US-Führung mit Europa-Ergebnissen unzufrieden Ford droht in Deutschland ein heißer Herbst

Vom neuen Focus erhofft sich Ford in Europa gute Geschäfte - doch mittelfristig setzt der Konzern auf SUVs

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Die Schelte des Firmenchefs war deutlich. "Extrem unzufrieden" sei er mit den Leistungen seines Unternehmens in Europa, erklärte Ford-Boss Jim Hackett vor einigen Tagen. Der Grund von Hacketts harten Worten: Ford hat in Europa im zweiten Quartal einen Verlust von 73 Millionen Dollar vor Steuern eingefahren. Auch im Gesamtjahr, so gab der US-Autohersteller bekannt, rechne man für Europa mit roten Zahlen. Im Jahr 2017 stand hingegen noch ein Gewinn von 234 Millionen Dollar (rund 200 Millionen Euro) in den Büchern.

Die Hauptschuld daran, so machte Fords Vertriebschef Jim Farley laut einem Bericht der Fachzeitung Automotive News deutlich, tragen ungünstige Wechselkursraten, vor allem beim britischen Pfund. Der Plan der Briten, die EU zu verlassen, hat den Kurs der britischen Währung auf Talfahrt geschickt. Für Ford ist Großbritannien der größte europäische Markt, das schwache Pfund trifft den US-Autohersteller deshalb besonders stark.

Drehen will Ford die Situation nun, indem sich der Autohersteller stärker auf das Geschäft mit Nutzfahrzeugen konzentriert. Zudem will Ford in Europa sein Angebot an SUV-Modellen ausbauen - da sind die Amerikaner bislang noch eher schwach aufgestellt.

Minivan C-Max auf dem Prüfstand

Vor einigen Monaten erklärte Ford, den Bau von Limousinen in den USA drastisch zu reduzieren. Für Europa soll das so nicht zutreffen - allerdings verdichten sich nun die Hinweise, dass Ford in Europa ein Modell streicht, das bislang in Deutschland gebaut wird. Ford-Finanzchef Bob Shanks nannte explizit den Minivan C-Max als eines der Modelle, die nicht die Erwartungen erfüllen. Das ist ein deutlicher Fingerzeig darauf, dass Ford das Modell bald vom Markt nehmen könnte.

Solche Ansagen aus den USA lassen in Deutschland die Alarmglocken schrillen. Der US-Autohersteller baut seit 87 Jahren in Köln Fahrzeuge, an den beiden Hauptstandorten in Köln und Saarlouis arbeiten mehr als 20.000 Mitarbeiter. In Deutschland ist Ford nach VW, Mercedes und BMW die viergrößte Automarke, im ersten Halbjahr 2018 kam Ford bei Pkws auf einen Marktanteil von 7,2 Prozent.

Offiziell herrscht noch sommerlicher Werksferien-Friede

In Köln baut Ford ausschließlich den Kleinwagen Fiesta für den europäischen Markt, im Saarlouis laufen der Kompaktwagen Focus und zwei Versionen des Minivans C-Max vom Band. Allzu hoch sind die Produktionszahlen des C-Max im Saarland nicht: Laut Auskunft eines Pressesprechers liegt die aktuelle Produktionskapazität für den C-Max bei 350 Modellen pro Tag, vom Focus können pro Tag 1400 Stück vom Band laufen.

Bis Mitte August sind bei Ford in Deutschland noch Werksferien, auch deshalb herrscht offiziell noch Sommerfriede. Auf Nachfrage von manager-magazin.de teilte Ford mit, derzeit "keine Veränderung unseres Fahrzeugangebots" zu planen. Zukünftige Produktpläne kommentiere man nicht öffentlich.

Deutscher Markt macht Rückgänge in Großbritannien nicht wett

Die Strategie in Europa sei darauf ausgerichtet, weiterhin Kosten zu senken. Ziel sei es, langfristig eine Profit-Marge von 6 Prozent zu erreichen. Man wolle sich ungern an Spekulationen beteiligen, heißt es von Seiten des Betriebsrats. Aktuell gebe es aber "keine Beratung oder Gespräche zu einer Restrukturierung", stellt Gesamtbetriebsratschef Martin Hennig auf Nachfrage von manager-magazin.de klar.

Natürlich arbeite das Management an der Verbesserung der Kosten, erklärt Henning. Doch aktuell habe man ein ausgewogenes Fahrzeug-Portfolio und eine gute Auslastung. Das dürfte rein für den deutschen Markt stimmen: Zuletzt hat Ford in Deutschland seinen Marktanteil auch im Nutzfahrzeugbereich ausgebaut. Im ersten Halbjahr stiegen die Verkäufe um 5,7 Prozent und damit überdurchschnittlich, erläutert die Pressestelle.

