Foxconn übernimmt Lordstown-Werk Apple-Partner kauft Elektroautofabrik in den USA

Der weltgrößte Elektronikhersteller forciert seinen Vorstoß in den Automarkt. Nun will Foxconn eine alte Fabrik von General Motors übernehmen – und steigt parallel beim umstrittenen US-Start-up Lordstown ein.
Bekannt für große Sprüche: Wand der Lordstown-Fabrik in Ohio

Bekannt für große Sprüche: Wand der Lordstown-Fabrik in Ohio

Foto: David Dermer / dpa

Der Apple-Partner Foxconn bereitet einen größeren Einstieg ins Geschäft mit Elektroautos vor. Der weltgrößte Elektronikhersteller hat dafür eine Vereinbarung über den Kauf eines großen Montagewerks im US-Bundesstaat Ohio getroffen. Für umgerechnet knapp 200 Millionen Euro wird das taiwanesische Unternehmen die frühere Fabrik von General Motors übernehmen. Bislang gehörte die Fabrik dem schillernden Elektro-Start-up Lordstown Motors, das in den vergangenen Monaten seine geplanten Produktionsziele kassieren und sein Topmanagement austauschen musste.

Der angestrebte Deal gibt Lordstowns neuem Chef Daniel Ninivaggi neue Möglichkeiten, das schlingernde Start-up zu stabilisieren. Der Kapitalbedarf ist so hoch, dass er vor Kurzem erklärte, nicht mal das Überleben der Firma bis zum Ende des Jahres garantieren zu können. Foxconn wird zusätzlich für etwa 50 Millionen Dollar Aktien des Start-ups kaufen. Der Kurs war im Jahresverlauf um 60 Prozent eingebrochen, stieg aber nach Bekanntgabe der Vereinbarung zweistellig.

Für Foxconn, das sich weltweit vor allem einen Namen als Auftragsfertiger für Apples iPhones gemacht hat, ist die Übernahme ein strategischer Schritt. Erste Pläne aus dem Jahr 2017, auch ins E-Auto-Geschäft einzusteigen, waren verschoben worden. Nun wagt Vorstandschef Young Liu (65) einen neuen Vorstoß. Im März hatte das Unternehmen angekündigt, entweder in Mexiko oder in seinem geplanten Werk im US-Bundesstaat Wisconsin auch Elektrofahrzeuge zu produzieren. Young Liu erklärte damals, weltweit zehn Prozent Marktanteil bei Elektrofahrzeugen erreichen zu wollen, indem man Komponenten oder ganze Fahrzeuge herstelle.

Der Konzern, der 2020 rund 181 Milliarden Dollar umsetzte und an der Börse aktuell gut 50 Milliarden Dollar wert ist, entwickelt eine eigene Fahrzeug-Plattform und sicherte sich zudem das Elektroauto-Start-up Fisker als ersten Kunden für die Auftragsfertigung. Mit dem Kauf des US-Werks könne die geplante Produktion nun schneller starten, schrieb Gründer Henrik Fisker (58) bei Twitter.

Im Mai verkündete Foxconn außerdem eine Partnerschaft mit Stellantis, dem viertgrößten Automobilhersteller der Welt (Fiat, Chrysler, Peugeot, Citroen). Die beiden Konzerne planen einen gemeinsam betriebenen Automobilzulieferer, der sich auf Technologien zur besseren Vernetzung von Fahrzeugen konzentriert. Immer wieder gab es zudem auch Gerüchte über eine mögliche Partnerschaft mit Apple. Der US-Konzern arbeitet unter Vorstandschef Tim Cook (60) seit Jahren selbst an der Entwicklung eines Apple-Cars und wäre für die Produktion auf Partner angewiesen. 

Mit der alten GM-Fabrik erhält Foxconn einen weitläufigen Produktionsstandort, an dem mehr als 50 Jahre lang Autos produziert worden waren, bevor das Werk 2019 geschlossen wurde. In der Blütezeit beschäftigte die Fabrik rund 10.000 Mitarbeiter. Lordstown hatte das Werk 2019 für rund 20 Millionen Dollar übernommen und versprochen, die alte Zeit wiederzubeleben. In diesem September sollte mit der Produktion des Elektro-Pickups Endurance begonnen werden. Doch Lordstown hatte Schwierigkeiten, Geld aufzutreiben. Nach Zweifeln an den kommunizierten Produktionszahlen traten im Juni die obersten Führungskräfte zurück, die US-Behörden und die Börsenaufsicht SEC ermittelten.

lhy/AP, dpa
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