800 Jobs in Gefahr Autozulieferer GKN Driveline schließt Werk in Zwickau

Das Werk des Autozulieferers GKN Driveline in Zwickau stellt Gelenkwellen her. Es steht in unmittelbarer Nähe zur Volkswagen-Fabrik. Noch zu DDR-Zeiten eröffnet, muss es nun schließen, 800 Jobs fallen weg. Die IG Metall wirft dem Unternehmen vor, die Produktion Stück für Stück nach Osteuropa zu verlagern.
Klassische Motoren: Der Trend hin zur Elektromobilität stellt die Autokonzerne und Zulieferindustrie vor enorme Herausforderungen

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Foto: via www.imago-images.de / imago images/Friedrich Stark

Der Automobilzulieferer GKN Driveline will sein Werk in Zwickau mit mehr als 800 Beschäftigten auf absehbare Zeit schließen. Der Standort im Ortsteil Mosel sei auf Dauer nicht mehr zu halten, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Geplant sei, ab der zweiten Jahreshälfte die Produktion an andere Standorte zu verlagern. Dafür sei ein Zeitraum von zwei Jahren vorgesehen.

Das Unternehmen stellt in Mosel Gelenkwellen für Autos her. Das Werk war bereits zu DDR-Zeiten 1981 gegründet worden und befindet sich in Zwickau direkt neben der Autofabrik von Volkswagen. Begründet wurde die geplante Werksschließung in Sachsen mit strukturellen Veränderungen in der Automobilindustrie. Vor diesem Hintergrund werde die Auslastung des Werks in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen.

Die IG Metall wirft dem Unternehmen vor, das in Deutschland weitere Standorte in Offenbach, Kiel und Trier hat, Produktion scheibchenweise nach Osteuropa zu verlagern. Die Gewerkschaft kündigte Widerstand gegen die Pläne an. Es sei bitter für die Beschäftigten, "dass ihre Arbeitsplätze dem Profit geopfert werden sollen", sagte Betriebsratschef Jörg Kirsten. "Denn während das Werk in Mosel dichtgemacht werden soll, zieht der Konzern an anderer Stelle eine neue Fertigung hoch."

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) rief das Unternehmen dazu auf, die Entscheidung zu überdenken. Die Pläne seien ein "Rückschlag" für das Automobilland Sachsen. Dass es für die Produkte von GKN einen Absatzmarkt gebe, zeigten die Pläne, ein Werk in Ungarn aufzubauen. "Warum der Standort in Sachsen aus Sicht der westdeutschen Geschäftsführung nicht erhalten werden kann, wird zu überprüfen sein", so Dulig.

Der Trend hin zur Elektromobilität bringt auch der Zulieferindustrie nicht nur in Sachsen einen tief greifenden Umbruch. Ein Elektromotor benötigt weit weniger Bauteile als ein konventioneller Motor. Manch Zulieferer muss sich daher umstellen, weil die von ihm produzierten Teile immer weniger gebraucht werden. Darüber hinaus kämpft auch die Zulieferbranche mit gestiegenen Energiekosten. Beim Automobilkongress im Herbst in Zwickau war von einer verheerenden Situation die Rede. Für viele Unternehmen rechne sich die Produktion nicht mehr, hieß es von Branchenexperten.

rei/DPA
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