Samstag, 21. September 2019

Reaktionen zum Tod des VW-Patriarchen "Leidenschaftliches, beharrliches Genie" - so trauern Piëchs Wegbegleiter

Am Zenit seiner Macht: Der damalige Volkswagen-Konzernchef Ferdinand Piëch im Jahr 2001
Volkswagen / Getty Images
Am Zenit seiner Macht: Der damalige Volkswagen-Konzernchef Ferdinand Piëch im Jahr 2001

Jahrzehntelang führte er den Volkswagen-Konzern als Vorstands- und später als Aufsichtsratschef. Unter seiner Ägide stieg der Autobauer aus der niedersächsischen Provinz zum Weltkonzern und weltgrößten Autohersteller auf. Nun ist Ferdinand Piëch gestorben. Der 82-jährige sei bei einem Restaurantbesuch unvermittelt kollabiert und danach in einer Klinik verstorben, berichtete die "Bild"-Zeitung. Piëchs Ehefrau Ursula hat den Tod ihres Mannes in einer schriftlichen Mitteilung bestätigt.

Piëchs markigste Zitate im Überblick:

"Ich bin auf Distanz zu Winterkorn."

Piëch sagte dies am 10. April 2015 auf "Spiegel Online". Es war der Beginn des Machtkampfs mit dem damaligen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn, den Piëch schließlich verlor.

"Guillotinieren werde ich erst, wenn ich sicher bin, wer es war."

Im September 2013 zum "Spiegel" nach einem Medienbericht über seinen angeblichen Rückzug und angeblich angeschlagenen Gesundheitszustand.

"Ich bin der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Volkswagen AG, ich bin nicht der Retter von Porsche."

Am 3. Dezember 2009 auf der VW-Hauptversammlung zur Kritik wegen Interessenskollision.

"Ich war immer der Meinung, man könne mit dem VW-Gesetz leben. Die Zeit wird zeigen, dass es geht."

Am 11. Mai 2009 auf Sardinien zur Beteiligung des Landes Niedersachsen."

"Zur Zeit noch. Streichen Sie das "noch"!"

Am 11. Mai 2009 auf die Frage, ob der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sein Vertrauen genießt. Wiedeking verlor darauf sein Amt.

"Mein Name ist Ferdinand Piëch und ich kandidiere für den Aufsichtsrat."

Am 7. Mai 2008 bei der Hauptversammlung des Autobauers Audi in Ingolstadt auf die Bitte eines Aktionärs, sich als Kandidat für den Audi-Aufsichtsrat doch einmal vorzustellen.

"Zu spät habe ich erkannt, den Falschen gewählt zu haben. Das habe ich mit Mühe im vergangenen November korrigiert."

Piëch bezeichnet am 19. April 2007 auf der Hauptversammlung in Hamburg die Berufung von Bernd Pischetsrieder zum Vorstandschef 2002 als Fehlentscheidung. Pischetsrieder wurde Anfang 2007 von Martin Winterkorn abgelöst; die Entscheidung darüber fiel im November 2006."

Piëch wurde schon zu seinen Lebzeiten als Ausnahmemanager bezeichnet, als einer, der einen Konzern und eine ganze Ära prägte. Er galt als detailversessen und impfte dem Volkswagen-Konzern Börsen-Chart zeigen jenen Qualitätsfokus ein, mit dem der Autobauer weltweit Rekorde einfahren konnte. Jahrzehntelang an der Spitze halten konnte sich Piëch wohl auch, weil er selbst VW-Topmanager mit kurzen Sätzen öffentlich und gnadenlos abservierte - wenn sie in seinen Augen ungenügende Leistung brachten. Nun blicken Wegbegleiter, Politiker, Ex-Konkurrenten und Medien auf Piëchs Leistungen zurück. Ein Überblick über die Würdigungen.

Volkswagen-Konzern: Fahnen auf Halbmast, Würdigung "große Verdienste"

Zum Gedenken an seinen Langzeit-Chef hat der Volkswagen-Konzern in verschiedenen Werken, darunter das Stammwerk Wolfsburg und das Werk Dresden, die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Der Konzern trauere um seinen langjährigen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Dr. Ferdinand Piëch, heißt es in einer Mitteilung.

Laut Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch habe Piëch "Automobilgeschichte geschrieben - als leidenschaftlicher Manager, genialer Ingenieur und als visionärer Unternehmer". Piëch habe die Entwicklung von Volkswagen zum globalen Mobilitätskonzern "maßgeblich gestaltet, vorangetrieben und geprägt". Das Unternehmen und seine Mitarbeiter haben ihm "unendlich viel zu verdanken. Wir verneigen uns mit Respekt vor seinem Lebenswerk", so sein langjähriger Mitstreiter Pötsch.

Im Video: Mit Piëchs Tod endet eine Ära

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Bild: REUTERS, VW-HANDOUT

Der aktuelle Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess lobt Piëch als "mutig, unternehmerisch konsequent und technisch brillant". Er habe Audi mit Innovationen wie dem quattro-Antrieb und dem TDI-Motor technologisch nach vorne gebracht. Piëch habe Luxusmarken in den Konzernverbund integriert und den Konzern internationalisiert. Technisch sei er mit seinen Entwicklerteams immer wieder an die Grenzen des Machbaren gegangen. Vor allem aber habe Piëch "Qualität und Perfektion bis ins Detail in den Automobilbau gebracht und tief in der Volkswagen DNA verankert". Er selbst schaue "mit Dankbarkeit und großem Respekt" auf Piëchs Lebensleistung, so Diess.

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