Dienstag, 2. Juni 2020

Fusionspläne der Autobauer Wo PSA und FCA profitieren würden - und wo es hakt

Logos der FCA-Marken Lancia, Fiat, Jeep und Alfa Romeo: Der Konzern führt nun mit PSA Fusionsgespräche
MARCO BERTORELLO / AFP
Logos der FCA-Marken Lancia, Fiat, Jeep und Alfa Romeo: Der Konzern führt nun mit PSA Fusionsgespräche

PSA-Chef Carlos Tavares ist nicht nur ein harter Sanierer - er ist offenbar auch ein gewiefter Verhandler. Bis vor kurzem spielte der Portugiese gekonnt den Desinteressierten, wenn es um einen möglichen Zusammenschluss von PSA Peugeot Citroën Börsen-Chart zeigen mit dem Autobauer Fiat Chrysler Automobiles (FCA) Börsen-Chart zeigen ging.

Noch Mitte September erklärte Tavares auf der Branchenmesse IAA: "Wir brauchen keine Allianz und konzentrieren uns auf uns." Vor zwei Wochen sagte er im Interview mit der Fachzeitschrift "Automobilwoche", dass er zwar Fusionsmöglichkeiten in Betracht ziehe, wenn diese Synergien schaffen könnte. Doch an schierem Produktionsvolumen, versicherte Tavares damals, sei er nicht interessiert: "Wir wollen nicht die Größten sein, aber die Besten", gab er zu Protokoll.

Dabei verhandelte Tavares wohl seit Monaten über einen Zusammenschluss, der ihn mit einem Schlag zum viertgrößten Autohersteller der Welt machen könnte: Denn nun haben PSA und Fiat Chrysler die angestrebte Fusion offiziell bestätigt und am Donnerstag bereits wesentliche Details bekannt gegeben.

Ob die Gespräche zwischen den beiden Autoherstellern tatsächlich zu einem Zusammenschluss führen, ist noch unsicher - schließlich ist FCA vor knapp einem halben Jahr an einer Fusion mit PSAs Konkurrenten Renault gescheitert. Und wie auch schon vor einem halben Jahr gilt: Beide Seiten könnten in wichtigen Bereichen manche Schwächen ausmerzen. Es gibt aber mehrere noch zu überwindende Hürden, an denen die Fusion noch scheitern könnte.


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Beide Autohersteller haben eine ähnliche Größe: Fiat Chrysler hat im vergangenen Jahr weltweit 4,8 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, bei PSA waren es 3,9 Millionen Fahrzeuge. FCAs Hauptmarkt war zuletzt Nordamerika, wo der Konzern im Jahr 2018 2,5 Millionen Autos verkaufte. PSA mit seinen Marken Peugeot, Citroen, DS und Opel verkaufte hingegen vier Fünftel seines Weltabsatzes in Europa.

PSA-Plattformen würden Fiat dringend notwendigen Schwung verleihen

Ein Zusammengehen würde wohl sicherlich FCAs schwächelndem Geschäft in Europa helfen. Deren Kernmarke Fiat stürzte zuletzt auf 4,3 Prozent Marktanteil in den EU-Ländern ab - und ein Großteil des Fiat-Geschäfts entfällt nach wie vor auf den Heimatmarkt Italien. Die Wiederbelebung der Sportwagenmarke Alfa Romeo läuft bislang nicht allzu erfolgreich. Auch die Maserati-Auslieferungen gingen zurück. Und die FCA-Marke Jeep fristet in Europa nach wie vor ein Nischendasein.

PSAs Entwicklungsressourcen und deren neuen Plattformen könnten Fiats veraltete Produktpalette kräftig verjüngen, meint etwa Max Warburton vom Investmenthaus Bernstein. Und ein Zusammengehen würde FCA noch in einem weiteren Bereich helfen: Jahrelang haben die Italiener kaum in Elektroantriebe investiert, nun sind sie Nachzügler. PSA hat das auch in Krisenzeiten anders gehandhabt. Die Franzosen können deshalb nun Plugin-Hybrid-Motorisierungen und reine E-Antriebe bei vielen Modellen anbieten. Führend sind sie dabei nicht, aber immerhin gutes Mittelmaß.

PSA erhält bei einer Fusion im Gegenzug einen Schnellzugang zum US-Markt, wo die Franzosen seit zwei Jahrzehnten gar nicht mehr vertreten sind. Tavares hatte zwar zuletzt angekündigt, nach Nordamerika zurückkehren zu wollen. Seine Pläne hörten sich aber immer nach einem bescheidenen Neustart an. Der dürfte bei einem Zusammengehen deutlich kräftiger ausfallen und wohl auch schneller gehen. Denn bislang hatte PSA eine US-Rückkehr für das Jahr 2026 ins Auge gefasst. Zumal PSA dann auch auf das gut ausgebaute US-Händlernetz von Chrysler zurückgreifen könnte.

In Europa könnte PSA mit FCAs Hilfe wohl seine Pläne für große Mittelklasse- und Oberklassemodelle beschleunigen. Denn in diesem Bereich ist PSA mit seiner Marke DS bislang nur sehr verhalten erfolgreich. FCA hat für Alfa Romeo eine Mittelklasse-Plattform entwickelt, auf der aktuell die Limousine Giulia und der SUV Stelvio gebaut werden. Sie soll auch Basis für künftige Maserati-Modelle sein - und könnte auch als Anfang für ein kombiniertes Luxusauto-Geschäft der beiden Autobauer dienen.

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