Freitag, 20. September 2019

Fiat-Chrysler-Chef parliert über Fusion Marchionne buhlt wieder - und findet keine Freunde

Bietet Fiat Chrysler wieder wie Sauerbier an: Konzernchef Sergio Marchionne

In Genf kommen derzeit die Autobosse der Welt zusammen. Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Fusion von Opel und Peugeot buhlt einer ganz besonders um Aufmerksamkeit - und um einen Partner.

Apple, Google, Tesla, General Motors - kaum ein Konzern, den Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne noch nicht umworben hat. Ist der Mann doch fest davon überzeugt, dass ein Autobauer allein die Zukunft nicht schultern kann. Zu hoch seien die Investitionen zum Beispiel in umweltfreundlichere und selbstfahrende Autos.

Während es mit Google immerhin zu einer Allianz kam, ließ GM-Chefin Mary Barra den Fiat-Chrysler-Chef im Sommer 2015 abblitzen - und andere Konzerne taten es Barra gleich. Doch der um offene Worte nie verlegene Marchionne, der mit Chrysler zwar einen wiedererstarkten US-Autobauer aber mit Fiat eben auch einen der schwächsten europäischen Hersteller führt, lässt nicht ab von seinem Ziel. Fehlt dem Konzern für teure Forschung doch offensichtlich das Geld.

Dabei lief es für den amerikanisch-italienischen Autobauer zuletzt auch in den USA nicht rund. Mit einem Minus von mehr als 10 Prozent rutschte Fiat Chrysler beim Absatz auf dem wichtigen US-Markt im Februar so stark ab wie kein anderer Hersteller.

Ein Schulterschlusses mit GM bleibe trotz des vereinbarten Verkaufs der GM-Tochter Opel an Peugeot erstrebenswert, meinte Marchionne am Dienstag auf dem Genfer Autosalon. Auch wenn die Synergieeffekte nun um 15 bis 20 Prozent geringer ausfielen, würde eine Verbindung mit GM immer noch große Vorteile bringen.

Fiat Chrysler könne gegebenenfalls erneut an GM herantreten, stellte Marchionne in den Raum. Auch wenn dies in seiner Amtszeit nicht nötig sei, erklärte der Manager selbstbewusst - wohlwissend, dass sich derzeit kein größerer Autobauer den Massenhersteller über eine Fusion ans Bein binden würde.

"Fiat als ein mit begrenztem Volumen ausgestatteter Spieler ist übrig"

Vor knapp einem Jahr hatte Marchionne Toyota, Ford und auch Volkswagen en passant als geeignete Fusionspartner bezeichnet, ohne dass dies irgendeine nennenswerte Reaktion bei den Autogiganten hervorgerufen hätte.

Nun, da die Fusion von Opel und Peugeot besiegelt sei und dies Auswirkungen auf Volkswagen haben werde, könne der Wolfsburger Konzern seine Meinung revidieren und die Logik eines Zusammenschlusses mit Fiat Chrysler einsehen, legte Marchionne unnachgiebig nach.

Glaubt man den Worten von Volkswagen-Chef Matthias Müller, steht Marchionne mit seiner Einschätzung derzeit ziemlich allein. Müller jedenfalls sieht den Zusammenschluss von PSA und Opel ziemlich gelassen. Die Fusion stelle keine Gefahr für den weltgrößten Autobauer dar. Auch VW-Markenchef Herbert Diess sieht im Gegensatz zum Fiat-Chrysler-Chef keinen Zwang zu Fusionen: "Der am meisten überschätzte Faktor in der Automobilindustrie ist wahrscheinlich die Größe."

Fast ein wenig garstig wirkt da schon der Kommentar von Daimler-Chef Dieter Zetsche, der Fiat auf dem europäischen Automarkt sinnbildlich in die Nähe des abgehängten, hässlichen Entleins rückt. Mercedes als Premium-Hersteller verdiene gutes Geld in Europa und brauche keine Fusion, sagt Zetsche. Der Markt auf dem Kontinent sei "im Wesentlichen verteilt". Nur Fiat als ein mit begrenztem Volumen ausgestatteter Spieler sei "übrig".

mit Reuters

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