Produktion des C-Max läuft aus Ford will massiv Jobs in Saarlouis abbauen

Der US-Autokonzern Ford verhandelt mit Arbeitnehmervertretern über einen Stellenabbau im Werk Saarlouis. Die dortige Produktion des Modells C-Max soll eingestellt werden. Politiker an der Saar sind bestürzt. Ford hat in Saarlouis rund 6300 Beschäftigte.
Ford: Der Autohersteller plant an seinem zweitgrößten deutschen Produktionsstandort in Saarlouis einen Jobabbau

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Am zweitgrößten deutschen Produktionsstandort des Autoherstellers Ford  zeichnet sich ein deutlicher Stellenabbau ab. Wie viele Arbeitsplätze in dem traditionsreichen Werk wegfallen, ist noch nicht sicher. Es sei noch nichts beschlossen, sagte eine Unternehmenssprecherin in Köln. Politiker an der Saar reagierten bestürzt.

Ford habe in den ersten drei Quartalen dieses Jahres in Europa Verluste eingefahren und wolle zurück in die Gewinnzone, sagte die Sprecherin. Mit dem Betriebsrat werde nun über die nächsten Schritte verhandelt. Bei einer Betriebsversammlung seien die Mitarbeiter über diese Verhandlungen informiert worden.

manager-magazin.de hatte bereits im August berichtet, dass in den deutschen Ford-Werken Stellenstreichungen bevorstehen könnten. Bereits im Sommer hatten sich hochrangige Ford-Manager sehr unzufrieden mit der Situation in Europa gezeigt und erklärt, dass etwa der in Deutschland gebaute Minivan C-Max die Erwartungen nicht erfülle.

Produktion des C-Max läuft aus

Genau bei diesem Modell will Ford nun ansetzen: Im Werk Saarlouis mit insgesamt rund 6300 Beschäftigten laufe im kommenden Jahr die Produktion des C-Max aus, sagte die Sprecherin. Das Modell werde nicht neu aufgelegt, der Absatz sinke seit Jahren. Denkbar sei dann ein Betrieb mit zwei statt drei Schichten wie bisher. Eine Schicht entspreche rund 1600 Mitarbeitern.

400 Beschäftigte verließen das Unternehmen sowieso Ende des Jahres in den Ruhestand. Zudem liefen 500 Leiharbeitsverträge, die zum Start der neuen Focus-Produktion Mitte 2018 geschlossen worden seien, Mitte 2019 aus. Über 600 weitere Beschäftigte gingen in den kommenden Monaten in den Ruhestand oder könnten in Altersteilzeit gehen. "Da werden sozialverträgliche Lösungen gefunden", sagte die Sprecherin.

Ford ist zweitgrößter saarländischer Industriebetrieb

Im Saarlouis sprachen Politiker von einem "schweren Schlag" durch den geplanten Personalabbau. Ford als zweitgrößter saarländischer Industriebetrieb sichere die finanzielle Existenz vieler Familien. "Wichtig ist, dass die Betroffenen eine Perspektive bekommen, durch Vorruhestandsregelungen oder Weiterbildungsmöglichkeiten", erklärte der industriepolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine kritisierte, das Land habe große Anstrengungen unternommen, um die Bedingungen für das Werk Saarlouis zu verbessern. "Bedauerlich ist, dass mit der Beendigung von 500 Leiharbeitsverträgen die Leiharbeiter, also die Schwächsten der Belegschaft, wieder als erste die Entscheidungen der Ford Motor Company ausbaden müssen."

Ford steht weltweit drastisches Sparprogramm bevor - die Details sind aber noch offen

Ford-Vorstandschef Jim Hackett hatte ein massives Sparprogramm angekündigt, die Kosten bei dem Konzern sollen drastisch sinken. Nach früheren Berichten plant Ford Kostensenkungen in Höhe von 14 Milliarden Dollar. Allerdings wolle Ford die konkreten Maßnahmen dafür erst im zweiten Quartal 2019 verkünden. Fords Konkurrent General Motors hatte jedoch Ende November die Schließung mehrerer US-Werke angekündigt. Das setzt Ford nun unter Druck, seine Sanierungspläne doch schon etwas früher bekanntzugeben.

Die nun zugegebenen Jobabbaupläne in Deutschland dürften da nur die Vorhut sein. Der US-Autobauer tut sich vor allem international schwer und hatte auch von zusätzlichen Belastungen durch den Zollstreit zwischen den USA und Handelspartnern wie China und der EU gesprochen.

In Europa verzeichnete Ford im dritten Quartal einen Verlust von 245 Millionen Dollar, auch für das Gesamtjahr erwartet der Autobauer rote Zahlen. Belastet haben Ford zuletzt ungünstige Wechselkurse und sinkende Gewinne in der Türkei und Russland. Auch der Produktionsanlauf des neuen Focus verursachte höhere Kosten.

In Deutschland jedoch stiegen die Absatzzahlen laut Ford-Angaben zuletzt leicht. Allerdings gilt Fords aktuelle Modellpalette in Europa nicht gerade als zukunftsträchtig. Es mangelt nach wie vor an zugkräftigen SUV-Modellen: Das kompakte Crossover-Modell Ecosport und der SUV Edge sind eher auf amerikanische Bedürfnisse zugeschnitten. Die kleineren SUV-Modelle sind wenig mehr als höhergelegte Kleinwagen. In den USA will Ford in Zukunft stark auf das SUV-Segment setzen - das dürfte sich wohl auch bald in der europäischen Modellpalette niederschlagen.

Was den deutschen Fordianern bislang fehlt, sind jedoch klare Bekenntnisse aus den USA zur Fertigung von SUV-Modellen in Deutschland. Bisher fertigt Ford seine SUV-Modelle für den europäischen Markt in Spanien und Rumänien.

Deshalb dürften sich auch die Ford-Mitarbeiter in den beiden Kölner Werken Sorgen um die Zukunft machen. Denn bei Problemen im Europageschäft griff die US-Führung in der Vergangenheit eher schnell und hart durch. Im Jahr 2013 hat der US-Autohersteller zwei kleinere Werke in Großbritannien geschlossen, Ende 2014 machte Ford sein Werk im belgischen Genk dicht. Insgesamt verloren damals 5800 Ford-Mitarbeiter ihre Jobs.

Zuletzt tauchten auch mehrfach Gerüchte auf, dass Ford einen Komplettrückzug aus Europa in Erwägung ziehe oder sich einen starken Partner suchen wolle. Bei Nutzfahrzeugen kooperiert Ford bereits mit Volkswagen, beide Hersteller wollen gemeinsam Transporter in Europa fertigen. Eine Zusammenarbeit im Pkw-Bereich schloss Volkswagen bislang aus.

rei/wed/dpa/Reuters
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