Die Franzosen und ihre deutsche Problemmarke PSA-Chef Tavares will Sanierungsplan für Opel vorlegen

Im Tauziehen mit dem Betriebsrat um die Zukunft von Opel zeigt sich der mächtige PSA-Chef Carlos Tavares verhandlungsbereit. Führt das zu einem Abbau der Spannungen?
Opel-Chef Michael Lohscheller (r) und PSA-Konzernchef Carlos Tavares: "Opel und seine Beschäftigten müssen respektiert werden"

Opel-Chef Michael Lohscheller (r) und PSA-Konzernchef Carlos Tavares: "Opel und seine Beschäftigten müssen respektiert werden"

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In den festgefahrenen Sanierungsverhandlungen für die deutschen Opel-Werke signalisiert PSA-Chef Carlos Tavares Bewegung. Die bereits fertigen Zukunftspläne für die drei deutschen Standorte Eisenach, Rüsselsheim und Kaiserslautern sollten mit dem Betriebsrat diskutiert werden, sagte Tavares am Donnerstag deutschen Medienvertretern in Rueil-Malmaison bei Paris. "Wir sind dafür bereit."

Auf Nachfrage bestätigte er, dass es keine Vorbedingung dafür gebe. In den Plänen gehe es unter anderem um geplante Automodelle, Kapazitäten, Investitionen und die geforderte "Performance" (Leistung) der Werke. Er sei auch bereit, der IG Metall Kostenstrukturen vergleichbarer PSA-Werke vorzulegen, kündigte Tavares an.

Zwischen Management und Gewerkschaften gibt es bisher kräftig Streit um die Zukunft des Sanierungsfalls Opel in Deutschland. Betroffen sind 18 000 Beschäftigte. Die IG Metall hatte dem Konzern Erpressung vorgeworfen. Von Arbeitnehmerseite war in den Verhandlungen kritisiert worden, dass ein Zukunftsplan mit festen Zusagen zu Beschäftigenquoten und Produktplatzierungen in den einzelnen Werken nicht vorliege.

Insbesondere im thüringischen Eisenach gibt es viele Sorgen, denn nach IG-Metall-Angaben ist bisher nur die Produktion eines großen Geländewagens mit einer Jahresstückzahl von unter 100 000 im Gespräch. Der französische PSA-Konzern, zu dem auch die Marken Peugeot, Citroën und DS gehören, hatte Opel im vergangenen Sommer übernommen.

Opel-Chef Lohscheller wird laut Tavares als "Held" gelten

Tavares ließ Besorgnis erkennen und beklagte einen "negativen Buzz" um Opel. "Opel und seine Beschäftigten müssen respektiert werden", forderte er. Er sei am Mittwoch bei Opel gewesen. "Ich bin bereit zu verhandeln und eine Lösung zu finden."

Er fügte hinzu: "Die Sanierung dieses Unternehmens wird stattfinden." Opel-Chef Michael Lohscheller werde in nicht allzulanger Zeit in Deutschland "als Held" betrachtet werden.

Bald ein Held? Opel-Chef Michael Lohscheller

Bald ein Held? Opel-Chef Michael Lohscheller

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Der PSA-Chef wie Vorwürfe zurück, wonach bestehende Tarifverträge bei Opel für die Produktion verletzt würden. Eine französische und eine deutsche Anwaltskanzlei hätten attestiert, dass die Vereinbarungen eingehalten würden. PSA halte sich an rechtliche Vorgaben.

Tavares machte deutlich, dass er beim Ausscheiden von Beschäftigen weiter auf Freiwilligkeit setze. Es dürfe aber auch umgekehrt keiner gehindert werden, das Unternehmen zu verlassen. "Man kann keinen davon abhalten zu gehen, wenn er gehen will."

Der Betriebsrat hatte rund 70 Aufhebungsverträgen zum 1. Mai nicht zugestimmt; die Arbeitnehmervertretung hatte das Abfindungsprogramm für jüngere Angestellte kritisiert. Tavares nannte keine Zahl zur Personalverminderung. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer errechnete, dass bei Opel rund 6000 Stellen wegfallen müssten, um die Leistungsfähigkeit von PSA-Fabriken zu erreichen.

Ein kurzer Zwischenstand zu den wichtigsten Streitpunkte und Hintergründen des Streits.

Was führte zu dem Konflikt, worüber wird überhaupt gestritten?

Mitte November 2017 hat Opel seinen neuen Sanierungsplan Pace vorgestellt, laut dem Opel bereits ab 2020 wieder Gewinne schreiben soll. Um das zu schaffen, sollen Opels Produktions- und Arbeitskosten auf das Niveau des Mutterkonzerns Groupe PSA sinken. Derzeit liegen sie noch deutlich darüber.

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Seit mehr als einem halben Jahr verhandelt die Opel-Führung mit dem Betriebsrat und der IG Metall deshalb über Lohnkürzungen. Kurzarbeit ist bereits beschlossen, bloß die Gespräche zu den Löhnen blieben bislang ohne Ergebnis. Nun erschwert die deutsche Tarifgestaltung der Opel-Führung das Leben zusätzlich. Die IG Metall hat flächendeckend eine Gehaltserhöhung von 4,3 Prozent ausverhandelt. Die Opel-Führung hat vergeblich eine Stundung der Tariferhöhung und den Abbau übertariflicher Zulagen gefordert - und musste nun die Gehaltserhöhung nachvollziehen. Dabei schrumpfte Opels Marktanteil zuletzt in einem wachsenden EU-Markt - die Marke mit dem Blitz hat im ersten Quartal weniger Fahrzeuge verkauft als noch vor einem Jahr.

