Wirtschaftskrise setzt Automarkt zu Ford stellt Produktion in Brasilien ein

Historischer Schritt in schwieriger Lage: Der US-Autobauer Ford hat vielerorts schwer zu kämpfen, auch im krisengeschüttelten Brasilien. Dort beendet er nun seine Produktion vollständig - kurz nach einem runden Jahrestag.
Inzwischen geschlossenes Ford-Werk in Brasilien: Der Autobauer sagt dem Land in Südamerika adieu

Inzwischen geschlossenes Ford-Werk in Brasilien: Der Autobauer sagt dem Land in Südamerika adieu

Foto: Bruno Rocha / dpa

Der zweitgrößte US-Autobauer Ford streicht sein kriselndes Geschäft in Südamerika zusammen. Der Konzern kündigte am Montag die historische Entscheidung an, nach rund 100 Jahren Präsenz und zuletzt jahrelangen Verlusten die Produktion in Brasilien einzustellen und dort seine drei noch verbleibenden Werke zu schließen. Dies werde zu Abschreibungen in Höhe von rund 4,1 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) vor Steuern führen. Vorstandschef Jim Farley (58) sprach in einer Mitteilung von einer "sehr schweren, aber notwendigen" Entscheidung.

Brasiliens Wirtschaftsministerium bedauerte die Entscheidung von Ford. Diese stehe im Widerspruch zu der starken Erholung, die in den meisten Industriezweigen des Landes zu beobachten sei.

Allerdings kommt diese Erholung nach einer schweren Wirtschaftskrise, durch die Brasilien in den vergangenen Jahren gegangen ist. Nach rasantem Wachstum in den Nullerjahren kam mit dem Beginn des vergangenen Jahrzehnts bereits die Ernüchterung, allerdings seinerzeit noch auf vergleichsweise hohem Niveau. Spätestens ab 2015 rutschte Brasilien jedoch in eine Rezession, die alle Bereiche der breit gefächerten Wirtschaft des Landes traf. Begleitet wurde der Niedergang der Wirtschaft zudem von politischen Problemen mit Unzufriedenheit und Protesten im ganzen Land.

Die Auswirkungen auf den Automarkt des 200-Millionen-Einwohner-Landes waren dramatisch: In den Jahren 2012 und 2013 wurden in Brasilien Daten von Statista zufolge noch jeweils etwa 3,8 Millionen Autos verkauft. Bis 2016 sank diese Zahl auf wenig mehr als zwei Millionen.

Darunter hatte selbstverständlich auch Ford zu leiden. Nach einem Bericht des brasilianischen Nachrichtenportals "G1" sind von den aktuellen Schließungsplänen des US-Konzerns Tausende Mitarbeiter betroffen. Die Werke in Camaçari im Bundesstaat Bahia und Taubaté im Bundesstaat Sao Paulo sollen sofort geschlossen werden, die Produktion der Sparte Troller in Horizonte im Bundesstaat Ceará soll noch einige Monate weitergehen. Die Metallarbeitergewerkschaften von Taubaté und Camaçari riefen für Dienstag zu Demonstrationen auf.

Ford hat international schon länger Schwierigkeiten und verdiente zuletzt nur noch Geld im US-Heimatmarkt. Neben Europa ist Südamerika für das US-Unternehmen ein großes Problemgebiet, im vergangenen Quartal fiel dort ein Betriebsverlust von 108 Millionen Dollar an.

Ford verdient in Südamerika kein Geld mehr

In Brasilien verkaufte Ford im vergangenen Jahr nach Daten des Nationalen Verbandes der Kraftfahrzeughersteller (Anfavea), auf den sich "G1" beruft, 119.454 Autos - ein im Vergleich zum gesamten Automobilsektor in Brasilien in dem Jahr überdurchschnittlicher Rückgang um 39,2 Prozent im Vergleich zu 2019. Sein regionales Hauptquartier in Sao Paulo will Ford nach eigenen Angaben behalten, auch der Kundenservice und die Vertriebsaktivitäten in Südamerikas größter Volkswirtschaft sollen erhalten bleiben, die Fahrzeuge künftig vor allem aus Argentinien und Uruguay importiert werden.

2019 hatte der Autohersteller bereits sein mit mehr als 50 Jahren ältestes Werk in Brasilien in Sao Bernardo do Campo im Großraum Sao Paulo geschlossen. Ford war unter anderem auch vor Volkswagen der erste große Autobauer in Brasilien und feierte 2019 sein 100-jähriges Jubiläum in dem Land. Die Stadt Fordlândia im Bundesstaat Pará, benannt nach US-Autokönig Henry Ford, erinnert bis heute an dessen Versuch aus den 1920er-Jahren, von den Kautschuklieferungen aus Asien unabhängiger zu werden und im Amazonas-Gebiet Plantagen anzulegen. Das Vorhaben erwies sich als Flop, Ford zog sich 1945 wieder zurück.

cr/dpa-afx
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