Was Daimler und Co. droht Warum deutsche Autobauer Trump fürchten müssen

Schaufenster eines VW-Händlers in Boston: Nach dem Abgasskandal könnte es für Händler deutscher Marken noch schwerer werden.

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Mit öffentlichen Aussagen zu Politikern tun sich die Topmanager der Autobranche üblicherweise schwer. Denn Retourkutschen für kritische Bemerkungen können für Autohersteller richtig teuer werden: Verschlechtern sich die Bedingungen für ein Autowerk in einem Land plötzlich massiv, stört das den fein austarierten Produktionsverbund eines Herstellers. Und sollte ein Werk wegen eines Streiks oder einer fehlenden Betriebserlaubnis plötzlich stillstehen, geht der Schaden schnell mal in die Millionen.

Entsprechend handzahm fallen die Aussagen der deutschen Autobosse zur US-Wahl aus: "Ich habe das Ergebnis nicht erwartet", bekannte Daimler-Chef Dieter Zetsche gestern auf dem "Auto-Gipfel" des Handelsblatts. Eine Einschätzung, die Volkswagen-Konzernboss Matthias Müller teilte. Doch man sei gewohnt, sich auf jede neue politische Situation einzustellen.

BMW-Vorstandsvorsitzender Harald Krüger meinte, dass die Außen- und Wirtschaftspolitik des designierten US-Präsidenten Donald Trump noch unklar sei. "Wir brauchen aber den offenen Welthandel, den freien Warenaustausch", erklärte Krüger. Die in South Carolina gebauten BMW-SUVs würden schließlich in der ganzen Welt verkauft.

Die deutschen Topmanager geben sich also genauso pragmatisch wie die US-Demokraten, die Trump reihenweise verbal die Hand reichen und zur Zusammenarbeit auffordern.

Neuer US-Präsident könnte deutsche Importautos deutlich verteuern

Dabei steht für die deutschen Autohersteller viel auf dem Spiel. Für Daimler  und für BMW  sind die USA nach wie vor einer der wichtigsten Märkte. In den vergangenen Monaten hatten beide Luxusautohersteller in dem Markt zu kämpfen: BMW konnte in den ersten zehn Monaten dieses Jahres um 9,6 Prozent weniger Pkw als im Vorjahr verkaufen und hielt bei 297.000 verkauften Autos, Mercedes-Benz kam in den USA auf 277.000 abgesetzte Fahrzeuge - ein Minus von 0,4 Prozent. Hervorragend läuft es in den USA also ohnedies nicht. Und das aktuell ohnedies schwieriges US-Geschäft könnte unter Präsident Trump noch viel schwieriger werden.

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So hat sich Trump in seinen Wahlkampfreden deutlich gegen die internationale Handelsbündnisse Nafta , TTP und TTIP positioniert. Mehrfach hat er damit gedroht, Zölle auf Warenimporte zu erheben und so Industriearbeiter-Jobs in den "Rust Belt" rund um Michigan zurückzubringen. Bislang war in Trumps Tiraden dabei nicht von Europa die Rede - die "Strafzölle" sollten vor Importe aus Mexiko und China gelten. Doch in seinem Buch "Time to get tough" aus dem Jahr 2011 hat er auch schon mal eine generelle 20-prozentige Steuer auf Importgüter vorgeschlagen.

Noch ist noch nicht abzusehen, was Trump von seinen Wahlkampf-Forderungen auch wirklich umsetzt. Doch die Strategieabteilungen der deutschen Autohersteller dürften jetzt schon alle Hände voll zu tun haben. Denn falls Trump die Importe deutlich teurer macht, würde er BMW, Mercedes & Co. empfindlich treffen.

Im vergangenen Jahr hat die deutsche Autobranche Kraftfahrzeuge im Wert von 32,4 Milliarden Euro in die USA exportiert, zeigt eine Zusammenstellung des Münchner ifo-Instituts. Oder etwas anders ausgedrückt: 619.000 Fahrzeuge haben Deutschlands Autohersteller im Jahr 2015 in die USA verschifft. In diesem Jahr waren es laut Zahlen des Automobilindustrie-Verbands VDA 410.000 Fahrzeuge in den ersten neun Monaten. Aktuell geht jedes achte aus Deutschland exportierte Auto in die USA, zeigen die VDA-Statistiken.

