Dienstag, 18. Juni 2019

Frankreich kritisiert Fiat Chrysler Geplatzte Fusion - Fiat Chrysler übte offenbar Druck auf Renault aus

Doch keine Hochzeit
REUTERS / AFP
Doch keine Hochzeit

Die Fusion sollte Fiat Chrysler und Renault zum drittgrößten Autohersteller machen. Doch dann zieht der italienisch-amerikanische Konzern sein Angebot zurück. Das Bedauern klingt ein wenig beleidigt. Doch Paris hat eine andere Version, schiebt die Schuld auf Fiat Chrysler.

Nach dem Rückzug der Fusionsofferte von Fiat Chrysler (FCA) an Renault sieht die französische Seite die Schuld bei dem italienisch-amerikanischen Autobauer. Es habe keinen guten Grund gegeben, das Angebot so überstürzt zurückzuziehen, hieß es in der Nacht zu Donnerstag aus Regierungskreisen. Bereits seit Beginn der Gespräche habe FCA massiven zeitlichen Druck ausgeübt und versucht, die Verhandlungen nach dem Ansatz "take it or leave it" ("nimm es oder lass es bleiben") zu führen. Die französische Seite habe klargemacht, dass sie sich nicht derart unter Druck setzen lasse, so die Kreise.

FCA hatte sein Angebot in der Nacht zum Donnerstag "mit sofortiger Wirkung" zurückgezogen, nachdem zuvor Renault auf Wunsch des französischen Staates gezögert hatte, das Gesprächsangebot überhaupt anzunehmen. Es sei klar geworden, dass derzeit die politischen Voraussetzungen, damit ein solcher Zusammenschluss erfolgreich sei, in Frankreich nicht gegeben seien, hatte FCA erklärt.

FCA sei aber weiterhin davon überzeugt, dass der Fusionsvorschlag überzeugend gewesen sei und für alle Parteien Vorteile gebracht hätte. FCA bedankte sich ausdrücklich bei der Gruppe Renault und bei dessen Chairman und Vorstandsvorsitzenden sowie bei den Renault-Partnern Nissan und Mitsubishi.

Renault hatte zuvor mitgeteilt, eine Entscheidung über förmliche Fusionsgespräche erneut zu verschieben. Der Verwaltungsrat hatte über die Fusionsofferte beraten, konnte aber keine Entscheidung mehr treffen, da Regierungsvertreter die Verschiebung beantragten, so Renault.

Paris hatte Renault massive Vorgaben für Aufnahme der Gespräche gemacht

Der französische Staat ist mit 15 Prozent an Renault beteiligt und hatte das Management zuvor massiv beeinflusst. So hatte etwa Finanzminister Bruno Le Maire erklärt: "Ich habe dem Renault-Chef sehr deutlich gesagt, dass die Garantie der Arbeitsplätze und Industrieanalgen die erste der Garantien ist, die ich von ihm bei der Aufnahme dieser Verhandlungen wollte." Zudem müsse Frankreich im neuen Vorstand vertreten sein. Als weitere Forderung machte Le Maire geltend, dass der neue Konzern führend bei der Entwicklung von Batterien für Elektroautos sein müsse.

FCA hatte in der vergangenen Woche sein Ansinnen öffentlich gemacht, sich mit Renault zusammenzuschließen. Renault reagierte bereits unmittelbar nach Veröffentlichung der Offerte des italienisch-amerikanischen Konzerns mit Interesse.


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Die Unternehmen hätten gemeinsam zum weltweit drittgrößten Autohersteller aufsteigen und die Marktführer Volkswagen und Toyota herausfordern können. Fiat Chrysler hatte vorgeschlagen, dass beide Unternehmensgruppen - also FCA und Renault - je die Hälfte an der neuen Gesellschaft halten. Zusammen würden sie auf 8,7 Millionen Fahrzeuge im Jahr kommen.

Der geplatzte Zusammenschluss mit FCA ist derzeit nicht die einzige schlechte Nachricht für Renault. Le Maire erklärte, in der Affäre um Ex-Spitzenmanager Carlos Ghosn werde Anzeige erstattet. Wenn der Staat Aktionär eines Unternehmens sei, müsse er sicherstellen, dass dessen Führung gut funktioniere. Die Justiz müsse dann in der Sache entscheiden, so der Minister zu BFMTV. Bis wann die Anzeige eingereicht werden soll, sagte Le Maire zunächst nicht.

Renault hatte bei einer Tochtergesellschaft in den Niederlanden zweifelhafte Ausgaben von zusammen rund elf Millionen Euro entdeckt. Wie der Renault-Verwaltungsrat am Dienstagabend mitteilte, geht es dabei unter anderem um Kosten für Flugreisen des früheren Konzernchefs Ghosn. Auch in den Niederlanden sollten rechtliche Schritte gegen Ghosn abgewogen werden.

rei/dpa

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