Investitionen aufgestockt Ford setzt bei Elektrostrategie auf Köln und Volkswagen

Der US-Autobauer Ford erhöht das Tempo auf seinem Elektrokurs und setzt dabei auf sein Kölner Werk – und die Kooperation mit Volkswagen. Ford will bis 2024 insgesamt drei neue E-Autos und vier neue Elektrotransporter auf den Markt bringen.
Ford-Werke Köln: In dem Werk wird der Kleinwagen Fiesta gebaut, der derzeit stark gefragt sein soll. Auf lange Sicht läuft die Produktion des Verbrennungsmotor-Modells aber aus, dann sollen in der Dom-Stadt vor allem E-Autos vom Band laufen

Ford-Werke Köln: In dem Werk wird der Kleinwagen Fiesta gebaut, der derzeit stark gefragt sein soll. Auf lange Sicht läuft die Produktion des Verbrennungsmotor-Modells aber aus, dann sollen in der Dom-Stadt vor allem E-Autos vom Band laufen

Foto: Oliver Berg / dpa

Ford und Volkswagen weiten ihre milliardenschwere Zusammenarbeit bei Elektroautos aus. Der US-Autobauer werde künftig ein zweites E-Auto auf Basis der von den Wolfsburgern entwickelten Elektroplattform MEB für den europäischen Markt bauen, erklärten die beiden Konzerne am Montag. Mit den neuen Modellen hat Ford große Pläne: Binnen sechs Jahren - also im Zeitraum 2023 bis 2029 - will der Autobauer 1,2 Millionen dieser Stromer in Köln herstellen.

Ford will bis 2024 insgesamt drei neue E-Autos und vier neue Elektro-Transporter auf den Markt bringen. Das erste E-Auto soll ab 2023 verkauft werden, das zweite ebenfalls in Köln produzierte E-Auto soll ab 2024 vom Band laufen. Ab 2026 wollen die Amerikaner in Europa mehr als 600.000 vollelektrische Fahrzeuge im Jahr verkaufen.

Ford und Volkswagen hatten vor fast drei Jahren eine Allianz vereinbart, um ab 2023 mindestens ein emissionsfreies Fahrzeug in Europa in Großserie zu fertigen. Dazu baut der US-Konzern derzeit das Kölner Ford-Werk für nunmehr zwei Milliarden Dollar zu einem europäischen Zentrum für E-Autos um - und hat damit die angekündigten Investitionen binnen Kürze verdoppelt. Mit der Milliardeninvestition macht der Konzern deutlich, dass der Standort Köln mit seinem Elektrifizierungszentrum und derzeit rund 14.800 Beschäftigten auch künftig eine zentrale Rolle spielen wird. In dem Werk wird der Kleinwagen Fiesta gebaut, auf lange Sicht läuft die Produktion des Verbrennungsmotor-Modells aber aus. Wann genau, ist unklar. Derzeit sei die Nachfrage nach dem Fiesta hoch, betonte Ford-Europachef Stuart Rowley (54) am Montag.

In Sachen E-Mobilität gilt Ford als Spätstarter, Konkurrenten investierten deutlich früher und umfassender in Stromer. Inzwischen nehmen Fords Elektro-Investitionen aber Fahrt auf, was die Investoren honorieren und den Wert des Autobauers Anfang Januar noch auf mehr als 100 Milliarden US-Dollar getrieben haben. Inzwischen ist der US-Autobauer an der Börse noch rund 64,2 Milliarden Dollar wert.

"Wir sind zeitlich genau richtig und sehen nun, wie der Markt wächst", sagte Rowley. Man rechne, dass bis 2030 mehr als drei Viertel der von Ford verkauften Fahrzeuge elektrisch "und 2035 alle unsere Pkw und gewerblichen Nutzfahrzeuge emissionsfrei sein werden", sagte der Manager.

VW will Verkauf von Lizenzen zu zweitem Standbein machen

Volkswagen hilft die Vereinbarung bei der Skalierung seiner Elektroplattform, auf der die Fahrzeuge der ID-Familie basieren, deren Produktion derzeit ausgebaut wird. Damit finanziert der Konzern einen Teil seiner hohen Entwicklungskosten für diese Technologie. Dadurch können die Fahrzeuge günstiger angeboten werden. "Für den endgültigen Durchbruch der E-Mobilität in Europa kommt es jetzt vor allem auf Wirtschaftlichkeit und Schnelligkeit an", sagte Technik-Vorstand Thomas Schmall. Die Vereinbarung mit Ford werde die Elektrifizierung beider Unternehmen weiter beschleunigen.

Den Verkauf von Lizenzen von Fahrzeugen auf Basis der MEB-Plattform will Europas größter Autobauer zu einem zweiten Standbein aufbauen. Mit den Amerikanern arbeitet der deutsche Konzern auch bei der Entwicklung von selbstfahrenden Autos zusammen und hat sich dazu an der Ford-Tochter Argo beteiligt.

Um den steigenden Bedarf an Batterien zu decken, sucht Ford den Schulterschluss mit anderen Firmen: Mit der südkoreanischen Firma SK On und der türkischen Koç Holding soll ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden, um ab Mitte dieses Jahrzehnts in der Nähe von Ankara Batteriezellen herzustellen - geplante Jahreskapazität 30 bis 45 Gigawattstunden, kündigte Ford am Montag weiter an. Den kompakten Puma SUV will Ford ab 2024 als reines Elektroauto im rumänischen Craiova produzieren.

rei/Reuters, DPA