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Dreckiges Dutzend: Diese zwölf Autos schlucken in Europa angeblich viel weniger Sprit als in den USA

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BMW muss Angaben für den Mini korrigieren Wer in Amerika beim Spritverbrauch trickst, zahlt Kunden Millionen

In Europa dürfen Autobauer beim Spritverbrauch der Fahrzeuge tricksen - Kontrollen gibt es kaum. In den USA gehen die Behörden dagegen hart gegen Hersteller vor, deren Angaben nicht stimmen. Ihnen drohen finanzielle Einbußen und ein Imageschaden. Jetzt hat es den Mini von BMW erwischt.

Hamburg - Mini-Händler in den USA bekommen derzeit unerfreuliche Post vom Mutterkonzern BMW. Inhalt: Neue Verkaufsetiketten für vier Mini-Modelle mit neuen, schlechteren Benzinverbrauchs-Werten. Die US-Umweltbehörde EPA hatte die früheren Angaben überprüft und herausgefunden, dass diese deutlich zu niedrig angesetzt waren - im Extremfall um 0,7 Liter auf 100 Kilometer, wie das Wall Street Journal (€) berichtet .

So geht die EPA in den USA häufig vor. Auch Mercedes-Benz, Ford und Hyundai/Kia mussten ihre Angaben zuletzt korrigieren, nachdem die staatlichen Tester sie für zu optimistisch befunden haben. Mal sind es routinemäßige Prüfungen, mal lösen Autofahrer, die vom tatsächlichen Verbrauch enttäuscht sind, die Untersuchungen aus.

Für Hyundai und Kia wurde es sogar richtig teuer. Nachdem die Behörde zu hohe Verbrauchswerte festgestellt hatte, änderten die Hersteller die Angaben bei jedem dritten Modell  und versprachen den wütenden Autofahrern Entschädigungen.

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Diese könne sich pro Kunde auf mehr als 700 Dollar belaufen, wie Hyundai vorrechnet . Der Schaden addierte sich für die koreanischen Hersteller laut einer Analystenschätzung auf 362 Millionen Dollar . Hinzu kam ein veritabler Imageschaden.

Auch BMW hat nun ein Problem. Allerdings haben die Münchener Angaben korrigiert, nach denen sie die betroffenen Mini-Halter finanziell entschädigen werden. "Da es sich nur um eine geringfügige Änderung der Verbrauchsangaben handelt, sind Zahlungen an Kunden nicht vorgesehen", teilte ein Unternehmenssprecher manager magazin mit. Zunächst hatte BMW die Frage nach Entschädigungen gegenüber manager magazin bejaht und erklärt, die US-Händler gingen aus diesem Grund jetzt auf die Fahrer zu (siehe Anmerkung am Ende des Textes).

Während Autofahrer in den USA gute Chancen haben, wegen realitätsferner Angaben zum Verbrauch entschädigt zu werden, ist so etwas in Europa praktisch undenkbar. Dort sehen sich Autohersteller praktisch nie offiziellen Nachprüfungen der Verbrauchswerte ausgesetzt. Und sollte es doch einmal passieren, erfährt die Öffentlichkeit davon nichts, kritisiert der Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Was die Kunden ärgert, schützt die Hersteller. Denn das hiesige offizielle Messverfahren gemäß dem "Neuen Europäischen Fahrzyklus" (NEFZ) gilt als äußerst lasch - die ermittelten Angaben haben mit dem realen Verbrauch wenig zu tun.

Klebeband, Luftdruck, Temperatur: Hersteller in Europa tricksen, wo sie können

Hersteller kleben laut einem Bericht der Organisation Transport & Environment  auf dem Prüfstand Kanten zu, klemmen die Lichtmaschine ab, heizen das Auto vor oder erhöhen den Reifenluftdruck. Ist die offizielle Verbrauchszahl in einem zertifizierten Labor erst einmal ermittelt, gibt es dagegen keine Handhabe mehr.

So entstehen in den Labors Fabel-Verbrauchsdaten, und die Hersteller werden dabei immer kreativer. Laut VCD weichen die gemessenen Werte im Schnitt um 38 Prozent von den tatsächlichen ab. Im Jahr 2001 habe die Abweichung gerade 8 Prozent betragen. Die seither angeblich erzielten Effizienzsteigerungen in der europäischen Fahrzeugflotte gibt es deshalb zum Großteil nur auf dem Papier. Kunden und Umwelt spüren davon wenig.

