Donnerstag, 20. Juni 2019

Chinesischer SUV-Bauer an Fiat Chrysler interessiert Great Wall will FCA-Trophäe Jeep einsammeln

Great-Wall-Chefin Wang Fengying in Bulgarien: Der chinesische SUV-Spezialist hat besonderes Interesse an FCAs Geländewagenmarke Jeep

3. Teil: Der Kernmarke Fiat fehlt eine breite Basis

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Während der wachsende US-Markt in den vergangenen Jahren kräftig Geld in FCAs Kassen spülte, dürfte die große Autoabsatzparty in Nordamerika nun vorüber sein. Zuletzt gingen die Verkäufe von FCA in den USA bereits zurück. Ein Abschwung in den USA dürfte FCA hart treffen, denn 60 Prozent des Gewinns erwirtschaftete FCA zuletzt in Nordamerika.

Nun muss Marchionne wohl wieder einmal das Kunststück gelingen, das schwächelnde Geschäft jenseits des Atlantiks mit Wachstum in Europa auszugleichen. Die ersten Hinweise darauf, dass dies gelingen könnte, gibt es schon: Zuletzt legte die Kernmarke Fiat in Europa wieder zu - und zwar dank eines neuen Mittelklasse-Modells, des Tipo. Auch die FCA-Luxusmarke Maserati lieferte zuletzt merklich mehr Autos aus, vor allem dank des neue SUV Levante.

Allerdings ist die alte Kernmarke Fiat nach wie vor nicht gerade stark aufgestellt. Denn in der Modellpalette der einstigen Massenmarke klaffen nach wie vor große Lücken. Zwar hat Fiat seinen Kleinwagen 500 in den vergangenen Jahren um einen Klein-SUV, den 500X, und einen kompakten Lifestyle-Kombi, den 500L, erweitert. Doch im bestlaufenden Segment des Marktes, und das sind auch in Europa kompakte und größere SUVs, hat Fiat nach wie vor nichts anzubieten.

Richtig breit aufgestellt ist Fiat nur in Brasilien. Doch dort hat der Markteinbruch auch Fiats einstige Gewinne fast auf null eingedampft.

Wo FCA weit hinter der Konkurrenz liegt

Sein Heil sucht FCA auch deshalb in der Wiederbelebung der Sportwagenmarke Alfa Romeo, in die FCA rund fünf Milliarden Euro investiert. Nach Automobilbau-Maßstäben ist das aber eher wenig Geld, auch wenn sich der neue Alfa-SUV Stelvio offenbar gut verkauft. Fast komplett abgeschrieben hat FCA hingegen die Marke Lancia. Das einzig verbliebene Lancia-Modell, der Ypsilon, wird nur mehr in Italien in nennenswerter Zahl verkauft.

Zu einem größeren Problem könnten sich für FCA künftig Vorwürfe auswachsen, ähnlich wie VW Software zur Manipulation von Diesel-Abgaswerten eingesetzt zu haben. Marchionne wies das brüsk von sich, doch die US-Behörden haben FCA wegen entsprechender Vorwürfe verklagt. Und auch die EU-Kommission ermittelt deshalb bereits.

Auch strategisch hat FCA ein großes, über Jahre selbst gezüchtetes Problem: Weil die Gewinne in den vergangenen Jahren nie überbordend sprudelten, hat der Konzern wenig Geld in Zukunftstechnologien gesteckt. Beim selbst fahrenden Fahrzeugen hat FCA fast nichts anzubieten. Nun ist FCA der Kooperation rund um BMW, Intel und Mobileye zum autonomen Fahren beigetreten. FCA will dabei unter anderem technische Kompetenz in die Partnerschaft einbringen.

Bei Elektro- und Hybridantrieben fährt FCA ebenfalls weit hinterher. Doch da deutet sich nun eine zarte Trendwende an.

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