Reaktionen zum Tod des VW-Patriarchen "Leidenschaftliches, beharrliches Genie" - so trauern Piëchs Wegbegleiter

Am Zenit seiner Macht: Der damalige Volkswagen-Konzernchef Ferdinand Piëch im Jahr 2001

Am Zenit seiner Macht: Der damalige Volkswagen-Konzernchef Ferdinand Piëch im Jahr 2001

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Ferdinand Piëchs Karriere in Bildern: Manager-Legende mit Liebe für alles, was Räder hat

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Jahrzehntelang führte er den Volkswagen-Konzern als Vorstands- und später als Aufsichtsratschef. Unter seiner Ägide stieg der Autobauer aus der niedersächsischen Provinz zum Weltkonzern und weltgrößten Autohersteller auf. Nun ist Ferdinand Piëch gestorben. Der 82-jährige sei bei einem Restaurantbesuch unvermittelt kollabiert und danach in einer Klinik verstorben, berichtete die "Bild"-Zeitung. Piëchs Ehefrau Ursula hat den Tod ihres Mannes in einer schriftlichen Mitteilung bestätigt.

Piëchs markigste Zitate im Überblick:

Piëch wurde schon zu seinen Lebzeiten als Ausnahmemanager bezeichnet, als einer, der einen Konzern und eine ganze Ära prägte. Er galt als detailversessen und impfte dem Volkswagen-Konzern  jenen Qualitätsfokus ein, mit dem der Autobauer weltweit Rekorde einfahren konnte. Jahrzehntelang an der Spitze halten konnte sich Piëch wohl auch, weil er selbst VW-Topmanager mit kurzen Sätzen öffentlich und gnadenlos abservierte - wenn sie in seinen Augen ungenügende Leistung brachten. Nun blicken Wegbegleiter, Politiker, Ex-Konkurrenten und Medien auf Piëchs Leistungen zurück. Ein Überblick über die Würdigungen.

Volkswagen-Konzern: Fahnen auf Halbmast, Würdigung "große Verdienste"

Zum Gedenken an seinen Langzeit-Chef hat der Volkswagen-Konzern in verschiedenen Werken, darunter das Stammwerk Wolfsburg und das Werk Dresden, die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Der Konzern trauere um seinen langjährigen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Dr. Ferdinand Piëch, heißt es in einer Mitteilung.

Laut Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch habe Piëch "Automobilgeschichte geschrieben - als leidenschaftlicher Manager, genialer Ingenieur und als visionärer Unternehmer". Piëch habe die Entwicklung von Volkswagen zum globalen Mobilitätskonzern "maßgeblich gestaltet, vorangetrieben und geprägt". Das Unternehmen und seine Mitarbeiter haben ihm "unendlich viel zu verdanken. Wir verneigen uns mit Respekt vor seinem Lebenswerk", so sein langjähriger Mitstreiter Pötsch.

Im Video: Mit Piëchs Tod endet eine Ära

REUTERS, VW-HANDOUT

Der aktuelle Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess lobt Piëch als "mutig, unternehmerisch konsequent und technisch brillant". Er habe Audi mit Innovationen wie dem quattro-Antrieb und dem TDI-Motor technologisch nach vorne gebracht. Piëch habe Luxusmarken in den Konzernverbund integriert und den Konzern internationalisiert. Technisch sei er mit seinen Entwicklerteams immer wieder an die Grenzen des Machbaren gegangen. Vor allem aber habe Piëch "Qualität und Perfektion bis ins Detail in den Automobilbau gebracht und tief in der Volkswagen DNA verankert". Er selbst schaue "mit Dankbarkeit und großem Respekt" auf Piëchs Lebensleistung, so Diess.

Trauer bei Porsche um Strategen und "Auto-Enthuisiasten"

Die Porsche SE, in der die Anteile der Familien Porsche und Piëch gebündelt sind, ist der Hauptanteilseigner des Volkswagen-Konzerns. Sein Cousin Wolfgang Porsche, mit dem Piëch zeitlebens einige Machtkämpfe ausfocht, würdigt in einer Mitteilung der Porsche SE nun "den außergewöhnlichen Manager und Ingenieur, den Strategen und ganz einfach auch den Auto-Enthusiasten, der er zeitlebens war".

Piëchs Lebensweg sei jahrzehntelang eng mit seinem eigenen verbunden gewesen, hob Wolfgang Porsche hervor. Mit seinem Cousin, so Porsche, "verbinden mich viele gemeinsame Erinnerungen. Im Mittelpunkt stand dabei das Ringen um das Erbe unseres Großvaters Ferdinand Porsche, das wir erfolgreich weitergeführt haben."

Piëchs Bruder Hans Michel, der als Sprecher der Piech-Familie und stellvertretender Aufsichtsratschef der Porsche SE fungiert, lobte das Lebenswerk des Verstorbenen. Es reiche "weit über die Unternehmen hinaus, für die er tätig war. Er hat die deutsche Automobilindustrie geprägt wie kein Zweiter". Man trauere mit Piëchs Ehefrau Ursula und seinen Kindern, den Volkswagen-Konzernmitarbeitern und "allen Auto-Begeisterten, deren Leben Ferdinand K. Piëch mit seiner Leidenschaft bereichert hat."


