Neuorganisation des US-Konzerns Ford spaltet sich in zwei Unternehmen auf

Konzernchef Jim Farley baut den US-Konzern radikal um. Künftig sollen die Elektroautos und das Verbrennergeschäft in zwei eigenständigen Einheiten agieren, mit eigenen Geschäftszahlen – aber unter dem Ford-Dach.
Abspalter: Ford-Chef Jim Farley

Abspalter: Ford-Chef Jim Farley

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REBECCA COOK / REUTERS

"Wir starten eine der größten Transformationen der globalen Autoindustrie. Punkt." Mit diesen Worten eröffnete Ford-Chef Jim Farley (59) am Mittwoch das Werbevideo , mit dem er und andere Führungskräfte den radikalen Umbau des Autobauers erklären. Im Kern: Der US-Konzern spaltet sich in zwei Unternehmen auf: Elektroautos und klassische Verbrenner sollen künftig in getrennten Geschäftsbereichen agieren, mit eigenen Führungskräften und eigenen Berichtslinien. Das Elektrogeschäft organsisiert sich künftig unter dem Namen "Ford Model e"; die Verbrenner werden unter dem Dach von "Ford Blue" geführt.

Schon ab 2023 sollen die beiden Einheiten eigene Gewinn- und Verlustrechnungen vorweisen. So soll es für Investoren einfacher werden, das Geschäft zu bewerten. Ziel sei es "wieder ein wirklich großartiges, weltveränderndes Unternehmen zu werden, und dazu werden wir uns fokussieren. Wir gehen 'all-in' und schaffen getrennte aber komplementäre Geschäftsbereiche", kündigte Konzernvorstandschef Farley an. Die beiden neuen Eeinheiten sollen eigenständig operieren, aber relevante Technologien teilen, um Skaleneffekte zu nutzen.

Es ist ein radikaler Umbau. Die Investoren begrüßten die Pläne, die Aktie legte nach der Ankündigung deutlich zu.

Ford Blue soll das Portfolio um klassische Verbrenner ausbauen und weiterentwickeln, allen voran den Pick-up F-150, das meistverkaufte Auto in den USA. Die Sparte soll sich um die komplette Hardware und die Fabriken für den künftigen Gesamtkonzern kümmern. Ford Mach e soll neben den Elektromodellen (Mustang Mach-E, F-150 Lightning und GT) auch das Software- und Dienstleistungsgeschäft für den Gesamtkonzern vorantreiben.

Allein in diesem Jahr will Farley rund fünf Milliarden Dollar in das Elektrosegment stecken und bis 2026 weltweit mehr als zwei Millionen E-Fahrzeuge pro Jahr verkaufen. Das würde rund einem Drittel des globalen Absatzes des Konzerns entsprechen. In dem Jahr peilt Ford auch eine um Sondereffekte bereinigte Umsatzrendite von 10 Prozent im Gesamtkonzern an. 2022 soll sie bei bis zu 8 Prozent liegen. Bis 2030 sollen die Hälfte der weltweit verkauften Fahrzeuge elektrisch sein.

Insgesamt soll Ford bis 2050 CO2-frei sein. Das ist im Vergleich zu vielen europäischen Herstellern eher wenig ambitioniert. Erst am Dienstag hatte Stellantis-Chef Carlos Tavares (63) verkündet, bis 2038 die komplette Wertschöpfung CO2-neutral zu machen.

Farley selbst will die neue Elektroeinheit künftig neben seiner Rolle als CEO des Gesamtkonzerns führen. Doug Field wird als Chief EV and Digital Products Officer die Produktentwicklung von Ford Model e leiten. Gleichzeitig verantwortet er die Softwareentwicklung und Systemintegration für alle Ford-Bereiche.

Die Verbrenner-Sparte wird künftig von Kumar Galhotra geführt, dem bisherigen Amerika-Chef des Konzerns. "Die Aufgabe von Ford Blue ist äußerst ehrgeizig", sagte er. Der bisherige Europachef Stuart Rowley soll die Transformation künftig an zentraler Stelle überwachen. Er wird Chief Transformation and Quality Officer.

lhy/dpa, Reuters