Sonntag, 31. Mai 2020

Great Wall Motors Chinesisches Dickschiff mit Ambitionen

Great Wall Motors: Chinesisches Dickschiff mit Ambitionen
AFP

Hierzulande nur Kennern bekannt, ist der SUV-Bauer Great Wall Motors in China Marktführer. Die deutschen Autobauer sind den Chinesen technisch zwar noch weit voraus. Great Wall Motors holt jedoch auf - mit gewöhnungsbedürftigen Mitteln.

Hamburg/Baoding - Wirklich rund läuft es bei Great Wall Motors derzeit nicht. Die jüngsten Nachrichten von dem chinesischen Autobauer sind jedenfalls sind nicht wirklich vielversprechend. Erst zog der größte SUV-Hersteller Chinas sein neues Vorzeigemodell H8 wegen technischer Probleme im April bereits zum zweiten Mal aus dem Verkauf zurück. Nun rollen Köpfe. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, dass gleich drei Führungskräfte des Konzerns, zuständig für nationale und internationale Verkäufe sowie ein Einkaufsmanager, gehen müssen.

Zwar beeilte sich das Unternehmen, die Personalien als normale "Rotation im Management" abzutun. Doch bei GWM knirscht es heftig im Getriebe. Nicht nur, dass nach einem Asbest-Rückruf in Australien vor zwei Jahren nun auch der Start seines bislang teuersten Modells missglückte. Bislang ist auch nicht absehbar, wann die Probleme behoben sind.

Auch wirtschaftlich läuft es aktuell alles andere als rund. Die Aktie des Autobauers hat angesichts der Hiobsbotschaften der letzten Monate gegenüber Oktober rund 40 Prozent an Wert verloren. Und angesichts des Modellausfalls sind Mai die Verkäufe des ansonsten so erfolgsverwöhnten chinesischen SUV-Marktführers im Mai um 15,7 Prozent auf 52.000 Wagen eingebrochen.

Zwar kündigte GWM erst kürzlich den Bau einer neuen Fabrik in Russland an und lässt als einziges chinesisches Unternehmen in Europa, nämlich in Bulgarien produzieren. Im abgelaufenen Jahr allerdings verkaufte GWM mit 74.942 Wagen im Ausland 22 Prozent weniger Wagen als noch vor Jahresfrist. Was allerdings noch immer für knapp eine Milliarden Euro Nettogewinn reichte.

GWM stehe vor "monumentalen Herausforderungen" in seinem Bestreben, in die erste Liga der Auto-Welt aufzurücken, kommentierte Max Warburton Analyst von Sanford C. Bernstein in Singapur die technischen Probleme der Chinesen.

Eine Tatsache, die Great Wall Motors sogar selbst einräumt. Die Probleme mit dem H8 spiegelten die "Defizite in Forschung und Entwicklung wider wie auch die beim technischen Management von Hight-End-Produkten" erklärte das Unternehmen freimütig.

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