Mittwoch, 20. November 2019

Das Geheimnis der Firmenwagen Wie Autobauer an der Statistik drehen - und Kunden an günstige Neuwagen kommen

Was ist bloß mit den deutschen Autokäufern los? Ein Blick in die monatlichen Neuzulassungszahlen schürt den Verdacht, die privaten Kunden seien in eine Art Konsumstreik getreten: 2015 wurden laut offizieller Statistik des Kraftfahrtbundesamts (KBA) nur noch 34 Prozent aller Neuwagen von Privatkunden angemeldet - im Jahr 2000 waren es noch mehr als die Hälfte. Bei zehn der 20 erfolgreichsten Modelle in Deutschland liegt der Anteil der gewerblichen Zulassungen bei mehr als 70 Prozent.

Das nach dem VW Golf am häufigsten verkaufte Modell in Deutschland, der VW Passat, landet abgeschlagen auf Platz 39 - wenn man den Firmenwagenanteil herausrechnet. Wie kann das sein? Laufen die Kunden wegen der Dieselaffäre in Scharen davon? Oder bekommt plötzlich jeder zweite Arbeitnehmer einen Firmenwagen spendiert?

Die TOP 20 Modelle im deutschen Gesamtmarkt 2015
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Die TOP 20 Modelle im deutschen Gesamtmarkt 2015
Nichts von alledem stimmt. Die Wahrheit ist: Die Deutschen kaufen sehr wohl noch Autos. Und zwar nicht zu knapp. Die Krux ist: Viele davon tauchen nicht mehr in der Neuzulassungsstatistik auf, weil die Autohersteller bei den Privatkunden zunehmend auf ein anderes Geschäftsmodell umsteigen - und damit die Statistik verdrehen.

Steuererhöhung und Abwrackprämie

Ulrich Winzen
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    Winzen
    Ulrich Winzen blickt auf eine 25-jährige Erfahrung im Bereich der Analyse und Prognose für die Automobilindustrie zurück. Seit 2015 analysiert und prognostiziert er als freier Automobilmarktanalyst regelmäßig die Entwicklungen auf den Automobilmärkten. Außerdem ist er Partner der Unternehmensberatung meos automotive consulting. www.meos.info
Alles begann am 1. Januar 2007, als die Mehrwertsteuer in Deutschland um drei Prozentpunkte von 16 auf 19 Prozent stieg. Die Autohersteller und -importeure gaben diese Mehrwertsteuererhöhung in vollem Umfang weiter, in der Folge stieg der durchschnittliche Neuwagenpreis innerhalb eines Monats um drei Prozent. Die Quittung der Verbraucher folgte prompt: Die Neuzulassungen gingen 2007 um 9 Prozent zurück.

In ihrer Not fanden Autohändler und Kunden einen Weg, dennoch ins Geschäft zu kommen: über die so genannte Händlerzulassung. Das Modell funktioniert ganz einfach: Das Autohaus meldet einen Neuwagen auf den eigenen Namen an - und verkauft ihn anschließend mit einem ordentlichen Preisabschlag als "jungen Gebrauchten" an die knauserige Kundschaft.

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