Trumps Abneigung gegen Mexiko könnte für Autobranche zum Riesen-Problem werden

Zwar waren zuletzt nicht nur die Zahl der in die USA exportierten Fahrzeuge, sondern auch deren Werte merklich rückläufig. Doch eine Importsteuer der Amerikaner würde die Pkw-Ausfuhren über den Atlantik wohl noch kräftiger einbrechen lassen und auch stark an den Margen der Premiumautohersteller knabbern. Denn besonders profitable Modellreihen wie Mercedes S-Klasse oder der BMW 7er fertigen die Luxusautomarken eben nach wie vor in Deutschland.

So stellt Mercedes in seinem US-Werk in Tuscaloosa, Alabama die größeren SUV-Modelle GLE und GLS her. Seit 2014 produzieren die Schwaben dort auch die C-Klasse für den US-Markt. In BMWs Werk in Spartanburg rollen die SUV-Modelle X3, X4, X5, X6 und ab 2017/18 auch der X7 vom Band. Das ist also nur ein kleiner Teil ihrer Modellpalette. Dennoch erzielte BMW zuletzt rund ein Fünftel seines Umsatzes in den USA, berichtet die Tageszeitung "Die Welt" in Bezugnahme auf eine Analyse der Großbank UBS. Bei Daimler waren es sogar 28 Prozent. Und selbst beim Volkswagen-Konzern, der in den USA schon länger alles andere als gut dasteht, kommen 17 Prozent des Umsatzes aus den 50 US-Bundesstaaten.

Richtig treffen könnte die Autoindustrie aber auch Trumps Abneigung gegen Mexiko. Die Mauer, die Trump im Wahlkampf versprochen hat, ist dabei kein Problem - sondern mögliche Strafzölle. So hat Trump dem US-Autohersteller Ford damit gedroht, einen Strafzoll von 35 Prozent auf "jedes Auto und jeden Lkw und jeden Teil" zu erheben, der in einer Fabrik im südlichen Nachbarland hergestellt wird.

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Der Hintergrund von Trumps bereits im Dezember 2015 getätigten Ansage war damals Fords Ankündigung, ein milliardenteures Autowerk in Mexiko bauen zu wollen. Und Trumps "Strafzoll" bezog sich damals nur auf Unternehmen, die Industriejobs aus den USA nach Mexiko verlagern. Doch später hat er angekündigt, das Freihandelsabkommen NAFTA neu verhandeln zu wollen. Gedroht hat er auch mit einem generellen Einfuhrzoll von 35 Prozent auf in Mexiko gefertigte Produkte.

Beides wäre ein großes Problem für das US-Geschäft der deutschen Autohersteller. Denn sie alle sind derzeit stark in Mexiko engagiert - das Land lockt mit günstigen Arbeitskosten, einer guten geografischen Lage und reichlich Zulieferern vor Ort. Audi hat erst Ende September ein eine Milliarde Dollar teures Werk in Mexiko eröffnet. In San José Chiapa, rund drei Autostunden südlich von Mexiko Stadt, sollen jährlich 150.000 Q5-Geländewagen vom Band rollen. BMWs erstes mexikanisches Werk im Bundesstaat San Luis Potosí soll 2019 in Betrieb gehen.

Daimler will künftig in Mexiko Kompaktfahrzeuge bauen. Dafür investieren die Schwaben eine Milliarde Dollar in eine Fabrik im mexikanischen Aguascalientes, die sie gemeinsam mit Nissan betreiben werden. Und VWs weltweit zweitgrößtes Werk steht in der mexikanischen Stadt Puebla. Laut Medienberichten es hängt zu 60 Prozent von den USA als Exportmarkt ab.

Noch lässt sich nicht abschätzen, wie viele seiner Versprechen Trump tatsächlich wahrmacht. "Es gilt für jede Wahl, dass der Wahlkampf härter ist als das, was hinterher tatsächlich passiert" - so drückte es Daimler-Chef Dieter Zetsche gegenüber dem Handelsblatt aus. Dennoch: Die kommenden Wochen werden für die US-Verantwortlichen der deutschen Autohersteller zur Zitterpartie.

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