Mittwoch, 19. Juni 2019

Gewinne nur in Nordamerika Miese Geschäfte in Europa treiben VW-Partner Ford in die roten Zahlen

Ford-Logo: Den höchsten Verlust fuhr Ford in Asien ein

Der US-Konzern Ford beendet sein schwieriges Geschäftsjahr mit roten Zahlen. Im vierten Quartal stand unter dem Strich ein Verlust von116 Millionen Dollar (102 Millionen Euro), wie der zweitgrößte US-Autobauer mitteilte. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Gewinn von 2,5 Milliarden Dollar angefallen.

Verantwortlich dafür waren vor allem die zunehmenden Absatzschwierigkeiten in China und Europa sowie hohe Sonderkosten. "Es war kein Jahr, mit dem wir glücklich waren und das setzte sich im vierten Quartal fort", sagte Finanzchef Bob Shanks. Auch dieses Jahr könnte holprig werden, räumte er ein. Mit Produktionsunterbrechungen wegen Streiks in Ländern, in denen das Geschäft neu aufgestellt werden soll, sei zu rechnen.

Das bereinigte Betriebsergebnis sank um 28 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. Der Umsatz legte leicht auf 41,8 Milliarden Dollar zu. Trotz der schwachen Zahlen fiel die Marktreaktion gelassen aus - die Aktie Börsen-Chart zeigen notierte nachbörslich zunächst leicht im Plus. Ford hatte die Erwartungen in der vergangenen Woche bereits gedämpft.

Der Autoriese schlägt sich dank gefragter SUVs und Pick-ups zwar gut im US-Heimatmarkt, hat aber international Schwierigkeiten. Das Europageschäft machte im Schlussquartal ein operatives Minus von 199 Millionen Dollar. In Asien fiel wegen der Probleme in China ein Verlust von 381 Millionen Dollar an. In China, dem weltweit größten Automarkt, war der Neuwagenabsatz im vergangenen Jahr erstmals seit den 1990er Jahren gesunken. Auch in Südamerika, dem Mittleren Osten und Afrika gab es rote Zahlen. Die einzige Region, wo Ford zuletzt Geld verdiente, ist Nordamerika.

900 Millionen Dollar schwere Abschreibung belastet zusätzlich

Endgültig verhagelt wurde die Bilanz von einer rund 900 Millionen Dollar schweren Abschreibung auf Pensionspläne. Eine zusätzliche Belastung ist der Zollstreit zwischen den USA und Handelspartnern wie China und der EU, der die Materialkosten für Autobauer deutlich erhöht. Ford-Chef Jim Hackett hat bereits vor Monaten einen tiefgreifenden Konzernumbau angekündigt, der die Kosten massiv senken soll. Teil des Sparprogramms sind auch drastische Stellenkürzungen.

Erst vor rund zwei Wochen hatte Ford angekündigt, sein Europageschäft neu aufzustellen und dabei Tausende Jobs zu streichen. Von den rund 50.000 Arbeitsplätzen auf dem Kontinent werde "eine beträchtliche Anzahl" wegfallen, sagte Europa-Chef Steven Armstrong. In Deutschland beschäftigt Ford etwa 24.000 Menschen, den Großteil davon in Köln, wo der US-Konzern seine Europazentrale hat. Wie viele Stellen hier genau wegfallen werden, ist bislang noch nicht klar. Bei der Neuaufstellung des US-Konzerns soll auch die mit Volkswagen angestrebte Allianz helfen.


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Wie Ford in Europa wieder Geld verdienen kann


Fest steht: Auch die Ergebnisse für das Gesamtjahr machen wenig Hoffnung. 2018 fiel in Europa ein operativer Verlust von 398 Millionen Dollar an, im Vorjahr gab es noch einen deutlichen Gewinn. Noch schlechter lief es in Asien - hier verlor Ford1,1 Milliarden Dollar - und in Südamerika, das die Jahresbilanz mit 678 Millionen Dollar belastete. Diese Probleme führten dazu, dass der Konzerngewinn insgesamt auf 3,7 Milliarden Dollar fiel und sich damit mehr als halbierte.

mg/dpa-afx

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