Donnerstag, 24. Oktober 2019

US-Führung mit Europa-Ergebnissen unzufrieden Ford droht in Deutschland ein heißer Herbst

Vom neuen Focus erhofft sich Ford in Europa gute Geschäfte - doch mittelfristig setzt der Konzern auf SUVs

2. Teil: Fords deutsche Werke haben Kosten- und Krankenstandsprobleme

Ob die Ford-Führung in Europa diesmal eine ähnliche Sanierungstaktik fährt, ist noch nicht abzusehen. Bislang ist nur klar, dass Ford ein Getriebewerk in Frankreich verkaufen will. Doch trotz guter Auslastung ist auch in den deutschen Werken nicht alles im Reinen. So hat Ford hierzulande offenbar ein Kostenproblem, wie Betriebsratschef Hennig selbst in der jüngsten Ausgabe von "IG Metall@Ford" schreibt.

Bei steigenden Marktanteilen und besseren Verkaufspreisen müssten die Gewinne eigentlich sprudeln, "Leider nein, denn die Kosten fressen fast alles wieder auf," schreibt Hennig. Noch sei unklar, wo genau diese entstehen. Die "eigenartige Systematik, die von unserer Finanzabteilung eingesetzt wird, verhindert einen echten Gesamtkostenüberblick", kritisiert Hennig.

Der Betriebsrat habe deshalb gemeinsam mit der deutschen Geschäftsleitung eine Initiative zur Sicherung der Standorte gestartet. Damit werden "viele Veränderungen verbunden sein", so Hennig, "von uns allen wird höchste Flexibilität verlangt". "Wir müssen uns alle gemeinsam diesen Herausforderungen stellen und aktiv für den Erhalt unserer Standorte arbeiten", schreibt Hennig.

Das klingt dann doch danach, als würde auch in Deutschland ein Umbau samt möglicher Jobverlusten bevorstehen. Zumal die deutschen Werke durchaus fürchten müssen, im Branchenvergleich bei einer anderen wichtigen Kennzahl nicht gut dazustehen. Aus dem Umfeld des Unternehmens erfuhr manager-magazin.de etwa, dass es etwa im Stammwerk Köln die Krankenstände deutlich höher liegen als in anderen Autowerken.

Deutschen Werken fehlt Zusagen für SUV-Modelle

Bei der letzten Betriebsversammlung vor den Sommerferien fasste dies Deutschland-Geschäftsführer Gunnar Herrmann in klare Zahlen: In Köln liege die Abwesenheitsquote bei 11,8 Prozent - und damit doppelt so hoch als im Branchenschnitt, den Herrmann für die von der IG Metall erfassten Betriebe mit 5,4 Prozent angab.

Im ersten Halbjahr sank die Umsatzrendite in den deutschen Werken offenbar auf nur 1,3 Prozent - und ist damit weit entfernt vom langfristigen Ziel von 6 Prozent, das die US-Führung für Europa ausgegeben hat. Zwar steckt Ford weiterhin Geld in seine deutschen Standorte: Im vergangenen Jahr investierte Ford nach Unternehmensangaben 300 Millionen Euro in die Fertigung des aktuellen Ford Fiesta. In Saarlouis läuft seit Mai die neueste Focus-Generation vom Band, in die der Konzern 600 Millionen Euro steckte - und von der sich Ford deutlich steigende Absatzzahlen auch außerhalb Deutschlands erhofft.

Was allerdings fehlt, sind klare Bekenntnisse aus den USA zur Fertigung von SUV-Modellen in Deutschland - denn auf diese boomende Fahrzeuggattung will Ford künftig auch in Europa viel stärker setzen. "Die Entwicklungs- und Produktionspläne zeigen nichts, was über die aktuellen Fiesta- und Focus-Modelle hinausweisen würde", kritisiert etwa Betriebsratschef Hennig in "IG Metall@Ford". SUVs und Crossover-Fahrzeuge für den europäischen Markt stellt Ford bislang nur in seinen Werken in Spanien und Rumänien her - in Russland werden vor allem Fahrzeuge für den dortigen Markt gefertigt.

Auch das weist darauf hin, dass den deutschen Ford-Mitarbeitern ein heißer Herbst bevorstehen könnte.

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