Montag, 19. August 2019

Fusion mit Renault Fiat Chrysler will neuen Autogiganten schmieden - Renault zeigt sich willig

Logos von Fiat Chrysler und Renault: An dem neuen Unternehmen sollen beide Autobauer jeweils zur Hälfte beteiligt sein
MARCO BERTORELLO and LOIC VENANCE / AFP
Logos von Fiat Chrysler und Renault: An dem neuen Unternehmen sollen beide Autobauer jeweils zur Hälfte beteiligt sein

Der Autokonzern Fiat Chrysler (FCA) schlägt eine Fusion mit Renault vor. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Bei einem Zusammenschluss würde der drittgrößte Autokonzern der Welt hinter den Marktführern Volkswagen Börsen-Chart zeigen und Toyota Börsen-Chart zeigen entstehen. Renault reagierte positiv auf den Fusionsvorschlag. Das französische Unternehmen teilte am Vormittag mit, dass der Verwaltungsrat die Fusion "mit Interesse prüfen werde".

Die Aktien von Renault Börsen-Chart zeigen legten bislang um mehr als 12 Prozent auf 56,19 Euro zu. Die in Frankfurt notierten Titel von Fiat Chrysler Börsen-Chart zeigen gewannen mehr als 10 Prozent auf 12,65 Euro. Der europäische Autosektor war am Vormittag mit plus 1,3 Prozent der beste der Stoxx-600-Branchenübersichtswert, nachdem er kurz nach der Eröffnung sogar mit einem Aufschlag von mehr als 3 Prozent notierte hatte. Im deutschen Leitindex Dax gehörten die Autobauer BMW Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen mit einem Plus von bis zu 2,1 Prozent zu den größten Gewinnern.

Mit ihren hohen Kursgewinnen stoppten Renault und Fiat Chrysler vorerst ihren seit Monaten laufenden übergeordneten Abwärtstrend, der die Aktien von Renault mit Kursen von zuletzt unter 50 Euro auf das Niveau von Oktober 2014 gedrückt hatte. Ähnlich das Bild bei den Fiat-Chrysler-Anteilen, die vergangene Woche mit Kursen unter 11,50 Euro auf den tiefsten Stand seit August 2017 abgesackt waren.

Die neu entstehende Holding soll ihren Sitz den Plänen zufolge in den Niederlanden haben und an den Börsen in Mailand, Paris und New York gelistet werden. Fiat Chrysler und Renault sollen jeweils die Hälfte an der Holding halten. Durch die Fusion erhoffen sich die Konzerne jährliche Einsparungen von fünf Milliarden Euro. Arbeitsplätze seien durch die geplante Fusion nicht in Gefahr, versicherte FCA: Es seien keine Werksschließungen geplant. Fiat-Aktionäre können sich außerdem über eine Sonderdividende von 2,5 Milliarden Euro freuen.

Beide Konzerne zusammen würden jährlich 8,7 Millionen Autos produzieren und damit zum drittgrößten Autobauer weltweit nach Volkswagen und Toyota aufsteigen, wie Fiat Chrysler (FCA) mitteilte. Volkswagen produziert derzeit 10,83 Millionen Fahrzeuge jährlich. Der vorgeschlagene Zusammenschluss würde einen globalen Autohersteller schaffen, herausragend in Bezug auf Umsatz, Volumen, Rentabilität und Technologie sowie von Vorteil für die Anteilseigner der Unternehmen", teilte Fiat Chrysler weiter mit. Es habe bereits Gespräche zwischen beiden Unternehmen gegeben, um Produkte und Regionen für eine Zusammenarbeit zu identifizieren.

FCA hat Schwachstellen in Europa, Renault in den USA

Mit einem Schulterschluss könnten beide Autohersteller ihre jeweiligen Schwachstellen besser ausgleichen. Während Fiat Chrysler in Nordamerika mit Kleintransportern erfolgreich ist, steht das Geschäft in Europa unter Druck. Renault wiederum ist ein Pionier auf dem Gebiet der Elektroautos mit einer starken Präsenz in Schwellenmärkten, dafür aber ohne US-Geschäft. In der Branche wächst der Druck zu Kooperationen und Fusionen, um beim Trend zu umweltfreundlicheren Motoren und dem autonomen Fahren besser aufgestellt zu sein.

FCA führt unter anderen die Marken Alfa Romeo, Fiat, Chrysler, Dodge, Jeep oder Maserati. Der Konzern hat nach eigenen Angaben rund 199.000 Beschäftige und machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 110 Milliarden Euro. Renault kam auf 57,4 Milliarden. An der Börse ist Fiat Chrysler derzeit fast 20 Milliarden Dollar wert, Renault 14,8 Milliarden Euro.

Italien kritisiert französische Staatsbeteiligung

Die französische Regierung hat die Fusionspläne von Fiat Chrysler und Renault mit Vorbehalt begrüßt. "Das ist ein Projekt, dem wir recht positiv gegenüberstehen", sagte eine Regierungssprecherin am Montag dem Sender BFM TV. Für Europa als Ganzes sei es gut, einen Industriegiganten zu haben. Allerdings müsse sich Frankreich die Konditionen des Geschäfts genau ansehen. "Das ist eine Diskussion, die wir als Aktionär mit Renault führen werden." Der französische Staat ist mit 15 Prozent der größte Eigner des Autoherstellers.

Gerade diese Beteiligung sorgt unterdessen in Italien bei der mitregierenden rechten Lega für Kritik. Der französische Staatsanteil sei eine "Anomalie", sagte der Lega-Abgeordnete Claudio Borghi dem Fernsehsender La7. Die Regierung in Rom könnte eine Beteiligung an dem neuen Unternehmen verlangen, um mit den Franzosen gleichzuziehen. "Wir könnten Symmetrie fordern", so Borghi. Die nationalen Interessen Italiens müssten verteidigt werden.

Spekulationen über Fusion von Renault und Nissan

Der französische Hersteller Renault ist seit langem mit den japanischen Autobauern Nissan Börsen-Chart zeigen und Mitsubishi Börsen-Chart zeigen in einer Allianz verbunden. Renault strebt nach früheren Informationen aus Japan eine Fusion mit Nissan an. Dessen Chef Hiroto Saikawa hatte aber unlängst deutlich gemacht, dass man einen Zusammenschluss für unnötig halte.

Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire drang erst in der vergangenen Woche darauf, die Allianz zwischen Renault und Nissan zu festigen. "Wir brauchen solide, starke und gefestigte Industriekonzerne", hatte er gesagt.

Der französische Staat hat bei Renault ein gehöriges Wort mitzureden, denn er hält 15 Prozent der Anteile. Renault hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan. Nissan ist seinerseits zu 15 Prozent an Renault beteiligt.

Nach der Verhaftung von Automanager Carlos Ghosn in Japan war das von ihm geschaffene und kontrollierte französisch-japanische Auto-Bündnis in eine schwere Krise geraten. Ghosn war ein Verstoß gegen Börsenauflagen in Japan vorgeworfen worden.

Seither wurde er mehrfach wegen weiterer angeblicher Vergehen angeklagt und kam kürzlich zum zweiten Mal auf Kaution aus der Untersuchungshaft. Ghosn hatte die Anschuldigungen mehrfach zurückgewiesen.

mg/dpa-afx, rtr, afp

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