Generationswechsel beim US-Autoriesen Jim Farley löst Ford-Chef Jim Hackett ab

Ford-Chef Jim Hackett gibt sein Amt auf, COO Jim Farley löst ihn zum 1. Oktober ab. Der erneute Wechsel an der Spitze des Autobauers zeigt, wie schwer sich Ford mit dem Wandel in der Autoindustrie tut.
Ford-Chef Jim Hackett (rechts) und der designierte Nachfolger Jim Farley stellen Anfang Januar dieses Jahres den neuen Ford Explorer SUV vor. Farley ist ohnehin schon für das Tagesgeschäft verantwortlich und wird Hackett im Herbst an der Spitze ablösen

Ford-Chef Jim Hackett (rechts) und der designierte Nachfolger Jim Farley stellen Anfang Januar dieses Jahres den neuen Ford Explorer SUV vor. Farley ist ohnehin schon für das Tagesgeschäft verantwortlich und wird Hackett im Herbst an der Spitze ablösen

Foto: Bill Pugliano/ Getty Images

Der kriselnde US-Autoriese Ford stellt seine Konzernspitze bereits zum zweiten Mal in gut drei Jahren neu auf. Das Unternehmen teilte am Dienstag mit, dass der erst seit Mai 2017 amtierende Vorstandschef Jim Hackett (65) zurücktritt. Zum Nachfolger wurde mit Wirkung zum 1. Oktober Top-Manager Jim Farley (58) befördert, der sich derzeit im Vorstand um das Tagesgeschäft kümmert.

Hackett, der den Umbau des Traditionsunternehmens einleitete und unlängst die Kooperation mit Volkswagen bei Elektroautos einging, geht in den Ruhestand. Er soll in den kommenden Wochen mit Farley zusammenarbeiten, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen.

Der frühere Europachef Farley galt schon länger als Kronprinz. Er war im März zum Chief Operating Officer (COO) berufen worden und damit für alle globalen Märkte, das Automobilgeschäft und die Themen neue Mobilität sowie autonomes Fahren zuständig. Farley tritt in einer schwierigen Zeit an die Konzernspitze, da Ford noch mitten in der Neuausrichtung steckt. Wie andere Autobauer auch, schreibt Ford in der Corona-Krise zudem operativ tiefrote Zahlen.

Ford tut sich schwer mit dem Wandel in der Branche

Der Personalwechsel zeigt, wie schwer Ford sich weiter mit dem Wandel der Autoindustrie vom klassischen Blechbiegen zu Zukunftstechnologien wie autonomem Fahren und Elektromobilität tut. Auch Hacketts Vorgänger Mark Fields (59) hatte den Spitzenposten nach nur rund drei Jahren schon wieder geräumt. Die Aktien  von Ford stiegen kurz nach der Eröffnung des regulären Handels um bis zu 1,7 Prozent. In diesem Jahr hat die Aktie immer noch 28 Prozent verloren.

Für die nächsten Monate sieht sich Ford dank einer robusten Liquidität gerüstet, um in der Krise zu bestehen, und setzt beim Absatz auf Modelle wie den neu aufgelegten Bestseller F-150 und den SUV Ford Bronco. Für das laufende dritte Quartal hat der scheidende Konzernchef Hackett einen Vorsteuergewinn zwischen einer halben und 1,5 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, wozu auch weitere Einsparungen beitragen sollen. Für das vierte Quartal, wenn Farley das Ruder übernimmt, geht der Vorstand von einem Verlust aus.

Viel verspricht sich Ford von der kürzlich mit Volkswagen besiegelten milliardenschweren Allianz für Elektroautos und autonomes Fahren. Der weltgrößte Autokonzern und der zweitgrößte US-Autobauer hatten die Allianz im Juni unterzeichnet und wollen die Kosten für Neuentwicklungen untereinander aufteilen und sich in Krisenzeiten gegenseitig stärken.

Ford erwartet schwarze Zahlen für das dritte Quartal und rote für das vierte

Der Einstieg der Wolfsburger bei der Sparte für Roboterautos hatte Ford im Krisenquartal vor einem Konzernverlust bewahrt. Ford hatte vergangene für den Zeitraum April bis Juni einen Nettogewinn von 1,1 Milliarden Dollar nach 100 Millionen Dollar vor einem Jahr ausgewiesen. Grund ist der gestiegene Wert der Ford-Tochter Argo AI für selbstfahrende Autos, nachdem VW für seine Beteiligung 2,6 Milliarden Dollar an seinen amerikanischen Partner überwiesen hatte. Dadurch stieg der Wert der Gesellschaft, an der Ford und VW nun je 40 Prozent halten, auf 7,5 Milliarden Dollar.

Die damit verbundene Aufwertung der Tochter Argo hat für Ford zwar einen positiven Bilanzeffekt. Im eigentlichen Autogeschäft schlugt die die Krise jedoch genauso zu Buche wie bei anderen Autobauern auch: Im zweiten Quartal wies Ford vergangenen Freitag einen bereinigten Betriebsverlust von 1,9 Milliarden Dollar aus. Das war deutlich weniger als Analysten geschätzt und Ford selbst in Aussicht gestellt hatten. Im April noch war der Autobauer davon ausgegangen, dass sich der Netto-Verlust wegen der Covid-19-Pandemie im zweiten Quartal auf mehr als fünf Milliarden Dollar gegenüber dem Vorquartal verdoppeln werde.

rei/dpa/Reuters