Montag, 24. Februar 2020

Comeback des einstigen PS-Protz als E-Auto General Motors parkt den Hummer aus

He'll be back: Hummer-Geländewagen im Jahr 2010 - General Motors belebt die Marke nun mit Elektro-SUVs wieder

Zuerst war er Lieblings-Fortbewegungsmittel der Militärs im Golfkrieg des Jahres 1991, dann von Zigarre paffenden Promis vom Schlage Arnold Schwarzeneggers, schließlich verkam er zur Ludenschleuder und war lange Hassobjekt von Umweltschützern: Der martialische Hummer-Geländewagen hat eine, nennen wir es mal, bewegte Markengeschichte hinter sich.

Im Jahr 2010 zog General Motors den Brachial-Geländegänger aus dem Verkehr, weil sich der benzinfressende Riesen-SUV seit den Finanzkrise-Jahren kaum mehr verkaufen ließ. Doch nun bringt der US-Autokonzern die Marke Hummer zurück, wie General Motors vor wenigen Tagen bestätigte.

Zum Finalspiel der amerikanischen Football-Liga NFL, dem Super Bowl, schaltete General Motors einen entsprechenden Werbespot mit dem Basketball-Superstar LeBron James - und verriet dabei ein paar Eckdaten des Wagens. So soll der Elektro-Hummer auf 1000 PS kommen, den Sprint von 0 auf 100 km/h in rund drei Sekunden schaffen und mit ordentlich Zugkraft punkten.

Offiziell vorstellen will General Motors den Wagen im Mai 2020, ab Herbst 2021 soll das Auto in den Handel kommen. Viel mehr Details gibt es bisher nicht - zu Preisen, Reichweiten oder Batteriegrößen hat sich der US-Autoriese noch nicht geäußert. Immerhin scheint es GM ernst zu meinen mit der Serienproduktion: Denn der Konzern will 2,2 Milliarden Dollar in eine Fabrik in Detroit stecken, um dort Elektrotrucks zu fertigen - zu denen wohl auch der Hummer zählt.

Markt für Elektro-Pick-ups formiert sich

Der von den Toten auferweckte Hummer wird unter der Marke GMC verkauft - und folgt einem in der US-Autoindustrie gerade beliebten Marketingkalkül. Mitte November 2019 sorgte Ford mit der Vorstellung des Mustang Mach-E für Aufregung, eines künftigen Elektro-SUVs, der Fords Muscle-Car-Ikone Mustang in eine verbrennungsmotorenfreie Ära hieven soll.

Fords und GMs Entscheidungen zeigen, wohin ein wichtiger Teil des US-Automarktes steuern soll. Denn die US-Autobauer versuchen nun wohl, die nach wie vor teuren Elektroantriebe mit einer kräftigen Dosis Nostalgie zu verkaufen. Und das in den größten und lukrativsten US-Marktsegmenten, bei Pick-up-Trucks und großen SUVs.

Denn da dürften Autokäufer bald die Qual der Elektroantriebs-Wahl haben. So arbeitet Ford an einer E-Version seines Pick-up-Bestsellers F-150. Tesla drängt mit dem kantigen "Cybertruck"-Pick-up in das Segment. Das US-Start-up Rivian stellte vor einigen Monaten einen Elektro-Pick-up und einen E-SUV vor. Das Unternehmen aus Michigan hat den US-Handelsriesen Amazon als Investor und Großkunden gewonnen. Und dann gibt es noch amerikanische Start-Ups wie Bollinger, Karma und Lordstown Motors, die ebenfalls an eigenen Elektro-Pick-ups arbeiten.

Die Konkurrenz für den Elektro-Hummer wird also eher dicht sein. Ob die konservativen US-Pick-up-Fans tatsächlich in nennenswerter Zahl zu Elektroantriebs-Fans mutieren, muss sich aber noch weisen.

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