Donnerstag, 20. Juni 2019

Nach Ausstieg von Hastor Chinesen steigern Anteil an Grammer auf 84 Prozent

Ein Mitarbeiter arbeitet in der Produktion beim Autozulieferer Grammer an Fahrersitzen.

Der Autozulieferer Grammer kann nach der geglückten Übernahme durch den chinesischen Partner Jifeng und dem Abschied eines störenden Großinvestors aufatmen. "Wir sind erleichtert, dass es so gekommen ist. Es ist jetzt eine positive Situation für uns, da wir unsere Strategie fortsetzen können, wie wir es wollen", sagte Vorstandschef Hartmut Müller der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Dienstag in Amberg. "Wir können uns jetzt wieder voll auf die Integration des US-Unternehmens TMD sowie den Ausbau des Geschäfts in China und den Vereinigten Staaten konzentrieren." Die Aktie von Grammer legte daraufhin deutlich zu.

Zuvor war bekannt geworden, dass Jifeng nach Abschluss der Übernahme 84,23 Prozent an Grammer Börsen-Chart zeigen hält. Anfang August hatte Grammer mitgeteilt, dass der frühere Großaktionär Hastor seine Beteiligung nahezu komplett verkauft hat und Jifeng die Übernahme geglückt ist.

Zum damaligen Zeitpunkt hielt das chinesische Unternehmen 74 Prozent der Aktien. Seitdem hatten die Aktionäre, die sich noch nicht entschieden hatten, Zeit, ihre Anteile anzubieten. Dieses Angebot haben noch einige angenommen, sodass der Jifeng-Anteil die wichtige Schwelle von 75 Prozent überschritten hat. Nun kann kein anderer Investor mehr als 25 Prozent erwerben und damit wichtige Entscheidungen blockieren.

Die Investmentbank Oddo BHF erwartet, dass Autohersteller, die sich wegen schlechter Erfahrungen mit den Hastors zurückgehalten hätten, nun wieder mehr bestellen würden. Grammer dürfte daher profitabler werden. Die Aktie legte am Donnerstag leicht zu.

Die bosnische Familie Hastor hatte 19 Prozent der Grammer-Anteile gehalten. Sie war Anfang 2016 bei Grammer eingestiegen und versuchte, Vorstand und Aufsichtsrat neu zu besetzen. Das scheiterte aber am geschlossenen Widerstand der anderen Aktionäre, der Arbeitnehmer und der Politik.

Für die Hastors hat sich der Stress gelohnt

Die Hastors zerstritten sich auch mit den beiden wichtigsten Grammer-Kunden VW und Daimler. Hastor-Zulieferfirmen hatten 2016 die VW-Bänder in Wolfsburg und Emden vorübergehend stillgelegt.

Für die bosnische Investorenfamilie hat sich das Engagement bei Grammer finanziell gelohnt: Sie hat gut 50 Millionen Euro daran verdient.


Lesen Sie auch: Das Imperium des Hastor-Klans


Grammer beschäftigt 15.000 Mitarbeiter, davon 2000 am Hauptsitz Amberg. Das Unternehmen stellt Mittelkonsolen und Kopfstützen für Autos her sowie Sitze für Baumaschinen und Traktoren. An der Börse ist Grammer rund 770 Millionen Euro wert.

Seitens der Politik gab es keine Bedenken gegen die Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen. Dabei hatte die Bundesregierung kürzlich den Einstieg eines chinesischen Staatskonzerns beim deutschen Stromnetzbetreiber 50 Hertz verhindert und ist gerade dabei, die Hürden für Übernahmeversuche in sensiblen Bereichen zu erhöhen. Die Volksrepublik China will in 30 Jahren in sämtlichen wichtigen Industriesparten führend sein. Dazu kaufen chinesische Investoren auch europäische Technologiefirmen. Schlagzeilen machten der Geely-Einstieg bei Daimler und die Übernahme des Roboterbauers Kuka.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung