Donnerstag, 20. Juni 2019

Proteste gegen bosnischen Investor Grammer-Beschäftigte gehen auf die Barrikaden

"Hast Du Hastor erst im Haus ...": Grammer-Beschäftigte haben für die bosnische Eigentümerfamilie und ihre Übernahmepläne nicht viel übrig

Mehr als tausend Beschäftigte des Autozulieferers Grammer haben am Montag an den deutschen und tschechischen Standorten gegen die Übernahmepläne der Investorenfamilie Hastor protestiert. Der Amberger IG-Metall-Chef und stellvertretende Grammer-Aufsichtsratschef Horst Ott sagte bei einer Kundgebung in Amberg: "Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze" und forderte: "Kein Monopoly auf unsere Kosten!"

Die Hastor-Firmengruppe Prevent hatte im vergangenen Sommer die Fließbänder bei Volkswagen in Emden und Wolfsburg zum Stillstand gebracht. Die Familie hält inzwischen 20 bis 30 Prozent der Grammer-Aktien, will den Vorstandschef ablösen, die Kontrolle im Aufsichtsrat übernehmen und mehr Gewinn machen.

Der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler sagte am Montag: "Erfahrungen mit der Hastor-Familie zeigen, dass sie lediglich eine kurzfristige Gewinnoptimierung im Blick hat. Dadurch droht ein großer Schaden für die Kundenbeziehungen." Laut Grammer halten sich große Kunden bereits mit Aufträgen zurück oder drohen abzuspringen.

Ott sagte, die aktuelle Lage für das als Unternehmen sei "existenzbedrohend, und damit ist jeder einzelne Arbeitsplatz weltweit in Gefahr." Wer daran "Hand anlegt, weiß jetzt: Er legt sich mit uns allen an", sagte der Gewerkschafter unter dem Beifall von rund 700 Beschäftigten.

Grammer selbst stemmt sich nach Kräften gegen die Übernahme, setzte dabei zuletzt auf den chinesischen Konkurrenten Ningbo Jifeng als "weißen Ritter". Doch hier machte das Landgericht Nürnberg-Fürth zunächst einen Strich durch die Rechnung. Die Richter untersagten dem Unternehmen, neue Aktien an die Chinesen auszugeben. Mit den zusätzlichen Papieren von Ningbo Jifeng hätte Grammer vermutlich bessere Chancen, den Angriff der Hastors auf der Hauptversammlung am 24. Mai abzuwehren.

dpa-afx

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