwei Monaten äußerte Tesla-Chef Elon Musk einen sehnlichen Wunsch: Es der Wall Street mal so richtig zu zeigen. In einem Memo forderte er seine Mitarbeiter auf, die Kosten im Zaum zu halten und jedes "nur irgendwie mögliche" Auto auszuliefern. Ein profitables drittes Quartal würde Tesla Börsen-Chart zeigen helfen, Investoren bei der Stange zu halten. Zudem würde ein Gewinn "eine Torte ins Gesicht all jener Nein-Sager an der Wall Street werfen, die darauf beharren, dass Tesla für immer Geld verlieren wird".

Musks bildhafte Brachialrhetorik hatte offenbar den gewünschten Erfolg bei seinen Mitarbeitern. Sie legten sich ordentlich ins Zeug: Tesla Motors hat von Juli bis September tatsächlich schwarze Zahlen geschrieben und einen positiven Cash-Flow vorgelegt. Der erste Quartalsgewinn seit 2013 lag bei 22 Millionen Dollar, der freie Cash-Flow bei 176 Millionen Euro.

Auf Hochglanz poliertes Zahlenwerk

Verständlich, dass Musk mit solchen Zahlen im Rücken von "neuen Rekorden" bei der Fahrzeugproduktion und den Auslieferungen spricht. Zudem kündigt er an, dass es so weitergehen soll und man im Übrigen im Plan bleibe - auch bei der Entwicklung des Model 3, das im zweiten Halbjahr 2017 auf den Markt kommen soll. So beeindruckend das Zahlenwerk auch ausfällt: An ein paar Ecken scheinen doch die - völlig legalen - Bemühungen der Tesla-Leute durch, die Bilanz so richtig aufzupolieren.

Sehen Sie zum Model 3 folgendes mm.de-Video (Text wird unten fortgesetzt):

Foto: Tesla

Wie bei Verträgen verbergen sich bei Quartalsbilanzen manch aufschlussreiche Informationen etwas weiter hinten im Text - oder kommen bewusst neutral formuliert daher. So erklären die Tesla-Finanzer in dem Quartalsbericht, ab dem 3. Quartal keine Einkünfte mehr auszuweisen, die außerhalb des US-Bilanzierungsstandards GAAP liegen.

Das macht Tesla zwar nun besser vergleichbar mit anderen Autoherstellern. Und im vergangenen Quartal etwa lagen die ausgewiesenen Umsätze auf non-GAAP-Basis höher als jene, die sich strikt an die US-Bilanzierungsregeln hielten. Doch laut dem US-Wirtschaftsmagazin Fortune könnte dieser Schritt auch dazu dienen, die Erträge besser aussehen zu lassen als es in der Vergangenheit der Fall war.

Einen Riesen-Sprung machte Tesla im dritten Quartal jedenfalls bei den Umsätzen aus dem Automobilgeschäft: Diese stiegen auf 1,9 Milliarden Dollar, im zweiten Quartal lagen sie noch bei 1 Milliarde Dollar. Und im dritten Quartal 2015 lagen sie nur bei 770 Millionen US-Dollar.

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