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Sportwagenbauer Porsche: "Automobilmann durch und durch"

Porsche-Chef Oliver Blume kondolierte dem "Ziehvater des Porsche 917" in einer Mitteilung. Die Nachricht über seinen Tod treffe den Sportwagenbauer sehr. "Seine Liebe zum Automobil und sein steter Wille, den technischen Fortschritt voranzutreiben, bleiben für immer unvergessen", so Blume. Piëch sei "ein Automobilmann durch und durch" gewesen. Porsche danke ihm "für seine Leidenschaft und seinen Mut, mit dem er Porsche zu außerordentlichen Ingenieursleistungen geführt hat".

So habe Porsches Rennabteilung unter Piëchs Leitung den 917-Rennsportwagen entwickelt, der bis heute als einer der erfolgreichsten Rennwagen gelte - und mit dem Porsche erstmals das 24-Stunden-Rennen in Le Mans gewann.

Audi: "Vereinte Genialität mit Leidenschaft und Beharrlichkeit"

Eine von Piëchs unbestrittenen Leistungen war es, die Marke Audi von der Spießer- zur Premiummarke umzumodeln. Kein Wunder also, dass Audi in einer Mitteilung der Piëch-Familie "aufrichtige Anteilnahme" ausspricht. Weltweit habe man in allen Werken die Flaggen auf Halbmast setzt, so die Vier-Ringe-Marke.

Eine von Piëchs Stärken sei es gewesen, Kunden und Belegschaft gut zugehört zu haben, erklärte Audi-Chef Bram Schot. "Er lebte den Traum der Automobilität sein ganzes Leben lang", so Schot, und habe "mit bahnbrechenden Entwicklungen Vorsprung durch Technik geschaffen." Die Marke werde das Andenken an Ferdinand Piëch hochhalten - der "in einzigartiger Weise Genialität mit Leidenschaft und Beharrlichkeit vereinte".

Ehefrau: "Leben war geprägt von Leidenschaft für Auto und Arbeitnehmer"

Seine Ehefrau Ursula Piëch schrieb: "Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer." Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Die Beisetzung finde im engsten Familienkreis statt, hieß es weiter. Piëch hinterlasse eine große Familie mit 13 Kindern und mehr als doppelt so vielen Enkelkindern.

Piëchs Beitrag zu Arbeitsplätzen in Niedersachsen soll "unvergessen" bleiben

Osterloh: Piëch prägte"Erfolgsgeschichte unseres Konzerns entscheidend"

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh würdigte Piëch als "großen Manager und Ingenieur". "Volkswagen stünde ohne Ferdinand Piëch nicht da, wo wir jetzt stehen. Dafür schulden wir ihm unseren Dank und unsere Anerkennung", teilte Osterloh am Dienstag mit. Piëch habe "mit seiner Liebe zum Produkt, seiner strategischen Weitsicht und seinem feinen Gespür für die Weiterentwicklung unserer Marken (...) die Erfolgsgeschichte unseres Konzerns entscheidend geprägt."


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Niedersachsens MP Weil: Piechs Beitrag zu Arbeitsplätzen "unvergessen"

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil bezeichnete Piëch als "einen der großen Unternehmer in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Er habe sich "große und bleibende Verdienste" auch um Niedersachsen erworben. Das Bundesland hält mehr als 20 Prozent der Volkswagen-Anteile. Der Aufstieg des Autoherstellers zum Weltkonzern sei "nicht zuletzt auch" Piëch zu verdanken, so Weil. Dabei seien auch "viele tausend sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze" geschaffen worden, der Beitrag von Piech dafür sei "unvergessen".

Das Land werde Piëch stets ein "ehrendes Andenken bewahren". Zwar habe die Zusammenarbeit zwischen Niedersachsen und dem VW-Patriarchen 2015 "unter schwierigen Bedingungen" geendet. Der Dank für Piëchs Leistung und der "tiefe Respekt" bleiben davon aber unberührt, so Weil.

VDA: "Großer Unternehmer und leidenschaftlicher Ingenieur"

"Mit großer Betroffenheit und Trauer" habe man die Nachricht von Piëchs Tod aufgenommen, erklärte der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) in einer Mitteilung. Piëch habe eine "beispielhafte Karriere" hingelegt und die "deutsche Automobilindustrie, ihre Innovationskraft und internationale Ausrichtung maßgeblich geprägt", erklärte VDA-Präsident Bernhard Mattes. Der Manager habe am Wachstum der Branche und ihrer "heutigen international starken Position" einen "erheblichen Anteil".

Die Branche verliere mit seinem Tod einen "großen Unternehmer und leidenschaftlichen Ingenieur" - mit höchsten Ansprüchen an Qualität, Sicherheit, Effizienz und Design. Der VDA lobte zudem, dass Piëch in seiner Zeit als VDA-Vizepräsident "stets die Interessen der gesamten Branche" im Blick gehabt habe. Seiner Verdienste "bleiben unvergessen", so Mattes. Piëch war knapp zehn Jahre lang, von 1992 bis 2002, VDA-Vorstandsmitglied und Vizepräsident.

mit Material von dpa-afx