Sonntag, 15. Dezember 2019

Angst vor Brexit ohne Vertrag Britische Autoproduktion fällt um 20 Prozent

Produziert in Großbritannien: So mancher Hersteller bricht die Zelte auf der Insel ab oder verlagert zumindest Teile der Produktion. Ein Brexit ohne Vertrag würde durch neue Zölle schlagartig Autos aus Großbritannien Insel verteuern und ihre Chancen auf dem europäischen Markt empfindlich senken

Die Autoproduktion in Großbritannien sackt vor dem anstehenden Brexit weiter kräftig ab. Im Juni sank die Herstellung von Autos den dreizehnten Monat in Folge und fiel gegenüber dem Vorjahresmonat um 15,2 Prozent, teilte der britische Branchenverband SMMT (Society of Motor Manufacturers and Traders) am Mittwoch mit. Nach sechs Monaten verzeichnen die Fertigungswerke in Großbritannien mit 666.521 produzierten Autos damit einen Rückgang von gut einem Fünftel.

Rund 80 Prozent der britischen Autoproduktion gehen in den Export, die mit Abstand meisten Autos landen in der EU. Die Branche fordert seit langem ein festes Regelwerk für den Fall eines Brexits. So drohte zuletzt PSA-Chef Carlos Tavares im Falle eines harten Brexit damit, das Astra-Nachfolgemodell für die Konzernmarken Opel und Vauxhall nicht mehr in der Fabrik Ellesmere Port zu bauen.

Andere ausländische Hersteller, die in Großbritannien fertigen und für Arbeitsplätze sorgen, haben bereits Konsequenzen gezogen: So hatte Nissan bereits erklärt, die nächste Generation seines SUV-Modells X-Trail nicht mehr in England, sondern in Japan zu bauen. Honda wiederum will 2021 seine Fabrik mit 3500 Beschäftigten im britischen Swindon schließen.

"Die Zahlen von heute sind das Resultat einer weltweiten Instabilität verstärkt durch die anhaltende Furcht vor einem Brexit ohne Abkommen", sagte SMMT-Chef Mike Hawes. Die Branchenunternehmen auf der Insel hätten bereits mindestens 330 Millionen britische Pfund (364 Millionen Euro) ausgegeben, um sich für einen solchen Fall zu wappnen.

Nachfrage fällt auch in Großbritannien

Verantwortlich für den Rückgang seien eine sinkende Nachfrage in den Schlüsselmärkten - darunter auch dem Vereinigten Königreich selbst - aber auch vorgezogene Werksferien wegen der ehemals für März angesetzten Austrittsfrist des Landes aus der Europäischen Union. Unter anderem hatte BMW die Werksferien in den April vorverlegt, um mögliche Engpässe in der Lieferkette besser abfedern zu können.

Die größten Produzenten im Land waren im Vorjahr Jaguar Land Rover aus dem Tata-Konzern, Nissan, BMW mit der Kleinwagenmarke Mini, Toyota und Honda sowie der PSA-Konzern mit der Opel-Schwestermarke Vauxhall.

rei mit Nachrichtenagenturen

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