Donnerstag, 20. Juni 2019

Chinesischer SUV-Bauer an Fiat Chrysler interessiert Great Wall will FCA-Trophäe Jeep einsammeln

Great-Wall-Chefin Wang Fengying in Bulgarien: Der chinesische SUV-Spezialist hat besonderes Interesse an FCAs Geländewagenmarke Jeep

2. Teil: FCA schreibt Gewinne - doch kerngesund ist der Autobauer nicht

FCA ist auch formalrechtlich kein italienisches oder amerikanisches Unternehmen mehr: Seit Anfang 2014 ist Großbritannien der Steuersitz der FCA-Gruppe, rechtlich ist die FCA-Gruppe nun in den Niederlanden angesiedelt. FCA tut dies, um Steuern zu sparen. Als Marchionne und der Spross der Fiat-Eigentümer Agnelli, Johann Elkann, dies Anfang 2014 ankündigen, gab es besonders in Italien viele kritische Stimmen und die Befürchtung, dass dies zu einem großen Arbeitsplatzabbau führen könnte.

Bislang ist das nicht eingetroffen - entgegen vielen Unkenrufen aus der Branche schlägt sich FCA bislang ganz passabel. FCA war 2016 mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen der achtgrößte Autohersteller der Welt. Im vergangenen Jahr kam FCA mit 235.000 Angestellten auf einen Umsatz von 111 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern und Zinsen lag bei 6,1 Milliarden Euro, der Nettogewinn bei 1,8 Milliarden Euro.

Im ersten Halbjahr 2017 stieg der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr sogar auf 1,7 Milliarden von 1,2 Milliarden Euro, die Nettoschulden sanken um 400 Millionen auf 6,2 Milliarden Euro.

Das Zahlenwerk sieht durchaus ansehnlich aus - doch es ist nur die halbe Wahrheit. Denn in seinem Marken-Potpourri verbirgt FCA weiterhin einige Problemkinder, und es gibt für den Konzern durchaus einige Warnzeichen. Und bei wichtigen Zukunftstechnologien ist der Konzern teils so blank wie nur wenige andere große Konkurrenten.

Wie es um die einzelnen FCA-Marken steht

In den USA tritt FCA mit den Marken Chrysler, den für PS-starke Autos bekannte Marke Dodge, dem Pickup-Spezialisten Ram und der SUV-Ikone Jeep an. Richtig gut läuft es seit längerem vor allem bei Jeep: Die Marke profitiert von der weltweiten Liebe für vorgebliche Geländegänger. Auch die Marke Ram kann sich vor Aufträgen für ihre technisch wenig komplexen, dafür umso ladestärkeren Pritschenwagen kaum retten.

Die Kernmarke Chrysler allerdings hat Marchionne notgedrungen auf ein absolutes Minimum zurechtgestutzt. Gerade mal zwei Modelle bietet Chrysler aktuell an: Den Minivan Pacifica, der seit 2016 vom Band läuft, und die brachial aussehende Limousine 300. Die für amerikanische Verhältnisse kompaktere Limousine Chrysler 200 hat FCA nach nur sechs Jahren Bauzeit vom Markt genommen, ein SUV-Modell mit Chrysler-Enblem am Kühlergrill eingestellt. Und Chryslers verbrauchsärmstes Modell, der Pacifica Hybrid, leidet aktuell unter massiven Lieferproblemen -offenbar, weil der Konzern mit der für ihn neuen Hybridtechnologie nicht ganz zurechtkommt.

Zudem könnte die US-Traditionsmarke Chrysler für eine FCA-Fusion mit Chinesen zu einem Stolperstein werden. Denn US-Präsident Donald Trump hat eine kritische Haltung zur exportstarken Wirtschaftsmacht China. Der US-Ausschuss für Auslandsinvestitionen (CFIUS) hat bereits einige Übernahmen amerikanischer Unternehmen durch chinesische Firmen verzögert oder untersagt.

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