Mittwoch, 27. Mai 2020

Kosten laufen aus dem Ruder Ford-Aktie bricht nach Zahlen ein

Ford Explorer: Die verpfuschte Markteinführung eines neuen Modells, hohe Garantiekosten auch bei anderen Modellen und milliardenschwere Pensionslasten haben Ford das Jahr 2019 viel Geld gekostet. Der Konzerngewinn brach im Gesamtjahr um rund 3,6 Milliarden Dollar ein.

Hohe Sonderkosten haben den US-Autoriesen Ford Börsen-Chart zeigen zum Jahresende tief in die roten Zahlen gebracht. Im vierten Quartal fiel ein Konzernverlust von 1,7 Milliarden US-Dollar (1,5 Milliarden Euro) an, teilte Ford am Dienstag nach US-Börsenschluss mit. Der Umsatz fiel um 5 Prozent auf 39,7 Milliarden Dollar.

Damit droht der Autobauer im Vergleich zur internationalen Konkurrenz weiter zurückzufallen. Experten sprechen angesichts der Umbrüche in der Branche inzwischen von einem "Last Man Standing"-Szenario, nach dem nur sehr wenige große Hersteller die Transformation ins Elektrozeitalter überstehen werden. Das Endgame der Autoindustrie hat begonnen.

Im Gesamtjahr 2019 brach der Ford-Gewinn um mehr als 3,6 Milliarden Dollar auf nur 49 Millionen Dollar ein. Schwächere Verkäufe in den USA, die Kosten für eine verpfuschte SUV-Einführung und erhebliche Sonderlasten für Pensionen drückten das Konzernergebnis drastisch.

Allein im vierten Quartal musste Ford 2,2 Milliarden Dollar für einmalige Pensionskosten verbuchen. Davor hatte Ford die Anleger zwar gewarnt, dennoch fiel das Ergebnis schwächer als erwartet aus. Ein pessimistischer Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2020 vermieste Anlegern zusätzlich die Stimmung.

Die Aktien von Ford fielen um zehn Prozent auf ein Zwölf-Monats-Tief von 8,26 Dollar und steuern auf den größten Tagesverlust seit neun Jahren zu.


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Ford-Chef Jim Hackett räumte in einer Telefonkonferenz mit Analysten ein, dass das Unternehmen hinter seinen Erwartungen für das Jahr zurückblieben sei. Der Manager machte für den Rückgang in erster Linie die verpatzte Markteinführung des neuen Ford Explorer-SUV in seinem Werk in Chicago verantwortlich. Die neuen Fahrzeuge liefen mit zahlreichen Problemen vom Band und mussten zur Reparatur in ein Werk in der Nähe von Detroit verschifft werden.

Hackett verwies auch auf die im Laufe des Jahres gestiegenen Garantiekosten, insbesondere für ein fehlerhaftes Sechsgang-Automatikgetriebe im Kompaktwagen Ford Focus.

Für 2020 rechnet der Konzern mit einem operativen Gewinn je Aktie von 94 Cent bis 1,20 Dollar. Analysten hatten bislang 1,26 Dollar je Anteilschein erwartet.

rei/kn mit Nachrichtenagenturen

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