Freitag, 26. April 2019

Was macht Großaktionär Hastor? Chinesische Ningbo Jifeng will Autozulieferer Grammer ganz

Produktion von Autositzen beim Autozulieferer Grammer in Kümmersbruck (Bayern)

Der Autozulieferer Grammer steht kurz vor einer Übernahme durch den chinesischen Großaktionär Ningbo Jifeng. Die Chinesen haben nun offiziell ein Angebot für Grammer abgegeben, dass das SDax-Unternehmen mit 772 Millionen Euro bewertet. Ob es angenommen wird, ist offen. Denn die bosnische Familie Hastor hält gut 19 Prozent an Grammer - und hatte schon einmal versucht, die Macht zu übernehmen.

Der bayerische Autozulieferer Grammer steht vor einem Verkauf nach China. Der Hersteller von Mittelkonsolen, Armlehnen, Kopfstützen und Lkw-Sitzen will sich von der Eigentümerfamilie seines chinesischen Partners und Großaktionärs Ningbo Jifeng übernehmen lassen. Die Familie Wang, die Jifeng 1996 gegründet hatte, bietet den Grammer-Aktionären 61,25 Euro je Aktie, einschließlich der für 2017 versprochenen Dividende von 1,25 Euro, wie Grammer Börsen-Chart zeigen am Dienstag mitteilte.

Die Chinesen streben eine Mehrheitsbeteiligung von mehr als 50 Prozent an, wollen aber keinen Beherrschungsvertrag mit Grammer schließen. Die Familie Wang teilte mit, die Übernahme sei auch eine Chance für die 13.000 Grammer-Mitarbeiter. Sie werde nicht auf Stellenstreichungen drängen.

Jifeng war vor gut einem Jahr von Grammer an Bord geholt worden, um den unerwünschten Großaktionär Hastor abzuwehren. Jifeng hält 25,5 Prozent an dem Unternehmen aus Amberg in der Oberpfalz und will nun auf mindestens 50 Prozent aufstocken. Die Chinesen böten den rund 13.000 Grammer-Mitarbeitern eine Beschäftigungsgarantie über siebeneinhalb Jahre, erklärten zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Grammer und seine chinesischen Partner haben nun eine Investorenvereinbarung unterschrieben, die Grundlagen und Bedingungen der strategischen Partnerschaft regle. Ziel sei die Vertiefung der seit 2017 bestehenden strategischen Partnerschaft, die Stabilisierung der Aktionärsstruktur und eine globalen Wachstumsstrategie, hieß es.

Die Aktionäre setzen aber darauf, dass die Übernahme zustande kommt. Die im Kleinwerteindex SDax Börsen-Chart zeigen notierte Aktie Börsen-Chart zeigen schoss um 20 Prozent auf 61,60 Euro nach oben und lag damit leicht über den 61,25 Euro, die Jifeng einschließlich der geplanten Dividende von 1,25 Euro für 2017 bietet.

Grammer will Machtausbau von Hastor mit allen Mitteln verhindern

Für die Familie Hastor, den Eigentümer des Autozulieferers Prevent, biete das Angebot eine gute Möglichkeit zum Ausstieg, schrieb DZ-Bank-Analyst Michael Punzet. Die bonisch-stämmigen Hastors hatten 2016 eine Beteiligung von 19 Prozent aufgebaut, waren aber mit dem Versuch gescheitert, Vorstandschef Hartmut Müller zu stürzen. Damals lag die Grammer-Aktie zwischen 27 und 36 Euro.

Prevent liegt mit mehreren deutschen Autobauern, allen voran Volkswagen Börsen-Chart zeigen, im Clinch. Grammer hatte berichtet, dass mehrere Hersteller nach dem Einstieg der Hastors mit Aufträgen gezögert hätten. Nach einer Übernahme durch Jifeng könne sich der Ordereingang wieder normalisieren, schrieb Analyst Punzet.

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Die Autozulieferbranche gehört neben dem Maschinenbau zu den Branchen, die chinesische Firmen in Deutschland vorzugsweise ins Visier nehmen. Vor allem über die milliardenschwere Übernahme des Roboter-Herstellers Kuka Börsen-Chart zeigen war kontrovers diskutiert worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei ihrem Besuch in China kürzlich auf gleiche Rechte für deutsche Unternehmen bei Übernahmen in China gepocht. Bisher sind sie dort meist auf Gemeinschaftsprojekte mit chinesischen Partnern angewiesen.

Übernahme durch Jifeng dürfte problemlos durchgehen

Den Einstieg von Jifeng bei Grammer hat die Bundesregierung bereits durchgewinkt, so dass die Chinesen auch bei einer Übernahme keine Hürden erwarten. Jifeng habe von Anfang an auf einen größeren Anteil spekuliert, sagte einer der Insider. Erst jetzt habe das von der Familie Wang beherrschte Unternehmen, das kleiner ist als Grammer, aber die Finanzierung der Übernahme gesichert. Inklusive Schulden müssten die Chinesen, mit denen Grammer schon vor dem Einstieg zusammengearbeitet hatte, mehr als eine Milliarde Euro finanzieren.

Grammer hatte erst vor einer Woche die größte Übernahme seiner Geschichte in Angriff genommen, um bei US-Autobauern stärker Fuß zu fassen: Der umgerechnet 233 Millionen Euro teure Zukauf des Kunststoff-Spezialisten Toledo Molding & Die (TMD) aus dem US-Bundesstaat Ohio soll mit Krediten finanziert werden.

rei/mg/wed/Reuters

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