Doch die Absatzrückgänge in Großbritannien macht das nicht wett. In der Vergangenheit hat Ford bei Problemen in Europa schnell und hart reagiert: Im Jahr 2013 hat der US-Autohersteller zwei kleinere Werke in Großbritannien geschlossen, Ende 2014 machte Ford sein Werk im belgischen Genk dicht. Insgesamt verloren damals 5800 Ford-Mitarbeiter ihre Jobs.

Fords deutsche Werke haben Kosten- und Krankenstandsprobleme

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Ob die Ford-Führung in Europa diesmal eine ähnliche Sanierungstaktik fährt, ist noch nicht abzusehen. Bislang ist nur klar, dass Ford ein Getriebewerk in Frankreich verkaufen will. Doch trotz guter Auslastung ist auch in den deutschen Werken nicht alles im Reinen. So hat Ford hierzulande offenbar ein Kostenproblem, wie Betriebsratschef Hennig selbst in der jüngsten Ausgabe von "IG Metall@Ford" schreibt.

Bei steigenden Marktanteilen und besseren Verkaufspreisen müssten die Gewinne eigentlich sprudeln, "Leider nein, denn die Kosten fressen fast alles wieder auf," schreibt Hennig. Noch sei unklar, wo genau diese entstehen. Die "eigenartige Systematik, die von unserer Finanzabteilung eingesetzt wird, verhindert einen echten Gesamtkostenüberblick", kritisiert Hennig.

Der Betriebsrat habe deshalb gemeinsam mit der deutschen Geschäftsleitung eine Initiative zur Sicherung der Standorte gestartet. Damit werden "viele Veränderungen verbunden sein", so Hennig, "von uns allen wird höchste Flexibilität verlangt". "Wir müssen uns alle gemeinsam diesen Herausforderungen stellen und aktiv für den Erhalt unserer Standorte arbeiten", schreibt Hennig.

Das klingt dann doch danach, als würde auch in Deutschland ein Umbau samt möglicher Jobverlusten bevorstehen. Zumal die deutschen Werke durchaus fürchten müssen, im Branchenvergleich bei einer anderen wichtigen Kennzahl nicht gut dazustehen. Aus dem Umfeld des Unternehmens erfuhr manager-magazin.de etwa, dass es etwa im Stammwerk Köln die Krankenstände deutlich höher liegen als in anderen Autowerken.

Deutschen Werken fehlt Zusagen für SUV-Modelle

Bei der letzten Betriebsversammlung vor den Sommerferien fasste dies Deutschland-Geschäftsführer Gunnar Herrmann in klare Zahlen: In Köln liege die Abwesenheitsquote bei 11,8 Prozent - und damit doppelt so hoch als im Branchenschnitt, den Herrmann für die von der IG Metall erfassten Betriebe mit 5,4 Prozent angab.

Im ersten Halbjahr sank die Umsatzrendite in den deutschen Werken offenbar auf nur 1,3 Prozent - und ist damit weit entfernt vom langfristigen Ziel von 6 Prozent, das die US-Führung für Europa ausgegeben hat. Zwar steckt Ford weiterhin Geld in seine deutschen Standorte: Im vergangenen Jahr investierte Ford nach Unternehmensangaben 300 Millionen Euro in die Fertigung des aktuellen Ford Fiesta. In Saarlouis läuft seit Mai die neueste Focus-Generation vom Band, in die der Konzern 600 Millionen Euro steckte - und von der sich Ford deutlich steigende Absatzzahlen auch außerhalb Deutschlands erhofft.

Was allerdings fehlt, sind klare Bekenntnisse aus den USA zur Fertigung von SUV-Modellen in Deutschland - denn auf diese boomende Fahrzeuggattung will Ford künftig auch in Europa viel stärker setzen. "Die Entwicklungs- und Produktionspläne zeigen nichts, was über die aktuellen Fiesta- und Focus-Modelle hinausweisen würde", kritisiert etwa Betriebsratschef Hennig in "IG Metall@Ford". SUVs und Crossover-Fahrzeuge für den europäischen Markt stellt Ford bislang nur in seinen Werken in Spanien und Rumänien her - in Russland werden vor allem Fahrzeuge für den dortigen Markt gefertigt.

Auch das weist darauf hin, dass den deutschen Ford-Mitarbeitern ein heißer Herbst bevorstehen könnte.

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