Montag, 14. Oktober 2019

Streiks kosten General Motors über 1 Milliarde Dollar Sparkurs wird für GM nun richtig teuer

Arbeiter der US-Autogewerkschaft UAW protestieren Mitte September 2019 mit Schildern auf der Straße.
Bryan Woolston / DPA
Arbeiter der US-Autogewerkschaft UAW protestieren Mitte September 2019 mit Schildern auf der Straße.

Es waren Szenen wie aus längst vergangen geglaubten Zeiten, die sich am 15. September vor mehreren US-Autofabriken abspielten: Da marschierten tausende, Transparente schwingende Arbeiter vor den Werken des Autoriesen General Motors (GM) auf - und begaben sich in einen von der US-Autogewerkschaft United Auto Workers (UAW) organisierten Streik. Es war die erste landesweite Arbeitsniederlegung für GM seit 2007, also der erste Großstreik seit zwölf Jahren. Laut Gewerkschaftsangaben betraf der Streik 48.000 auf Stundenbasis beschäftigte GM-Arbeitnehmer.

Vier Wochen später ist die Situation noch brenzliger geworden: Nun betrifft der Ausstand laut "Financial Times" bereits 60.000 Arbeitnehmer, denen General Motors temporär gekündigt hat. Vergangenes Wochenende sind Tarifgespräche zwischen Gewerkschaft und Management gescheitert, GM hat nun auch vorübergehend Arbeiter in zwei mexikanischen Werken freigesetzt. Und auch in Kanada sind 4500 GM-Zeitarbeiter vorübergehend außer Dienst gestellt.

Für den Autoriesen ist die Eskalation ein eher teures Hasardspiel: Wall-Street-Analysten schätzen, dass der Streik GM bereits weit über eine Milliarde Dollar kostet. Durch den Ausstand liegt die Produktion in mehr als 30 GM-Werken in den USA brach, bei Autozulieferern kommt es deshalb bereits zu Produktionsausfällen.

UAW kämpft gegen Schließungspläne für fünf Werke

Autohändler haben Schwierigkeiten bei der Besorgung von Ersatzteilen, berichtet das "Wall Street Journal", ihre Kunden müssen deshalb länger warten. Und Branchenbeobachter warnen bereits, dass der lange Streik die ohnehin schwächelnde Wirtschaft des US-Bundesstaats Michigan endgültig in die Rezession schicken könnte.

Die Situation für GM ist also alles andere als rosig - und aktuell bleiben die Fronten wohl erstmal verhärtet. Am Wochenende erklärte UAW-Vizepräsident Terry Dittes, dass die Verhandlungen sich "zum Schlechteren hin entwickelt" hätten. GM habe eine nach UAW-Ansicht inadäquate Antwort auf ein "ausführlichen Paketvorschlag" der Gewerkschaft vorgelegt, in dem Gehälter, Jobsicherheit, Pensionen und Gewinnbeteiligungen enthalten waren.

Laut Dittes seien die GM-Verhandler großteils zu einem bereits abgelehnten Vorschlag zurückgekehrt - weshalb die Verhandlungen wohl geplatzt sind. Vieles davon klingt nach klassischer Tarifverhandlungs-Taktik - der Kern des Ganzen ist allerdings ein grundlegender Wandel bei dem Autoriesen. Denn auch GM sucht seine Zukunft in Elektroauto-Modellen mit hoher Reichweite. Deren Produktion benötigt allerdings deutlich weniger Arbeiter. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der US-Autoabsatz nach jahrelangem Wachstum nun schrumpft.

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