Mittwoch, 13. November 2019

Rauer Wind in der Autoindustrie Was GMs harte Einschnitte für VW und Co bedeuten

GM-Autofabrik in Kanada: Insgesamt fünf Produktionsstätten in Nordamerika will der US-Autoriese schließen

2. Teil: Ford und Fiat Chrysler geraten unter Zugzwang

GMs nun veröffentlichte Sparvorhaben erhöhen den Druck auf Ford, hier doch etwas schneller als bisher geplant nachzuziehen. Und auch der Autobauer Fiat Chrysler könnte bald Sparpläne vorstellen, meinen Experten. Ein paar Schritte für höhere Profitabilität haben Ford und Fiat Chrysler bereits gesetzt: Sie verschieben ihre Modellpalette Richtung SUVs und Pickup-Trucks unddünnen die Limousinen-Produktion stark aus. GM zieht da nun nach, streicht ein paar größere Limousinen und wirft den Plugin-Elektrowagen Chevrolet Volt aus dem Programm.

GM ist aber der erste im Bund der drei großen US-Autohersteller, der auch Werksschließungen ankündigt: Insgesamt fünf Produktionsstätten, zwei Getriebewerke und drei Autofabriken, will GM in Nordamerika schließen. US-Gewerkschaften und Politiker protestieren dagegen - wie auch US-Präsident Donald Trump selbst.

Die wachsenden Unsicherheiten auf den weltgrößten Automärkten haben aber viel mit Trumps Handelspolitik zu tun. Die von ihm verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium, die US-Produzenten schützen sollten, haben GM und Ford je rund 1 Milliarde Dollar gekostet. Denn deren Zulieferer in den USA haben die Preise wegen der teureren Importe erhöht.

Bei deutschen Herstellern sinken die Margen

Zu spüren bekommen dies auch die deutschen Autohersteller, wie es in einer neuen Studie der Wirtschaftsberatung EY heißt. Deren Gewinnspannen sind zuletzt deutlich gefallen wegen den Nachwehen der Dieselkrise und negativen Währungseffekten, aber auch wegen der Handelsstreitigkeiten. Und die könnten sich auch zwischen den USA und Europa bald wieder verschärfen. Laut einem Bericht der WirtschaftsWoche könnte Trump schon in der kommenden Woche Zölle auf Autoimporte verhängen - ein Untersuchungsbericht des Handelsministeriums liege schon auf seinem Tisch. Geplant sind 25 Prozent Zoll auf Autoimporte aus allen Ländern mit Ausnahme Kanadas und Mexikos.

Die Margen der deutschen Autobauer dürften in den kommenden Jahren eher niedrig bleiben, warnt EY. Denn die deutschen Autohersteller müssen - wie ihre Konkurrenten - Milliarden in Elektromobilität, autonomes Fahren und digitale Dienste stecken.

Anders als in den USA gibt es in Deutschland ein Miteinander zwischen Arbeitnehmervertretern und den Führungsetagen. Statt tausenden Mitarbeitern zu kündigen, setzen deutsche Autokonzerne und Sparmaßnahmen, die sozial verträglicher sind.

Der Volkswagen-Konzern will seinen Schwenk Richtung Elektromobilität etwa ohne größere Belegschafts-Einschnitte schaffen, zumindest in Deutschland. Im vor knapp zwei Wochen beschlossenen Investitionsplan garantierte VW, bis 2028 keine betriebsbedingten Kündigungen in den deutschen Werken auszusprechen. Weltweit dürfte das aber für die kommenden zehn Jahre kaum gelten.

Daimler hat in diesem Jahr bereits zwei Gewinnwarnungen ausgesprochen. Zuletzt erklärte Daimler auch, dass das Halten der aktuellen Marge im kommenden Jahr eine "Herausforderung" sein werde. Ihr Sparprogramm für Mercedes-Benz haben die Stuttgarter bereits verschärft - zu möglichen Job-Auswirkungen auf die weltweiten Werke haben sie sich noch nicht geäußert.

BMW kündigte noch im März an, auf umfassende Sparprogramme verzichten zu wollen. Kosten senken soll stattdessen die Reduzierung der Komplexität bei Beschaffung und Modellpalette. Im September verstörte BMW seine Investoren mit einer Gewinnwarnung. Zu möglichen, schärferen Sparplänen äußerten sich die Münchner aber bislang nicht. Gut möglich, dass sich das durch GMs Vorpreschen in den nächsten Monaten ändert.

mit Material von Reuters, dpa

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