Freitag, 29. Mai 2020

Verwaltungsrat ernennt Kronprinz Farley zum COO Ford erhöht Druck auf eigenen Chef James Hackett

Ford-CEO James Hackett hat nun einen neuen COO an der Seite

Er hat Ford eine umfassende Elektrifizierung seiner Modellpalette verordnet. Vor wenigen Monaten haben seine Manager das neue Batteriemodell Mustang Mach-E präsentiert. Er ist eine Allianz mit Volkswagen eingegangen, um künftig mit den Wolfsburgern bei Nutzfahrzeugen, dem autonomen Fahren und Elektroantrieben zusammenzuarbeiten. Er hat sich bei der Elektro-Pick-up-Firma Rivian eingekauft. Und in Europa, wo der Autobauer längere Zeit Verluste schrieb, hat Ford kräftig Stellen gekürzt. Dennoch steht Ford-Chef James Hackett seit Monaten bei Ford in der Kritik.


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Nach wie vor sei keine klare Strategie erkennbar, wie Hackett den kriselnden Autobauer in eine ertragreichere Zukunft führen will, monieren seine Kritiker. Zuletzt musste Ford eine Gewinnwarnung aussprechen.

Nun setzt der Ford-Verwaltungsrat Hackett einen Schuss vor den Bug - indem er personelle Konsequenzen in der Führungsetage zieht. Der zweitgrößte US-Autobauer berief am vergangenen Freitag überraschend den bisherigen Leiter von Fords Automotivesparte, Joe Hinrichs, ab. Zugleich ernannte Ford Jim Farley zum Chief Operating Officer. Damit wird der 57-Jährige für alle globalen Märkte, das Automobilgeschäft und die Themen neue Mobilität und autonomes Fahren zuständig sein.

Es ist ein klarer Fingerzeig in Richtung des Konzernchefs. Farley, der zuletzt für Strategiefragen zuständig war, gilt nun als heißester Anwärter für die Nachfolge von Hackett - und die Ablösung des seit 2017 amtierenden Hackett dürfte laut US-Medienberichten eher früher als später anstehen.

Denn Hackett enttäuschte die Anleger Mitte vergangener Woche nicht nur mit Milliardenverlusten und einer Gewinnwarnung. Ford plagen zur Zeit auch heftige Produktionsprobleme bei der Auslieferung des überarbeiteten Ford Explorer - einem großen SUV, der zu Fords wichtigen Gewinnbringern zählt. Das macht den Ford-Verwaltungsrat offenbar ziemlich nervös.

Hackett: "Ich muss hier sein"

Die Beförderung von Farley zum COO signalisiere jedem, dass er Hacketts Nachfolger werden solle, erklärte Morningstar-Analyst David Whiston gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Möglicherweise können es ab jetzt neun Monate sein, oder auch 18", sagt Whiston. "Aber sie werden eine Ankündigung machen, dass Hackett in Rente geht und Farley als CEO übernimmt."

Der 64-jährige Hackett selbst erklärte laut Bloomberg am Freitag, dass er bleibe. "Was meinen Posten anlangt, ist es die Sache, die ich wirklich gerne mache und ich habe hier eine wirklich erfüllende Aufgabe", so Hackett. "Ich muss hier sein", erklärte Hackett, der vor seinem Wechsel zu Ford den US-Möbelhersteller Steelcase leitete.

Allerdings findet Hacketts bisherige Amtsführung an der Wall Street nicht unbedingt Anklang. Vor drei Jahren versprach Hackett, die "Taktung" des 116 Jahre alten Autoherstellers Ford kräftig zu erhöhen. Doch US-Analysten kritisieren, dass seine globale Restrukturierung eher gemächlich als im Eiltempo verläuft.

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