Produktion Britische Autoindustrie so schwach wie seit 1956 nicht mehr

Die britische Wirtschaft erholt sich, die Autoindustrie aber bleibt das Sorgenkind. Sie produzierte so wenig Fahrzeuge wie seit 65 Jahren nicht mehr – und doch gibt es einen kleinen Lichtblick.
Mini-Produktion: Die britische Autowirtschaft hat 2021 ihr schlechtestes Jahr seit mehr als sechs Jahrzehnten hinter sich

Mini-Produktion: Die britische Autowirtschaft hat 2021 ihr schlechtestes Jahr seit mehr als sechs Jahrzehnten hinter sich

Foto: GEOFF CADDICK/ AFP/Getty Images

"2021 war ein weiteres unglaublich schwieriges Jahr für die britische Automobilproduktion – eines der schlimmsten seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte Mike Hawes, Chef des Verbands der britischen Kraftfahrzeughersteller und Kraftfahrzeughändler (SMMT), laut eigener Mitteilung  vom Mittwoch.

Mit 859.575 produzierten Autos seien im vergangenen Jahr 6,7 Prozent weniger Fahrzeuge als 2020 vom Band gerollt. Im Vergleich zum Jahr 2019 betrug das Minus bei der Produktion sogar 34 Prozent. Der Verband macht vor allem den weltweiten Chipmangel und die Folgen des Lockdowns für den neuerlichen Rückgang verantwortlich. Auch an Corona erkrankte Mitarbeiter in den Fabriken sowie die Schließung des Honda-Werks in Swindon in Südengland seien mitverantwortlich für das schwache Abschneiden.

Während sich die Wirtschaft in Großbritannien zusehends von der Corona-Krise erholte und im November wieder das Niveau von vor der Pandemie erreichte, schwächelte die Automobilindustrie auf der Insel: Allein im Dezember fiel die Produktion im Jahresvergleich um 12,7 Prozent.

Kleiner Trost: Mehr E-Autos verlassen die Fabriken

Positiv vermerkt der Verband, dass trotz des Chipmangels deutlich mehr elektrische Fahrzeuge die Fabrikhallen verlassen haben. So kletterte die Produktion reiner Elektroautos (BEV) um 72 Prozent und die von Hybridfahrzeugen [sowohl Plug-in-Hybrid (PHEV) als auch Hybridelektrofahrzeugen (HEV)] um 16,4 Prozent auf insgesamt 224.011 Stück. Womit reine Elektroautos und elektrifizierte Fahrzeuge etwas mehr als ein Viertel der Autoproduktion in Großbritannien ausmachten.

Globale Exporte bildeten weiterhin die Grundlage für die britische Automobilproduktion, wobei etwa acht von zehn hergestellten Autos ins Ausland geliefert werden. Die Europäische Union blieb den Angaben zufolge mit großem Abstand der größte Markt des Vereinigten Königreichs. 55 Prozent (2020: 53,5) der ausgeführten Autos gingen in die EU, was einem Volumen von 388.249 Fahrzeuge entspricht.

Steigende EU-Exporte, Ausfuhren in die USA brechen ein

Mit dem Brexit sind die Ausfuhren in die EU allerdings deutlich komplizierter und nervenaufreibender geworden: Laut einer SMMT-Mitgliederbefragung steckten neun von zehn Unternehmen der Branche deutlich mehr Zeit und Ressourcen in ihre Geschäfte mit Partnern in der Europäischen Union. Die Ausfuhren in die USA, nach Japan und China als weitere wichtige Auslandsmärkte der britischen Autoindustrie rutschten dagegen prozentual zweistellig ab.

rei