Wie sehr Autofahrer in Europa hinters Licht geführt werden, zeigt auch der Vergleich mit den offiziellen US-Verbrauchswerten einzelner Modelle. Denn diese sagen tatsächlich etwas darüber aus, wie viel Sprit ein Auto schluckt.

Offizielle Sprit-Verbrauchswerte in den USA viel höher als in Europa

Der Mini Cooper S verbraucht in den USA nach Behördenangaben nun satte 8,4 Liter auf hundert Kilometern. Das deckt sich in etwa mit den Erfahrungen der Autofahrer von Portalen wie Spritmonitor. In Deutschland beträgt der offizielle Wert für dasselbe Modell gerade einmal 5,8 Liter.

Zwölf weitere krasse Beispiele haben wir in einer Bildergalerie zusammengestellt.

Die Diskrepanz habe auch mit dem Fahrverhalten der Amerikaner zu tun, sagte der BMW-Sprecher. "Dort lassen Autofahrer auch mal den Motor laufen, wenn sie für kürzere Zeit aussteigen." Derartige Eigenarten berücksichtige der amerikanische Testzyklus. Ein Vergleich mit den europäischen Messwerten sei deshalb nicht sinnvoll. Auch seien die US-Minis etwas anders ausgestattet, und das verwendete Benzin unterscheide sich vom europäischen.

Solche Überlegungen erklären den himmelweiten Unterschied zwischen US- und europäischen Angaben aber nur zum Teil. Der wichtigste Grund ist: In den USA müssen die Hersteller die im Labor ermittelten Verbrauchswerte nach oben korrigieren. Der Aufschlag beträgt durchschnittlich 23 Prozent, wie die der Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) ermittelt hat.

"In den USA lastet ein viel höherer Druck auf den Autoherstellern als in Europa"

"So stellt die Umweltbehörde sicher, dass der Kunde einen möglichst realistischen Verbrauchswert im Prospekt des Herstellers vorfindet", sagt ICCT-Direktor Peter Mock gegenüber manager magazin. "In den USA lastet ein deutlich größerer Druck auf den Herstellern, wirklichkeitsnahe Angaben zu machen."

Davon können europäische Kunden auch in Zukunft nur träumen. Zwar soll ab 2017 ein neuer Testzyklus in Kraft treten, das weltweit harmonisierte WLTP-Verfahren.

Dadurch könnten die offiziellen Verbrauchswerte steigen und sich der Realität annähern. Um die Details der Einführung wird in Brüssel allerdings heftig gerungen.

Europas Autofahrer trotz neuen Messverfahrens weiterhin machtlos

"Es werden einige Schlupflöcher gestopft", erwartet Experte Mock. Aber auch mit dem neuen Testzyklus würden die Fahrzeuge lediglich im Labor getestet.

Dadurch hat ein Autofahrer in Europa kaum eine Handhabe gegen den Hersteller, falls sein Fahrzeug einen höheren Verbrauch im täglichen Betrieb aufweist. Den Vorteil habe der Hersteller, sagt Mock. "Mit Nachprüfungen muss er - anders als in den USA - nicht rechnen."

Der Verkehrsclub VCD will sich mit der Situation nicht abfinden. "Es ist wichtig, dass alle Schummeleien unterbunden werden", sagt dessen Autoexperte Gerd Lottsiepen. "Für den Fall, dass betrogen wird, sollte es Strafen geben."

Anmerkung der Redaktion: Gegenüber manager magazin hatte BMW zunächst bejaht, dass das Unternehmen Mini-Fahrer in den USA entschädigen werde. Einen Tag nach Erscheinen des Artikels nahm BMW diese Aussage zurück. Gründe nannte ein Unternehmenssprecher auch auf mehrfache Nachfrage nicht.

manager magazin wollte von BMW unter anderem wissen, weshalb die Händler "auf die Kunden zugingen", wie der Sprecher ursprünglich formuliert hatte, ob sie sich entschuldigen oder Sachleistungen als Kompensation anbieten. Auch die Frage, ob BMW erst zahle, wenn Kunden Klage einreichten oder ein Gericht das Unternehmen dazu verpflichte, ließ BMW unbeantwortet.