Mittwoch, 8. April 2020

Fiat stellt Elektroversion des Kleinwagens 500 vor So startet FCA mit dem Cinquecento ins E-Zeitalter

Die 3. Generation des Kleinstwagens Fiat 500 wurde in Mailand vorgestellt - inklusive Elektroantrieb

Schneid haben sie, die Italiener. Denn bei der Weltpremiere der dritten Generation des Fiat 500 ging der FCA-Konzern örtlich ein Wagnis ein. Weil der Genfer Autosalon abgesagt wurde, enthüllten die Italiener die neue Inkarnation ihres liebevoll "Cinquecento" genannten Kleinstwagens gestern in ihrem Heimatland - und zwar ausgerechnet in Mailand, obwohl gerade in Norditalien besonders viele Coronavirus-Infektionen verzeichnet wurden.

Die FCA-Leute ließen sich davon nicht beirren. Berichten zufolge soll die Zahl der Journalisten bei der Weltpremiere eher gering gewesen sein. Und die saßen je einen Meter entfernt voneinander, weil lokale Gesundheitsvorschriften das für den aktuellen Moment so vorschreiben.

Zu sehen bekamen die Besucher - natürlich - die 500-typischen Kulleraugen an der Front, die modelltypisch auch der neuesten Fiat-500-Generation erhalten bleiben. Innen zieht nun aber ein üppig dimensionierter Touchscreen ein, Fiat verspricht zudem, dass mit dem neuen Fiat 500 erstmals Abstandsradar und aktive Spurhalteassistenten in der Winzling-Klasse Einzug halten.

Eine kleine Revolution wagen die Italiener beim Antrieb: Den Fiat 500 wird es künftig mit reinem Batterieantrieb geben. Mit 117 PS soll der Elektro-500er in neun Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Der vollgeladene 42-kWh-Akku soll dabei für eine Reichweite von 320 Kilometern gut sein, die Lithium-Ionen-Zellen lassen sich mit bis zu 85 kW schnellladen. Nur 35 Minuten soll es an entsprechend schnellen Ladestationen dauern, bis die Akkus zu 80 Prozent geladen sind.

Fiat 500 Electric wird das allererste Batterie-Elektroauto für FCA

All das sind durchaus respektable, aber nicht gerade herausragende Werte für ein Elektro-Fahrzeug. Höchst selbstbewusst zeigt sich Fiat dagegen beim Preis: Satte 38.000 Euro soll die "Launch Edition" des 500 vor etwaigen staatlichen Förderungen kosten. Zum Vergleich: Die bisherige Basisversion des 500er mit Verbrennungsmotor kostet rund 16.000 Euro. "Der 500 ist kein Massenmarkt-Produkt, er ist auch nicht das billigste Auto in seinem Segment, und so wird es bleiben", erklärte Fiat-Markenchef Olivier Francois laut "Automotive News Europe" bei der Präsentation.

Der ausführliche Pressetext zur Präsentation des neuen 500er liest sich, als würde Fiat mit dem Wagen nun plötzlich auf einen ganz besonders grünen Kurs einschwenken. Dabei ist es bereits vom Start weg fraglich, ob dem Elektro-Cinquecento überhaupt ein langes Leben beschieden sein wird.

Denn mit seinem Winzling fährt der FCA-Konzern nun auf für ihn neues Terrain. Der E-500er ist das erste in größeren Stückzahlen produzierte rein batteriegetriebene Modell des FCA-Konzerns - mit anderen Worten das erste "echte" FCA-Elektroauto.

Denn der italienisch-amerikanische Autokonzern zählt in der Branche zu den echten Nachzüglern in punkto Elektromobilität. Jahrelang plagten den Konzern Geldnöte. Der frühere FCA-Chef Sergio Marchionne investierte deshalb so wenig wie möglich in neue Modelle und nur das absolute Minimum in neue Antriebskonzepte.

Weil Kalifornien Autohersteller per Gesetz zum Verkauf von Elektroautos verdonnerte, hatte auch Fiat eine Zeit lang ein passendes Vehikel im Angebot: Den Fiat 500e, ein rein batteriegetriebenes Elektroauto, das nur in geringer Stückzahl produziert wurde. Trotz einer eher mageren Reichweite von rund 200 Kilometern kostete der Wagen knapp 33.000 Dollar - und Marchionne konnte ihn nicht leiden: "Ich hoffe, sie kaufen ihn nicht", erklärte er im Jahr 2014 auf einer Konferenz. "Denn jedes Mal, wenn ich einen verkaufe, kostet es mich 14.000 Dollar".

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