Donnerstag, 20. Juni 2019

Zulieferer zahlt Rekorddividende Grammer rüstet mit Geld gegen Prevent

Konzernzentrale von Grammer

Der bayerische Autozulieferer Grammer erhöht mitten im Abwehrkampf gegen die umstrittene Investorenfamilie Hastor die Dividende deutlich. Für 2016 sollen je Aktie 1,30 Euro als Dividende an die Anteilseigner fließen, teilte das im SDax notierte Unternehmen am Mittwoch mit. Ein Jahr zuvor waren lediglich 75 Cent je Aktie ausgeschüttet worden.

Unter dem Strich verdiente der Autozulieferer und Sitzhersteller im abgelaufenen Jahr 45,2 Millionen Euro, nach 23,8 Millionen ein Jahr zuvor. Anfang Februar hatte Grammer bereits Eckzahlen veröffentlicht.

"Das Geschäftsjahr 2016 verlief sehr positiv für uns", sagte Vorstandschef Hartmut Müller laut Mitteilung. Grammer habe die Wettbewerbsposition trotz anhaltend schwieriger Absatzmärkte weiter verbessert.

Dabei habe der Konzern die Profitabilität signifikant gesteigert. "Wir ernten jetzt die Früchte aus unserer in den letzten Jahren konsequent umgesetzten internationalen Wachstumsstrategie", betonte Müller. Mit der Rekord-Dividende setze der Konzern ein klares Signal für die starke wirtschaftliche und strategische Basis und die positiven Erwartungen für die künftige Unternehmensentwicklung.

Die Gesellschaft profitierte 2016 von der gut laufenden Autokonjunktur. Der Umsatz legte um 19 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zu. Gut lief vor allem das Geschäft mit Mittelkonsolen für die Autoindustrie. Wegen Kostensenkungen verdiente die Gesellschaft auch mehr.

Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Grammer-Chef Hartmut Müller eine erneut positive Geschäftsentwicklung und einen moderaten Umsatzanstieg auf über 1,75 Milliarden Euro. Die operative Rendite (Ebit) dürfte bei rund 5 Prozent liegen, nach einer Verbesserung um 1,3 Prozentpunkte 2016 auf 4,3 Prozent.

Die Familie Hastor hält zwischen 20 und 30 Prozent an Grammer und will möglichst rasch die Kontrolle übernehmen. Sie kritisiert die Rendite von Grammer als zu niedrig, will Vorstandschef Hartmut Müller ablösen und fünf der sechs Aufsichtsratsposten besetzen.

Mitte April kann der chinesische Autozulieferer Ningbo Jifeng, den Grammer kürzlich als Partner an Bord geholt hat, eine Wandelanleihe in Aktien tauschen und die Grammer-Führung stützen. Grammer rief die Aktionäre zur Teilnahme an der Hauptversammlung auf.

Die Hastors hatten im vergangenen August mit einem Lieferstopp ihrer Prevent-Gruppe die Bänder bei VW in Wolfsburg und Emden lahmgelegt. Grammer befürchtet, dass Kunden abspringen, wenn die Hastors die Kontrolle übernehmen. Grammer beschäftigt rund 12.000 Mitarbeiter.

nis/dpa-afx

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