E-Auto-Produktion in Valencia Fords Autowerk in Saarlouis droht das Aus

Entscheidung gegen Deutschland: Ford will seine E-Autos künftig im spanischen Valencia fertigen. Dem saarländischen Ford-Werk Saarlouis droht 2025 das Aus. Landesregierung, Betriebsrat und Gewerkschaft sind empört, sie bezichtigen das Management der "Lüge". 3000 Beschäftigte gehen spontan auf die Straße

Ende des Verbrenners: In dem saarländischen Ford-Werk läuft die Produktion des Verbrennermodells Focus im Jahr 2025 aus

Ende des Verbrenners: In dem saarländischen Ford-Werk läuft die Produktion des Verbrennermodells Focus im Jahr 2025 aus

Foto: Oliver Berg/dpa

Rückschlag für das Saarland: Der US-Autobauer Ford hat sich gegen eine Elektroauto-Produktion in seinem Werk in Saarlouis entschieden. Stattdessen soll eine Elektroauto-Plattform in dem Werk im spanischen Valencia entstehen, wie der Konzern am Mittwoch bekannt gab. Am saarländischen Standort mit 4600 Beschäftigten läuft die Fertigung des Verbrennermodells Focus im Jahr 2025 aus. Landespolitiker und Arbeitnehmervertreter hatten gehofft, dass die Jobs danach dank Elektroinvestitionen großteils gesichert sind. Die Entscheidung des Managements macht diese Hoffnung nun zunichte.

Ford-Europachef Stuart Rowley (55) sagte, dass das Votum pro Valencia keine Entscheidung zur Schließung des Standorts in Saarlouis sei. "Wir bemühen uns nun um Wege, um so vielen betroffenen Beschäftigten wie möglich eine Zukunft zu geben." In technischer und strategischer Hinsicht seien beide Standorte gleichauf gewesen, in finanzieller Hinsicht habe Valencia für den Konzern aber Vorteile. Nach der Grundsatzentscheidung stehen in Valencia nun Umstrukturierungen an. Die Investitionssumme und das konkrete Automodell sind noch unklar.

Auf die Frage, ob Saarlouis im Ford-Konzern nach 2025 noch eine Zukunft habe, sagte Rowley, man werde nun eine Taskforce gründen und das weitere Vorgehen mit den Arbeitnehmervertretern und der saarländischen Landesregierung besprechen. Man blicke auf Möglichkeiten, die innerhalb und außerhalb von Ford liegen. Das saarländische Werk steht nun vor einer ungewissen Zukunft. In Fords Europazentrale in Köln sieht es besser aus: Dieser etwa dreimal so große Standort soll mit einer Milliardeninvestition gestärkt werden, wie schon im vergangenen Jahr bekannt wurde.

Habeck sieht Ford in der Verantwortung

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (52, Grüne) sieht Ford in der Verantwortung und sagte: "Ich erwarte von Ford gemeinsam mit dem Betriebsrat, zeitnah konkrete Pläne für die Zukunft des Werks in Saarlouis und seine Beschäftigten auf den Tisch zu legen." Für die vielen Beschäftigten von Ford und für die gesamte betroffene Region sei es nun wichtig, dass es möglichst rasch Klarheit über eine konkrete und belastbare Perspektive für den Standort Saarlouis gebe, so Habeck.

3000 Beschäftigte in Saarlouis protestieren

Aus Protest gegen die Entscheidung des Ford-Managements gingen am Mittwoch rund 3000 Beschäftigte von Ford Saarlouis spontan auf die Straße gegangen. Bei Beschäftigten, Gewerkschaftsvertretern und Politikern, die nach einem Demonstrationszug zur Kundgebung auf der B51 zusammenkamen, herrschten Enttäuschung und Empörung vor. "Das ist keine Beerdigung, das ist eine Kampfansage", sagte Lars Desgranges, erster Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen. Dem Ford-Management warf er "Wortbruch, Lüge, Hinhaltetaktik, Versagen" vor. Der Ford-Betriebsratsvorsitzende Markus Thal sagte: "Wir wurden belogen und betrogen." Er werde das Ergebnis niemals akzeptieren.

"Entscheidung von Ford ist eine Farce"

Die saarländische Landesregierung bezeichnete die Entscheidung des US-Autobauers gegen den Standort Saarlouis als "Farce". "Der Konzern hat sich für das wirtschaftlich schlechtere Angebot entschieden", teilten Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Wirtschaftsminister Jürgen Barke (beide SPD) am Mittwoch mit. "Nach allem, was wir wissen, können wir selbstbewusst sagen: Der Standort Saarlouis liegt unter dem Strich deutlich vorn. So drängt sich der Eindruck auf: Das Verfahren war nie fair."

Ford habe mit dem Wettbewerb zwischen Valencia und Saarlouis die Belegschaften gegeneinander ausgespielt, um die Zitrone noch etwas mehr auszupressen. "Das ist schäbig", erklärten Rehlinger und Barke. Die Landesregierung werde aber trotzdem für die Arbeitsplätze kämpfen. Ford habe "die Zukunft verschlafen".

mg, rei/dpa-afx, DPA