Kein Wunder also, dass Opel-Chef Michael Lohscheller und der Eigentümer PSA weiterhin auf Lohnsenkungen drängen. Und dafür macht das Management nun ordentlich Druck: Im thüringischen Werk Eisenach hat PSA die Investitionen für einen geplanten Geländewagen auf Eis gelegt. Es habe im PSA-Spitzengremium vorerst kein OK dafür gegeben, weil man unter den aktuellen Bedingungen nicht wettbewerbsfähig produzieren können, hieß es zur Begründung. Ohne Zugeständnisse werde es keine Investitionen in Eisenach geben, erklärte Lohscheller.

Was fordern die die Arbeitnehmervertreter, was die anderen?

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IG Metall und die Betriebsräte beschuldigen PSA und die Opel-Führung, die bei der Übernahme vor einem Jahr gemachten Zusagen nicht einzuhalten. Die Franzosen hatten bei der Übernahme von Opel erklärt, die vom früheren Eigentümer General Motors gemachten Zusagen an die Opel-Belegschaft einhalten zu wollen. Demnach sind die deutschen Opel-Beschäftigten noch bis Ende 2018 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Bis 2020 gibt es zudem Investitions- und Produktionszusagen für die drei deutschen Opel-Werke Rüsselsheim, Kaiserlautern und Eisenach.

Generell fordern Betriebsräte und IG Metall die Einhaltung der geltenden Verträge. Die Arbeitnehmerseite erklärt sich bislang nur zu Lohnkürzungen bereit, wenn es im Gegenzug Beschäftigungszusagen bis 2025 gibt. Solche langfristigen Zusagen verweigert die Opel-Führung. Zuletzt gab es zudem Berichte, dass PSA in Eisenach die Belegschaft auf nur noch 1000 Mitarbeiter fast halbieren will. PSA hat bislang versichert, Opel ohne Entlassungen und Werksschließungen zu sanieren.

Für die Sicherung von 1800 Arbeitsplätzen in Eisenach verlange die Opel-Führung weitgehende finanzielle Einbußen für sämtliche Beschäftigte, schäumt die IG Metall. Lohnzugeständnisse seien kein Selbstzweck, warnt der Gesamtbetriebsrat. Opel-Chef Lohscheller wehrt sich gegen die Vorwürfe des Tarifbruchs. PSA und Opel erfüllten die Tarifverträge, sagte er wiederholt. Auch in Eisenach wolle man weiterhin investieren, allerdings sei das notwendige Niveau der Wettbewerbsfähigkeit noch nicht erreicht.

Die Pläne für Eisenach stellten sogar eine Verbesserung des bestehenden Tarifvertrages dar, führte Lohscheller im Gegensatz zu Aussagen der IG Metall erneut aus. Bereits im ersten Halbjahr 2019 könne die Produktion eines neuen Fahrzeugs beginnen, das ab 2020 auch in einer Elektro-Hybridversion herzustellen wäre. Berichte über mögliche Schließungen der Werke Eisenach und Kaiserslautern nach gescheiterten Verhandlungen bezeichnete der Opel-Chef als "Horror-Szenarien".

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte vor knapp einer Woche PSA dazu auf, die Zusagen aus der Opel-Übernahme auch einzuhalten. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow stellte vor kurzem Hilfen für den Erhalt des Standorts Eisenach in Aussicht - aber nur, wenn die Arbeitnehmerseite und die Opel-Führung an den Verhandlungstisch zurückkehren. In diesen Verhandlungen müsse PSA eine Zukunftsgarantie für alle drei Opel-Produktionsstandorte geben, verlangte Ramelow in der Sendung MDR Aktuell.

Wie positioniert sich der neue Opel-Eigentümer PSA in dem Streit?

PSA-Chef Carlos Tavares hat sich bisher aus dem Konflikt tunlichst rausgehalten - und mit seiner Absage eines Krisengesprächs auch deutsche Spitzenpolitiker düpiert. Nun ließ er durchblicken, dass diese Art des Klappern zu Sanierungsverhandlungen dazugehört gehört. Es werde noch einige Wochen dauern, bis es einen Abschluss der Sanierungsverhandlungen für die deutschen Opel-Werke geben werde, meinte er beim Aktionärstreffen des Autokonzerns.

"Seien Sie nicht überrascht, das wird noch etwas Lärm machen", meinte Tavares. "Seien Sie nicht erstaunt. Das ist ein Teil dessen, was man machen muss, um dieses Unternehmen wieder auf die Schienen zu bringen." Er wies darauf hin, dass es in Großbritannien, Polen, Spanien, Ungarn und Österreich bereits Vereinbarungen mit den Sozialpartnern gebe.

Und er hatte auch ein paar positive Worte zu Opels Kostenstruktur parat. Die Fixkosten bei Opel seien bereits um 17 Prozent gesunken, meinte Tavares. Er zog vor den Anteilseignern eine insgesamt positive Bilanz der Übernahme: "Wir sind überhaupt nicht enttäuscht." Er betonte die Bedeutung des Opel-Managements für die Umsetzung des Sanierungsplans.