Tesla überrascht mit schwarzen Zahlen Musk nutzt seine letzte Gewinn-Chance - und er nutzt sie gut

Tesla-Chef Elon Musk: "Torte ins Gesicht der Nein-Sager"

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Vor zwei Monaten äußerte Tesla-Chef Elon Musk einen sehnlichen Wunsch: Es der Wall Street mal so richtig zu zeigen. In einem Memo  forderte er seine Mitarbeiter auf, die Kosten im Zaum zu halten und jedes "nur irgendwie mögliche" Auto auszuliefern. Ein profitables drittes Quartal würde Tesla  helfen, Investoren bei der Stange zu halten. Zudem würde ein Gewinn "eine Torte ins Gesicht all jener Nein-Sager an der Wall Street werfen, die darauf beharren, dass Tesla für immer Geld verlieren wird".

Musks bildhafte Brachialrhetorik hatte offenbar den gewünschten Erfolg bei seinen Mitarbeitern. Sie legten sich ordentlich ins Zeug: Tesla Motors hat von Juli bis September tatsächlich schwarze Zahlen geschrieben und einen positiven Cash-Flow vorgelegt. Der erste Quartalsgewinn seit 2013 lag bei 22 Millionen Dollar, der freie Cash-Flow bei 176 Millionen Euro.

Auf Hochglanz poliertes Zahlenwerk

Verständlich, dass Musk mit solchen Zahlen im Rücken von "neuen Rekorden" bei der Fahrzeugproduktion und den Auslieferungen spricht. Zudem kündigt er an, dass es so weitergehen soll und man im Übrigen im Plan bleibe - auch bei der Entwicklung des Model 3, das im zweiten Halbjahr 2017 auf den Markt kommen soll. So beeindruckend das Zahlenwerk auch ausfällt: An ein paar Ecken scheinen doch die - völlig legalen - Bemühungen der Tesla-Leute durch, die Bilanz so richtig aufzupolieren.

Sehen Sie zum Model 3 folgendes mm.de-Video (Text wird unten fortgesetzt):

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Wie bei Verträgen verbergen sich bei Quartalsbilanzen manch aufschlussreiche Informationen etwas weiter hinten im Text - oder kommen bewusst neutral formuliert daher. So erklären die Tesla-Finanzer in dem Quartalsbericht, ab dem 3. Quartal keine Einkünfte mehr auszuweisen, die außerhalb des US-Bilanzierungsstandards GAAP liegen.

Das macht Tesla zwar nun besser vergleichbar mit anderen Autoherstellern. Und im vergangenen Quartal etwa lagen die ausgewiesenen Umsätze auf non-GAAP-Basis höher als jene, die sich strikt an die US-Bilanzierungsregeln hielten. Doch laut dem US-Wirtschaftsmagazin Fortune könnte dieser Schritt auch dazu dienen, die Erträge besser aussehen zu lassen als es in der Vergangenheit der Fall war.

Einen Riesen-Sprung machte Tesla im dritten Quartal jedenfalls bei den Umsätzen aus dem Automobilgeschäft: Diese stiegen auf 1,9 Milliarden Dollar, im zweiten Quartal lagen sie noch bei 1 Milliarde Dollar. Und im dritten Quartal 2015 lagen sie nur bei 770 Millionen US-Dollar.

Emissionszertifikate sorgen für zusätzlichen Umsatzschub

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In diesem Quartal hat Tesla 24.821 Fahrzeuge ausgeliefert, im zweiten Quartal 2016 waren es 14.402 Fahrzeuge. Innerhalb eines Quartals stiegen die Auslieferungen also um 72 Prozent, was eine beachtliche Leistung von Produktion und auch Vertrieb ist. Doch innerhalb eines Vierteljahres stiegen die Umsätze aus dem Automotive-Geschäft um 90 Prozent, obwohl laut Musk die Durchschnittspreise für die verkauften Autos leicht sanken.

Wie kann es sein, dass die Umsätze aus dem Automotive-Geschäft deutlich stärker stiegen als die Auslieferungen? Ein Hinweis für eine Quelle zusätzlicher Einnahmen ergibt sich aus einer Tabelle, in der Tesla die Überführung von GAAP in Non-GAAP-Finanzinformationen vorrechnet. Denn dort findet sich als Abzugsposten auch der Punkt "ZEV credit revenue recognized", der in einem Quartal von 64.000 auf nun 138 Millionen hochgeschnellt ist.

Das steht für die Emissionszertifikate, die Tesla im vergangenen Quartal verkaufte und dabei 138 Millionen Dollar erlöste. Wo diese genau verbucht wurden, lässt sich aus der Bilanz nur schwer ableiten.

Letzte Chance für Tesla-Gewinne - und das wohl für längere Zeit

Die Umstellung der Bilanzierungsregeln und kräftig erhöhte Emissionszertifikat-Verkäufe haben wohl ihr Schärflein zu den guten Zahlen beigetragen. Dass die Zertifikategeschäfte auf so hohem Niveau weiterlaufen wie zuletzt, ist eher nicht zu erwarten. Zwar versicherte Musk gestern, dass er auch im vierten Quartal einen Gewinn anpeile. Die Kritik, dass vielleicht das dritte Quartal zulasten des vierten gehen werde, sei nicht wahr, erklärte er vor Analysten.

Mag sein, dass er das hinbekommt. Doch das Jahresende 2016 wird so etwas wie die vorerst letzte Chance für Tesla sein, sich als solides Unternehmen mit schwarzen Zahlen zu präsentieren. Denn auf den Elektroautohersteller kommen in Kürze deutlich höhere Investitionen zu. Musk hat schon in seinem Memo von Anfang September angekündigt, dass Tesla ab dem vierten Quartal 2016 mehr Kapital benötigen wird. Das Geld braucht Musk zur Fertigstellung seiner neuen Baureihe Model 3 und seiner Gigafactory, der Akkufabrik in der Wüste von Nevada.

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Im kommenden Jahr im kommenden Jahr muss Tesla für beide Projekte wohl noch mehr Cash aufstellen.

Das Unternehmen hat dafür zwei Möglichkeiten: Mehr Schulden bei Kreditgebern aufzunehmen oder sich das Geld durch eine Kapitalerhöhung am Aktienmarkt besorgen. Mit den guten Zahlen des dritten Quartals dürfte sich Tesla bei der Kapitalbeschaffung nun deutlich leichter tun.

Wer ist Elon Musk - der mm.de-Erklärungsversuch in 60 Sekunden:

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