US-Autoriesen werfen Limousinen aus Portfolio Ford kappt Auto-Wurzeln in den USA - GM könnte folgen

Mittelklasselimousine Ford Fusion: Auch sie soll keinen Nachfolger mehr erhalten

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Eigentlich hatte der neue Ford-Chef Jim Hackett Investoren jüngst durchaus Erfreuliches zu berichten: Sein harter Sparkurs zeigt Wirkung, zu Jahresbeginn ist der Quartalsgewinn beim zweitgrößten US-Autohersteller um neun Prozent auf um 1,74 Milliarden Dollar gestiegen. Daraus zieht Hackett eine ungewöhnliche Konsequenz: Er verschärft den Sparkurs bei Ford nochmals kräftig und verspricht Investoren entschlossene Maßnahmen zur Renditesteigerung.

Dafür verabschiedet sich Hackett von einer Fahrzeug-Bauform, die Ford über die Jahrzehnte großgemacht hat: Der traditionellen Limousine. In den USA, wo vor allem Pick-up-Trucks und SUV's gefragt sind, wird Ford  künftig nicht mehr in die Entwicklung traditioneller Limousinen wie etwa dem Fusion, der Basis für Fords Europamodell Mondeo, investieren.

Zwar hat Ford angekündigt, dass der 2015 runderneuerte Mondeo weiterhin Kern seines Modellangebots in Europa bleiben soll. Doch die Chancen für eine neue Generation des Mittelklassewagens sehen Branchenkenner eher skeptisch. Die einzigen Limousinenmodelle, die in die nächste Generation gehen, sind der neue Mustang und der Focus Active Crossover. Beide Wagen sollen 2019 auf den Markt kommen.

Chrysler ist schon seit zwei Jahren limousinenfrei

Ford-Chef Jim Hackett sprach von einer "grundlegenden Neuorientierung" des Konzerns. "Wir werden den gesunden Teil unserer Geschäfte hegen und pflegen." Von Randbereichen werde sich Ford dagegen trennen. Der zweitgrößte US-Hersteller nach General Motors  (GM) steht schon länger unter Druck von Investoren, die Produktpalette anzupassen und profitabler zu werden - genau dafür war Hackett vor knapp einem Jahr geholt worden.

Ganz überraschend kommt Fords Abkehr vom Stufenheck in seinem Heimatmarkt nicht, der Schritt hatte sich schon seit Monaten angekündigt. Dennoch ist er eine Zäsur für den Hersteller: Seit seinem ersten Bestseller Model T galt die Marke mit dem blauen Oval als Hersteller für die breite Masse. Und ihr Erfolg gründete sich - neben den Pickup-Trucks - jahrzehntelang auf große, vergleichsweise günstige Limousinen.

Doch Limousinen sind in den USA nicht nur bei Ford ein Auslaufmodell. So hat die dritte große US-Marke Chrysler, die zum FCA-Konzern gehört, vor knapp zwei Jahren den Bau von Limousinen komplett eingestellt - da die letzte Limousinenhoffnung von Chrysler, das Modell 200, am Markt nicht ankam. Seitdem konzentriert sich Chrysler ziemlich erfolgreich auf Pickups und SUVs, Chrysler baut mit dem Pacifica noch einen Minivan-Bestseller.

Warum GM (noch) nicht den Limousinen-Abschied einläutet

Auch beim großen Ford-Konkurrenten General Motors stehen Limousinen wohl schon länger auf der Streichliste - auch wenn der Konzern dies offiziell nicht zugeben will. Man sehe bei Limousinen Chancen, wo jetzt ein weiterer Konkurrent wegfalle, verlautete ein hochrangiger GM-Manager nach Fords Ankündigung.

Immerhin hat GM im vergangenen Jahr noch 2 Millionen Limousinen in den USA verkauft. GMs Kompakt-Limousine Chevrolet Sonic und der Mittelklassewagen Impala sollen jedoch vor dem Aus stehen, heißt es in US-Fachberichten.

Das verstehen manche aber als Flurbereinigung. Aktuell biete Chevrolet in den USA sieben Limousinenmodelle an. Das gebe der Markt einfach nicht mehr her, heißt es etwa bei "Detroit News ".

Der Rückzug der US-Autohersteller aus dem Limousinenbau in ihrer Heimat hat handfeste Kostengründe. Denn in der Faustregel, dass größere Autos auch größere Renditen abwerfen.

Die weltweit wachsende Beliebtheit ausladender Modelle mit hoher Sitzposition, viel Platz für Passagiere und Gepäck und allerlei teurer technischer Ausstattung spielt den Herstellern in die Hände und bringt Geld für die Erforschung von Zukunftstechnologien wie dem automatisierten Fahren in die Kasse.

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Da lässt sich der schrittweise Abschied von den eigenen Wurzeln den eigenen Investoren schlüssig erklären. In China sind Limousinen nach wie vor beliebt - auch wenn SUVs deutlich in der Gunst aufholen. Deshalb halten die meisten US-Hersteller im Reich der Mitte an der Limousinen-Bauform fest.

Modellwechsel verursachen hohe Kosten bei GM

GM ließ sich seine Umstellung der Modellpalette zuletzt einiges kosten: Im Startquartal 2018 brach GMs Nettogewinn um fast 60 Prozent auf 1,05 Milliarden Dollar ein. Der Modellwechsel bei Kleinlastern mit offener Ladefläche führte zu Produktions- und Umsatzrückgängen. 2018 dürfte der Gewinn weitgehend stagnieren, bekräftigte GM. Ab 2019 sollen die neuen Modelle dann für Schub sorgen.

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Ford hat die Kosten seines Limousinen-Abschieds noch nicht genauer beziffert - dafür aber neue Sparwünsche ausgegeben. Bis 2022 sollen 25,5 Milliarden Dollar eingespart werden, bislang lag das Ziel bei 14 Milliarden Dollar. Bis 2020 will Ford laut Finanzchef Bob Shanks weltweit eine Gewinnspanne von acht Prozent erreichen - zwei Jahre früher als bislang geplant. Zuletzt hatte der Wert bei 5,2 Prozent gelegen, Ford führte dafür auch gestiegene Rohstoffkosten an.

Ob der radikale Schnitt bei den Limousinen Fords Renditeprobleme behebt, muss sich noch zeigen. Limousinen wurden in den USA aber in den vergangenen Jahren unbeliebter - quer über alle Marken verkauften sie sich merklich schlechter als SUVs oder Pickup-Kleinlaster.

mit Material von Reuters, dpa
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